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4. Novbr. wird auch Erzherzog Stephan von Oesterreich wieder hieher kommen, der wahrscheinlich bei dem ihm verwandten hiesigen Fürstenhause wiederholt einen längeren Aufenthalt nehmen wird.

Berlin, 27. Okt. Am 22. d. M. hat die Verlobung der Prinzessin Charlotte, Tochter deS Prinzen Albrecht von Preußen, mit dem jetzt bei des Königs Majestät aus der Reise in's Braunschweigische weilenden Erbprinzen von Sachsen- Meiningen stattgefunden.

Die erste Kammer hat heute Temme's Wahl als Mit­glied dieser Kammer genehmigt. Von einer Einberufung des­selben zur Theilnahme an den Sitzungen erwähnte Herr v. Auerswald nichts.

Berlin, 28. Okt. Nach derRang - und Quartier-Liste der preußischen Armee für 1849" zählt daS stehende Heer jetzt im Ganzen 5945 Offiziere. Unter diesen ist 1 General-Felb- marschall, ver Herzog v. Wellington, 11 Generale (darunter kein Nichtadeliger), 45 Generallieutenants (barunter 1 Nicht­adeliger), 56 Generalmajors (7 Bürgerliche) , 93 Obersten (22 Bürgerliche), 63 Oberstlieutenants (17 Bügerliche), 560 Majors (197 Bürgerliche), 1087 Hauptleute und Rittmeister (360 Bürgerliche), 966 Premieurlieutenants (295 Bürgerliche), 3063 Sekondelieutenants (951 Bürgerliche). Die Landwehr hat 4117 Offiziere, unter welchen 37 Stabsoffiziere , 232 Hauptleute unv Rittmeister, 498 Premierlieutenants und 2213 Sekondelieutenants von bürgerlichem Stande sind. (Lith. C.)

Berlin, 29. Okt. Man will wissen, daß die erste Kam­mer am 15. Dezember aufgelöst und die zweite vertagt werden soll. Man ist im Ministerium selbst darüber zweifelhaft, ob das Mandat der jetzt tagenden Kammer über den Zeitraum eines Jahres hinauSgehe. Die Reorganisation dieser Kammer soll, um jeden Zweifel zu beseitigen, nach dem neuen Kompo- sttionsmodus erfolgen. Jedenfalls wird bis dahin die Revision der Verfassung beendet seyn. Die Publikation derselben und ihre Beeidigung durch den König wird, wie man versichert, ausgesetzt bleiben, bis nach der Berathung der Reichsverfas­sung durch den Reichstag.

Berlin, 29. Okt. Die Nat. Ztg. spricht den Verdacht aus, daß über die Behandlung Hrn. Kinkels im Zuchthause zu Naugardt doppelte Anweisungen ertheilt seyen , von denen die Zuchthausdirektion die strengeren befolge, die sie unmittel­bar aus dem Ministerium des Innern erhalten habe. Die lith. Korr, dagegen meldet, daß die Naugardter Zuchthaus­direktion die bestimmteste Verordnung erhalten habe, Herrn Kinkel mit Schonung zu behandeln und daß sogar die baldige Freilassung des Gefangenen wahrscheinlich sey.

Bremerhaven, 27. Okt. (W. Z.) Kommodore Brommy ist auS Frankfurt wieder zurückgekehrt und hat in Betreff der Flotte bessere Nachrichten mitgebracht. Das Auslaufen der Flotte von ihrer Station in der Weser Mün­dung soll, so lange die formelle Anerkennung der deutschen Flagge Seitens der Seemächte noch nicht erlangt ist, möglichst vermieden werden, doch hat in dem gegenwärtigen Augen­blicke, wo die Verhältnisse der Zentralgewalt so völlig in der Schwebe sind, ein definitiver Entschluß noch nicht gefaßt wer­den können. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sich für die Ueberwinterung der ganzen Flotte, mit Einschluß der beiden großen Fregatten, auf der Weser die nöthigen Einrichtungen treffen lassen. Es ist, wie man hört, die Absicht, die größeren Schiffe ihre Winterstation in der Geestemündung nehmen zu lassen, wogegen die kleineren in Brake unlergebrachl werden sollen, wozu mit den betreffenden Regierungen die Unterhand­lungen bereits im Gange sind.

Frankreich.

Paris, 29. Oktober.

