Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 257»
Dienstag den LO Oktober
1849.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume- rationSpreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Heffen-Hoinburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltiingSgebieteS 8 fl. 1O fr. ^Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- lerg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die Assisenverhqndlungen zu Wiesbaden.
Deutschland. Aus dem Maingrunde (Der Haß gegen die alten Schultheisen). — Wallmerod (Marktschlägerei). — Dillenburg (Urtheile des Asfisenhofes). — Freiburg (Standgericht). — Kassel (Kammerdebatte über das Dreikonigsbündniß). — Stuttgart (Die politischen Untersuchungen). — Hannover (Rechtfertigung Wangenheims). — Berlin (Hr. von Wangenheim. Erklärung Klapka's). — Son der Nieder elbe (Die schwedischen Truppen in Nordschleswig).
— Stettin (Mißrathen der Kartoffelernte).
Belgien. Brüssel (Metternich).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Türkei. Konstantinopel (Der Aufstand in Samos).
*** Die Assifenverhandlungen
über die Anklage gegen den Redakteur Iulius Oppermann und Genoffe» wegen Aufforderung zu hochverrâtherischen Handlungen und Beleidung Sr. Majestät des Königs von Preußen.
(Fortsetzung.)
Der von dem berüchtigten badischen Landesausschusse am 21. Mai L I. erlassene, von Oppermann und Genossen am 24. L I. als Flugblatt in hiesiger Stadt an nassauische Soldaten und Zivilpersonen »ertheilte und am 27. Mai l. I. in der von Oppermann redigirten Freien Zeitung erschienene Aufruf lautet also:
An Deutschlands Krieger!
Dec blutdürstige, verrätherische Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, welcher sich in den Märztagen 1848 vor den Leichen der von ihm gemordeten Bürger beugte, nachdem er vom Volke besiegt worden war, erhebt sein Haupt jetzt wieder stolzer, als jemals. Der Freiheit Deutschlands hat er den Krieg auf Leben und Tod erklärt; die Reichsverfassung hat er mit Füßen gebeten. Schon büßten die Sachsen schwer für ihre Verfassungstreue; auch Rheinpreußen und das südliche Deutschland sollen durch preußische Waffen niedergehalten werden. Derselbe Kö- nlg, welcher seinem Volke auf die blutigste Weise wiederholt , die Treue gebrochen, verlangt von seinen Soldaten Treue und blinden Gehorsam.
i Soldaten, deutsche Brüder! die Zeiten des blinden Gehör, ijams gegenüber einem blutdürstigen Tyrannen sind vorüber.
: Karger und Soldaten sind zum Bewußtseyn ihrer ewigen und unveräußerlichen Rechte gelangt. DaS badische Heer hat dem gelammten Solvatenstande Europa's ein großartiges Beispiel k Es hat einmüthig erklärt, das Blut seiner Väter und Bruder nicht vergießen zu wollen, sich nicht gebrauchen zu tasten zum Schergen der Tyrannei. DaS badische Heer hat m " Reihen diejenigen Führer entfernt, welche die Rechte . ves Boltes mit dem Schwerte in der Hand bekämpften, und Offiziere erwählt, welche bereit sind, Volk und Soldatenstand zu einem großen Bunde der Freiheit zu ver-
Soldaten, deutsche Brüder! folget dem hochherzigen Beispiele des badischen Heeres. Höret auf, das Volk, dem ihr mit den heiligsten Banden der Natur angehört, zu bekämpfen; duldet nicht in eurer Mitte die Feinde des Volkes, welche auch die eurigen sind! Höret nicht auf die Stimme eines blutdürstigen Königs, höret auf die Stimme des Volkes: zerbrecht euer Joch und mit diesem zugleich,,die Ketten deS deutschen Vaterlandes!
Aus den inkriminirten Artikeln der Freien Zeitung heben wir auS und zwar 1) aus Nr. 106 vom 5. Mai:
Volk vertrau' dir selbst und halte dein Pulver trocken!
Die Deutsche ReichStags-Zeitung enthält heute nachstehenden Artikel, den wir unsern Lesern zur innigsten Beherzigung empfehlen.
„Das hochverrätherische Verbrechen der Kamarillen am deutschen Volke ist vollendet — Du kennst nun daS Schicksal, das dir bereitet ist von denen, die du in verderblicher Groß- muth geschont, als ihr LooS in deinen Händen lag. Als Satrapen der russischen Scheusals stehen sie bis zu den Zähnen gerüstet da, um den Streich gegen dich zu führen, und dich aus der Reihe gesitteter Nationen für immer auszustreichen l Noch einmal liegt dein Schicksal in deinen Händen: jetzt schsägt die zwölfte Stunde, die es entscheidet! Jetzt oder nie! Nur die ungeheuerste Anstrengung von deiner Seite vermag dich zu retten vor namenloser Schande, vor gränzenlosem Elend. Wenn du nicht Alles, Leben, Gut und Blut einsetzest, bist du verloren! Erhebe dich, wie ein Mann! Zu den Waffen! — Deutsches Volk, die ehernen Würfel deines Geschickes rollen, ergreife sie kühn und todesmuthig, und thue den ersten Wurf. Zu den Waffen!"
2) aus Nro. 109 vom 9. Mai
Aufruf an das deutsche Heer!
Deutsche Krreger!
„Soldaten! Wir Vertreter von Millionen Deutschen aus allen Gauen deS deutschen Vaterlandes, wir fragen Euch: werdet Ihr cs dulden, daß Fürsten und Minister, welche daS Gesetz der Nation mit Füßen treten, Euch gegen Eure Brüder und Väter hetzen?
Soldaten! Ihr habt geschworen dem Fürsten und Vater, lande. Wenn aber ein Fürst gegen das Vaterland rebellirt, so darf in der Brust deS braven chrlicbenden Kriegers nur der wahre Eid, der höchste EibZ für das Vaterland lebendig bleiben!"
3) aus Nro. 121 vom 23. Mai, der Proklamation des badischen Landesausschusses an die deutschen Soldaten.
„Soldaten! Deutsche Brüder! Der Hauch der Revo- lution weht aufs neue durch unser Volk hindurch; daS deutsche Volk will den Kampf jetzt zu Ende führen, den e§_ im März v. J. ausgenommen hat. Soldaten! Auch für Euch schlägt die Stunde der Freiheit, auch für Euch blutet das Volk, wenn es für seine ewigen und unveräußerlichen Rechte in den Kampf geht. — Soldaten! Eure Brüder in Baden haben erkannt, daß sic cins sind und daß sie eins seyn müssen mit dem Volke. Sie sind es gewesen, durch deren hochherziges