Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 238. Mittwoch den 31 Oktober 1849.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationsprets ist in WieSbaven, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurr 8 ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Asfisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Deutschland. Mainz (Die Cholera). Darmstadt (Ein Schwaben­streich in Hessen. Assisenverhandlung über die Zerstörung der Eisenbahn).

Worms (Mordversuch). München (Die bayerische Zustimmungs­akte zu dem Interim). Teterow (Schreckliche Drohung der Gräfin Hahn). Hamburg (Das Gagernfest). Schleswig-Holstein

(Die Gefion). Wien (Die Organisation Ungarns. Graf Gyulai.

Ein Kompromiß in dem türkischen Zwist in Ausffcht). Großbritannien. London (Ermordung des portugiesischen Gesandten). Ungarn. Ofen (Die Kontribution der Judengemeinde).

Jonische Inseln. Korfu (Geheime Gesellschaft), Sprechsaal für Stadt und Land.

*** Die Assisenverhandlungen

über die Anklage gegen den Redakteur Julius Oppermann und Genossen wegen Aufforderung zu hochverrälherischen Handlungen und Beleidigung Sr. Majestät des Königs von Preußen am 23. und 24. Oktober zu Wiesbaden.

(Fortsetzung)

Simulque illud reputale, turbide et seditiose iractaverit: ied neque reum probibeo quo minus cuncta proferat, quibus innocentia ejus sublevari Tacit. annal.

Oppermann fuhr sodann fort:daß die Anklagen, welche der Staatsanwalt erhoben habe, in zwei Hauptklassen zerfielen, die eine Klasse begreife das Verbrechen, zu Hochverrath aufge­fordert zu haben, die andere Klasse begreife eine Reihe von Artikeln, durch welche er den König von Preußen beleidigt haben solle. Er sey beschuldigt, durch neun Artikel zu Hoch- verrath aufgefordert zu haben. Er halte es nun vor allen Dingen für ganz unumgänglich nothwendig, den Begriff des Hochverralhs, wie er in unserem Gesetzbuche festgestellt worden, klar darzulegen. In unserem Gesetzbuche, auf welches er sich in dieser Beziehung berufe (denn er spreche in Beziehung auf den Hochverrath nicht die Wohlthaten des gemeinen Rechts an), werde der Hochverrath begangen durch einen Angriff oder einen verabredeten Angriff erstens gegen die Person unseres Herzogs, zweitens gegen das Gebiet unseres Staates und drittens gegen unsere Staatsverfassnng. Er werde nun den Geschwornen zeigen, daß alle die Artikel, wegen welchen er an- geklagt sey, keineswegs irgend einen Angriff auf unsere Ver­fassung, auf unsern Herzog oder auf unser Staatsgebiet ent­hielten, sondern daß alle diese Artikel vielmehr den Zweck hätten, die Reichsverfassung, welche am 28. März zu Frankfurt von den gesummten Vertretern der Nation beschlossen und ver­kündet worden sey, durchzuführen und zur Geltung zu bringen. Das sey der Rechtsboden, auf dem er stehe, daß er stets blos und allein den Kampf für die Reichsverfaffung im Auge ge-

! habt habe. Das sey der Rechtsboden, den er behaupte und den er festhalte, daß er blos und nur allein für die Reichsver­faffung gekämpft habe."

Nachdem nun Oppermann zu deduziren versucht hat, daß die gegen ihn vorliegenden Anklagen wegen Aufreizung zum Hochverrathe nicht unter das Nass. Strafgesetzbuch sub- sumirt werden könnten, setzt er den Geschwornen auseinander, wie eine That gerecht beurtheilt werden müsse, und sagt: sie dnrse nicht blos nach dem beurtheilt werden, was nackt vor­liege; die Verhältnisse, die Umstände, welche die That ins Leben gerufen hätten, müßten beurtheilt werden!

Die Thal ist nicht eine solche, so sprach Opper- ? m a n n mit Pathos zu den Geschwornen weiter welche aus ' dem Gemüthe eines Menschen hervor keimt, selbstständig durch keinerlei Umstände hervorgerufen, sondern wie die Pflanze an das Licht gelockt wird, durch die wärmenden Strahlen der Sonne; so wird auch Die im Busen ruhende That hervorge- lvckt durch die Verhältnisse, welche ihr vorausgehen. Wollen Sie also meine That in dieser Beziehung richtig und gerecht beurtheilen; so müssen Sie vor allen Dingen die Zeit in An­schlag bringen, in welcher sie entstanden ist. Sie müssen vor allen Dingen betrachten, was die Stimmung des deutschen Volks zu der Zeit war, wie sie ins Leben gerufen worden. Diese einzelnen Aufsätze sind Kinder jener Zeit und Sie müs, sen dieselben also nach jener Zeit beurtheilen. Um Ihnen nun ein klares Bild zu geben von der Zeit und von der Stimmung, in welcher sich die deutsche Nation damals befunden, als diese Artikel ins Leben gerufen wurden, werde ich mir erlauben, einen kurzen Abriß der Geschichte des Monats Mai d. I. zu geben. In diesem Monate sind diese Artikel zum größten Theile entstanden und gerade nach der Geschichte dieses Monats werden Sie bemessen müssen, ob wirklich durch diese Artikel Hochverrath beabsichtigt war, oder nicht, vielmehr eine patrio­tische That wegen Durchführung der Reichsverfaffung."

(Fortsetzung folgt.)

Deutschland.

Mainz, 28. Oktbr. Stand der Brcchruhrepidcmie. In Mainz sind keine weiteren Erkrankungsfälle vorgekommen, da» gegen ist aus der Gemeinde Kastel ein neuer Erkrankungsfall angezeigt worden.

Darmstadt, 28. Okt. (Darmst. I.) Eine eigene, sonder­bare Stelle in den gegenwärtigen hessischen Wahlkämpfen nimmt die Gemeinde Spitzaltheim im Wahlbezirke Babenhausen ein, welche beschlossen haben soll, diesmal gar nicht zu wählen, sondern einmal drei Jahre lang zuzusehen, wie der Großherzog ohne Landstände regiere, thue das nicht gut, so könne man später zum Institut der Landstände wieder zurückkehren. Nun, man sieht, daß auch wir Hessen zu den bekannt gewordenen Schwabenstreichen der letzten Zeit, welche unsern Herrgott und den König von Würtemberg als LandtagSabgeordnèke haben wollten, Gratisbeiträge zu liefern geneigt sind!