Vor dem hohen Gerichtshöfe zu Versailles sind noch etwa 40 Anklage-Zeugen zu verhören; dann kommen die von den Angeklagten vorgeladenen Zeugen an die Reihe. Man ver­sichert, daß ein noch rechtzeitig von der Behörde entdecktes Komplott die förmliche Entführung der Angeklagten während der Sitzung bezweckte. Schon waren alle Maßregeln zu diesem

Handstreiche getroffen, der aber jetzt in Folge der ergriffenen neuen Vorsichtsmaßregeln unterbleiben muß.

Ungarn.

Aus Pesth wird derPresse" unterm 22. Okt. über die Hinrichtungen des Fürsten Woroniezky, Giron (aus Aachen) und Abancourt geschrieben:Ersterer, ein blutjunger schöner Mann, gab seinen Begleitern zum Hochgerichte noch vor dem Tage der Erekution ein glänzendes Banket, und cs muß zur Ehre der Verurtheilten nachgesagt werden, daß Sokrates den historischen Schierlingsbecher nicht mit mehr Ruhe leeren konnte, als sie den Imbiß verzehrten. Giron, sonst mehr Poltron als Haudegen, hielt sich auf dem Todesgange sehr tapfer, und sah sich er wurde zuletzt gehenkt, und der Fürst eröffnete den traurigen Reigen noch einmal mit schmerzlichem Lächeln nach den Vorangegangenen um, als der vcrhängnißvolle Strick bereits um seinen Hals geschlungen war. Man mußte ihn fast mit Gewalt bewegen, seinen Rock abzulegen."

Sprechsaal für Stadt und Land.

:: Erwiederung an den Schreiber des Artikels B im Sprechsaal Nr. 252.

Vorerst sage ich Ihnen meinen besten Dank für die freund­liche Belehrung, die Sie mir wollten zu Theil werden lassen, kann aber nicht umhin, einige Gegenbemerkungen zu machen.

Warum ich das Wechseln der Lehrer besonders in den Volksschulen für nachtheilig halte, habe ich gesagt. In höheren Anstalten müssen wir Fachlehrer haben, weil des Lehrstoffes für Einen Mann zu viel ist; könnte es anders seyn, würde ich's für besser halten. Der Nachtheil des Wechselns verringert sich indeß in diesen Anstalten durch geringere Schülerzahl und dadurch, daß im Allgemeinen die Kinder, die dieselben besuchen, auch zu Hause eine sorgfältigere Beaufsichtigung und Erziehung genießen könnten und sollten.

Die Differenz zwischen der 1. und 2. Abtheilung der Wiesbadener Elementarschule besteht nicht allein in der Idee, sie ist deutlich ausgesprochen schon durch das verschiedene Schulgeld.

Was ich sodann von Börsenspekulation sagte, bezog sich nicht auf die 1. Abtheilung, wie Sie wohl hätten sehen können. Wir beurtheilen doch bi^ gebotene Quantität und Qualität des Unterrichts unserer Schule gewöhnlich nach der Höhe des Schulgeldes; sollte nun diese in zwei Anstalten verschieden seyn, das Uebrige aber sich gleich kommen: warum dann ver­schiedenes Schulgeld erheben?

Ganz einverstanden bin ich mit Ihrer Bemerkung, daß die praktische Ausbildung (oder schlechtweg die Ausbildung) der Lehrer im Seminar nur begonnen hat, und vielleicht sind Sie ebenso einverstanden mit mir, daß diese Ausbildung nie vollendet wird: daß sie aber durch die besprochene Einrichtung so gefördert werde, um die entstehenden Nachtheile für Dis­ziplin rc. aufzuwiegen, will mir noch nicht einleuchten. Viel besser scheint mir, dem Seminar eine erweiterte Einrichtung zu geben, etwa durch den schon oft verlangten fünfjährigen Kursus, und daß man die jungen Leute vor ihrer eigentlichen Anstellung erst unter der Aussicht und Leitung tüchtiger Lehrer praktisch sich erproben lasse.

Weiter sagen Sie, es scheine mich eine gewisse Furcht vor einer qualitativen Hebung der genannten ersten Abtheilung befallen zu haben nun, der Schein trügt. Freuen aber soll eS mich, wenn bei der zu hoffenden Schulreform nicht allein die Wiesbadener Elementarschule die ich indeß schon lange für eine tüchtige Volksschule gehalten habe sondern auch die andern Elementarschulen des Landes recht zu ihrem Besten bedacht werden bin ich doch schon allein durch meine Stellung mehr dabei interessirt, als Sie es zu glauben scheinen.

Den 27. Oktober 1849.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Berichtigung.

In dem Berichte über die Assisenvcrhandlungen in Nr. 259, 2. Ausgabe muß es S. 1, Sp. 2, Zeile 21 v. u. heißen: bereichern statt berühren.