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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M SS« Montag den L» Oktober 1849.

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachricht.

Nichtamtlicher Theil.

Der neue deutsche Reichstag.

Deutschland. Frankfurt (Der Prinz von Preußen). Rastatt (Das Standgericht). Stu ttg art (Das Ministerium). M einingen (Das neue Ministerium). Trier (Die Cholera). Berlin (Flücht- lingszeitung. Die Rede des Herrn v. Radowitz. Die Gefion). Lud­wigslust (Die Trauung der Herzogin Louise mit dem Fürsten Windisch- grâtz).

Frankreich. Paris (Abstimmung über die Verbannungsdekrete. Ver­mischtes).

Ungarn. (Die Ofener Festungswerke).

Amtlicher Theil.

Dem provisorischen Lehrvikar Hellerbach in Büdingen ist die dasige Schulstelle definitiv übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Der neue deutsche Reichstag.

XVI.

(Schlu ß.)

Der österreichische ministerielle Lloyd schreibt:Wir den­ken den Fortschritt, welchen die deutsche Frage bisher ge­macht hat, zuerst Bayern, dann Hannover. Wir sagen den Fortschritt und meinen damit die gewonnene Aussicht auf Einigung des ganzen Deutschlandeö mit dem ganzen Oesterreich. Diese bleibt uns stets die Hauptsache, und die Form, in welcher die Einigung beliebt wird, Neben­sache, falls allen Völkern des großen Bundes die konstitutionelle Freiheit gewährt bleibt, eine Sache, die sich eigentlich von selbst versteht, und worüber man keine Worte zu verlieren braucht." Daspreußische Bündniß", diepreußische Suprematie in Deutschland", derAusschluß Oesterreichs aus Deutschland" sind die rothen Fäden dieses Gewebes.

Es ist Oesterreich nun wieder möglich geworden, auf fried­lichem Wege seine Rechte in Deutschland zur Geltung zu bringen. Von Pflichten ist natürlich gar nicht die Rede; Re« gierungs-Absolutismus, dem hier das Wort geredet wird, hat nur Rechte, und die Völker haben nur Pflichten gegen ihn. Unserer Meinung nach löst daS zu Stande gekommene Interim den norddeutschen Sonderbund auf." Der Zutritt zum preußi­schen Sonderbund wird einer Mediatisirung gleichgeachtet.Wir dürfen hoffen, daß Preußen jetzt seine ursprüngliche Idee auf­

geben wird, einen preußischen Bund zu schließen, schon um Oesterreich zu verhindern, einen österreichischen Sonderbund cin- zuleiten, schon um die Einheit Deutschlands nicht ohne Roth zu gefährden." Was ist der langen Rede kurzer Sinn? Die Einheit Deutschlands unter dem alten Bundestage mit dem Vorsitze Oesterreichs, also Oesterreichs Supremâlie.

Bei der Staats-Einheit, wornach unsere Zeit strebt, und bei der versöhnenden Verschmelzung der Fürsten­macht und der Volksmacht, welche Deutschland eben jetzt zur Aufgabe erhalten hat, bei der Furcht vor der Rückkehr Metternichscher Politik im dualistischen Interim, welche sich zeigt, mögen die Worte gehört werden, welche Dahlmann kürzlich in seiner Rede für das Steuerbewilligungsrecht nach dem stenographischen Berichte zu Berlin über Fürstenrecht und Volksrecht sprach.Am Ende, wenn Staatsmacht und Volks­freiheit einmal gleichzeitig nicht zu heben' sind, gebühret der Staatsmacht in alle Wege der Vorgang. Manches Menschen­alter hindurch war die Steigerung der landesfürstlichen Macht mit der wachsenden Einheit des Staates überall Hand in Hand gegangen, als jene große europäische Volksbewegung erfolgte, die in Frankreich ihren Anfang nahm. Statt freudig anzuerkennen, was die Steigerung der Fürstenmacht bis zur llnumschränktheit für die Ausbildung der Staats-Ordnung Unvergeßliches geleistet hat, statt die Versöhnung der innerlich durchaus einträchtigen Forderungen der SlaatSeinheit und der Volksfreiheit auf dem eröffneten Wege zu suchen, fand man in Frankreich den Grund aller llnumschränktheit allein in tyran­nischer Herrsch- und Ländergier der Monarchen, und schleuderte unsinnig die Monarchie, die beste Garantie der Staatsstärke und der Volksfreiheit und der Eintracht beider, in den Abgrund. Auch England hat allerdings etwa anderthalb Jahrhunderte früher eine ähnliche Katastrophe erlebt; allein in England ward nie auf die Dauer das Königthum in dem Geiste der Feindseligkeit aufgefaßt, nie auch waren in England die Or­gane der Volksfreiheit ganz zerbrochen, wie in Frankreich, und nachdem man auf englischem Boden nach langem, schwerem, mit Blut beflecktem Kampfe endlich auf ein geziemendes Maas billiger Ansprüche zurückgetreten war, ging man dort im Jahr 1689 mit einem schönen'Freiheitsgewinn aus den Wogen der Revolution hervor. Nicht so in Frankreich und dem von ihm überwogten europäischen Kontinente. Hier überall arbeitet man noch diesen Tag an der unerledigten Aufgabe, und sogar giebt eS überall noch eine Partei, welche die Aufgabe selbst sogar verneint und namentlich alö dem Christenthume feind­selig verabscheut."

Ueber die Gerüchte, daß man davon abstehen wolle Er­furt zum Sitze des Reichstages zu machen, erzählt man sich von einem bereits feierlichst verbrieften mitteldeutschen Sonderbunde zwischen Bayern, Würtemberg und Hann o ve r um gegen preußische und österreichische Suprematie die eigene Souveränetät zu retten. Sachsen soll noch schwanken. Also neue Verwickelungen der Einheit! Die geograpischen Schwierigkeiten dieses Mitteldeutschlands bedürfen keiner beson­deren Darlegung. , . .

Nichtsdestoweniger fürchten wir immer noch nichts für Die Einheit; je gefährdeter sie scheint um so eher wird sich em