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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

â 233. Samstag den 27. Oktober 1849.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungSgebicteS 8 fl. IO fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Deutschland. Wiesbaden (Debuèmann verurtheilt). Mainz (Vice-Gouverneur von Hüser). Frankfurt (Der Erzherzog-Reichsver- weser. Die Hannoversche Zeitung über die Anwesenheit Römers in Frank­furt). Darmstadt (Asstsenverhandlung). Mannheim (Verur- theilung). Speier (Freischärler.)Münster (Temme). Wei­mar (Kanzler von Müller). D resd c n und Le ipzig (Landtags­wahlen). Hannover (Gagern und Mathy. Warnung an die Schul­lehrer. Das Schiedsgericht).Berlin (Ginsprache Sachsens und Hannovers gegen das Aufschieben der Reichstagswahlen. Abreise der beiden Gesandten. Die Entschädigungsforderung Preußens an Bayern. Die Wirksamkeit Vollpracht's. Die Kammer). Schleswig-Hol­stein (Die Kriegsrüstungen).

Frankreich. Straßburg (Die Juniangeklagten). Paris (Die Ministerkrists. Die Abstimmung über die römische Frage).

Dänemark. Kopenhagen (Der österreichische Gesandte. Die Gefion). Italien. Neapel (Die Schulen. Die Kriegsmarine).

Sprechsaal für Stadt und Land.

*** Die Assisenverhandlungen

über die Anklage gegen den Redakteur Julius Oppermann, den Buchhändler­gehülfen Christian Limbarth und den Äuchhändlerlehrlina Friedrich Frauen- H o I z wegen Aufforderung zu hochver- rätherischen Handlungen und Beleidigung Sr. Majestät des Königs von Preußen am 23. und 24. Oktober zu Wiesbaden.

Wiesbaden, 26. Oktober.

Exequi sententias baud institui, nisi insignes per honestum aut notabili de- decore: quod praecipuum munus anna- lium reor, ne virtutes sileantur, utque pravis dictis factisque ex posteritäte et infamia metus sit.

Tacit. annal. III., 65.

Am 23. und 24. l. M. standen Julius Oppermann aus Diez, früher kurze Zeit lang AmtSakzessist daselbst und dermalen Redakteur der Freien Zeitung dahier; Christian Lim­barth aus Auringen, hiesigen Justizamts und Buchhand­lungsgehilfe dahier und Friedrich Frauenholz auS Hessen- Homburg, Buchhandlungslehrling dahier, vor den Assifen. Alle drei sind angeklagt, das Flugblatt des berüchtigten badischen LandesausschussesAn Deutschlands Krieger", * d. d. Karls­ruhe den 21. Mai 1849, worin Seine Majestät der jetzt re­gierende König von Preußen auf die gemeinste Weise geschmäht und die deutschen Soldaten zum Treubruch und zur Meuterei aufgefordert wurden, verbreitet zu haben. Oppermann ist überdieß noch wegen verschiedener Artikel in mehreren von ihm 'redigirten Nummern der Freien Zeitung, welche er theils selbst verfaßt, theils aus der demokratischen Presse in solche hat ab­drucken, theils endlich von Verfassern, deren Namen er nicht genannt, zur Aufnahme erhalten hat, welche Artikel fast alle

Aufforderungen zu hochverräterischen Handlungen und einige derselben gröbliche Beleidigungen gegen Seine Majestät den König Friedrich Wilhelm IV. enthalten, angeklagt.

Die Verhandlungen begannen am 23. l. M. des Morgens etwas nach 8 Uhr. Die für das Publikum bestimmten Räume des Assisensaales waren gedrängt voll.

Der Assisenhof war so gebildet: HofgerichtSrath Trepka Präsident, die Hofgerichtsräthe v. Bierbrauer, Ebhardt, Stahl und Forst Richter, Hofgerichtsrath v. Preu sch en, Ergänzungsrichler, und Hofgèrichtsakzessist Bernhardt Ge­richtsschreiber.

Die Staatsbehörde vertrat Staatsanwalt-Substitut Flach, Als Veriheidiger der Angeklagten traten auf: Prokurator Lang und der frühere Amtsakzessist von dxr Nahmer.

Nachdem der Amtsassessor Usener, der Einzige aller Ge­schwornen, welcher juristische und staaiswiffcnschaftliche Bildung besitzt, von den Angeklagten rckusirt und von beiden Seiten von dem Rekusationsrecht Gebrauch gemacht worden war, ent­sprang der Wahlurne folgende Jury:

1) Johann Rubröder aus Niederlahnstein, 2) Bürger­meister Fluck von Zeilsheim, 3) Heinrich Heimes aus Hat­tenheim, 4) Friedr. Wagner von St. Goarshausen, 5) Phil. Dies!er aus Osterspai, 6) Jakob Gerhard aus Wetzelhain, 7) Johann Georg Spri esterSb ach aus Lollschied, 8) Bern­hard Mai von der Hammermühle bei Wiesbaden, 9) Christian Redhardt jun.. von Miehlen, 10) Bürgermeister Kopp von Münchenroth, 11) Schreiner Wilh. Löw von Wiesbaden und 12) Bürgermeister Vollberg von Grävenwiesbach.

Nach Vereidung der Geschwornen wurden auf Befehl des Assisenpräsidenten durch den fungirenden Gerichtsschreiber daS Verweisungserkenntniß des Anklagesenats, der Anklageakt, daS gedachte Karlsruher Flugblatt und die verschiedenen inkrimi- nirten Artikel der Freien Zeitung verlesen. Nach dieser Ver­lesung sprach der Assisenpräsident zu den Angeklagten:DaS ist eS, dessen Sie angeschuldigt sind; Sie werden nunmehr die Beweise hören, welche man gegen Sie vorbringen wird."

Der Staatsanwalt entwickelte nun den Gegenstand der Anklage und setzte den Geschwornen auseinander, was eigent­lich die s. g, politischen Verbrechen für Verbrechen und daß die Verbrechen gegen die Existenz und Sicherheit deS Staates ge­rade die gefährlichsten und strafwürdigsten Verbrechen seyen.

Der Assisenpräsident schritt hierauf zum Verhöre der An­geklagten. Zuerst begann er mit Oppermann. Dieser gestand ein: daß er den ihm in einem Paquet durch die Post zuge- gangenen Karlsruher Aufruf dem Angeklagten Limbarth zur Vertheilung übergeben, daß er zwei der inkriminirten Artikel selber verfaßt, die andern theils anderen Zeitungen entnommen, theils von Verfassern, die er nicht nenne, zur Aufnahme er­halten habe. Limbarth gestand ein, daß er von den in dem ihm von Oppermann zur Vertheilung übergebenen Paquet enthaltenen Exemplaren des fraglichen Aufrufes mehrere an Nassauische Soldaten und Zivilisten vertheilt habe. Frauenholz gab nach, daß er von den von dem flüchtigen Buchhandlungs­gehilfen Wolff von hier aus der Ritter'schen Buchhandlung in die Fischer'sche Buchhandlung gebrachten ^'kmplarcn des Karlsruher Aufrufes einige an Nass. Soldaten und Zivilisten