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Paulskirche, fobalb sie die Kirchen- und Schulfragen entschieden sah; die österreichische Partei ging sogar in das Heerlager der Gegner über, als sie sah, daß die Majorität darauf ausgehe, Preußen an die Spitze Deutschlands zu stellen. Der Redner entwickelte nun ausführlich seine Ansicht über die preußische Hegemonie und das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland. Nachdem er gezeigt, wie man Oesterreich nicht habe zumuthen können, seine vielgestaltigen Interessen abhängig zu machen von einer rein deutschen Zentralregierung, erörterte er Preußens Beruf, diese rein deutsche Zentralregierung zu übernehmen. Nur darauf habe es ankommen müssen, in die Verfassung des Reichs solche Bestimmungen aufzunehmen, welche eine Garantie dafür böten, daß diese Macht auch wirklich die Interessen der Nation wahrnehme, daß nicht unter dem Titel einer deutschen eine preußische Verwaltung sich festsetze.

Gegen eine solche preußische Verwaltung würde man im Süden ebenso eingenommen seyn, wie nur immer in Hannover oder den Hansestädten. Solche Garantiern habe nun die in Frankfurt festgestellte Verfassung dargeboten; er seinerseits glaube, wenn man diese Verfassung hingenommen hätte als einen Kompromiß zwischen den Parteien, das Werk würde wohl gelungen seyn. (Schluß folgt.)

Deutschland.

6 Herschbach, 21. Oktober. Gestern Nachmittag brach hier in einer Scheuer Feuer aus, das mit solcher Wuth um sich griff, daß in wenigen Augenblicken deren eine ganze Reihe in Flammen stand. Nur der sehr gelinde und günstige Wind hat uns vor größerem Unglück bewahrt, denn dadurch wurde es der so schnell herbeieilenden Hülfe möglich, dem furchtbaren Elemente Einhalt zu thun. Im Ganzen sind 18 mit Frucht und Heu gefüllte Scheuern bis auf den Grund abgebrannt und einige Wohngebäude stark beschädigt.

Mainz, 20. Okt. <Darmst. Z.) Stand der Brechruhr­epidemie: 4 Genesungsfälle, ein Erkrankungs- und kein Sterb­fall. Am 21. sind 3 neue Erkrankungs- und 3 Genesungs­fälle, sowie ein Sterbfall vorgekommen.

Rastatt, 29. Okt. (D. Z.) In der gestrigen Nummer der Deutschen Zeitung bringt ein Korrespondent von Berlin unter Anderm über Kinkel die von der Kreuzzeitung erfundene Aussage eines Landwehrmannes, wornach Kinkel geäußert habe, er wolle, wenn er entspringen könnte, (dies habe er einem Landwehrmanne gestanden) nach England gehen, um in der Nähe zu seyn, wenn der neue Kampf für die Republik losgehe. Gestatten Sie mir nun, gegenüber jener Erfindung, Ihnen in Wahrheit eine Aeußerung Kinkels mitzutheilen, die derselbe hier in seiner Kasematte gethan hat. Er sagte, die Hegemonie des Nordens, insbesondere Preußens, in Deutschland und über Sübdeutschlanb sey für alle Zukunft gewiß, und sey ein Ziel, dessen Erreichung außer allem Zweifel stehe. Unter welcher Form Preußen an die Spitze Deutschlands trete, sey dabei außer Betracht, er, seineStheils, habe nichts gegen die Form der konstitutionellen Monarchie, nur wünsche er einen Fürsten an der Spitze, der aus dem Volke hervorgegangen oder der es mit Beistimmung des ganzen Volkes sei.

Aus dem badischen Oberlande, 19. Oktbr. Beim Aus­bruch der badischen Revolution konnte eine Militärkasse nicht weiter, als bis Mühlheim gebracht werden. Man mußte sie daselbst zurücklassen, ohne Hoffnung, sie je wieder zu erhalten. Die gewichtige Kasse wäre für den Staat ohne Zweifel ver­loren gewesen, wenn sie nicht von einem wackern Mann aus den Händen der Insurgenten, welche sie schon ausgekundschafte: hatten, zur rechten Zeit gerettet worden wäre. Ein geborner Badener, Gastwirth Dienst in Colmar, von der Sache durch den bei ihm einkehresden Major Waizenegger in Kenntniß gc- setzt , begab sich sogleich mit den Worten:heute noch Herr Major I bringe ich Ihnen die Kasse", auf den Weg nach Müll­heim, welchen er in der größten Eile zurücklegte, nahm daselbst die Kasse in Empfang, und fuhr mit der größten Lebensgefahr mitten durch die Aufständischen, welche ihn mehrmals aufhielten, bis Neuenburg. Hier ließ er sich ohne Verzug über den Rhein setzen, wozu er schon früher Vorkehrungen getroffen, und hätte er hier nur einige Minuten verzögert, um sich zu erholen, so wäre er von den wutentbrannten Aufständischen, welche ihn verfolgten, eingeholt worben, und hätte mit der

Kasse auch sein Leben gefährdet. Er schonte aber weder sich, noch sein schon ganz ermattetes Pferd und brachte auch wirk­lich, nachdem er über 24 Stunden zurückgelegt hatte, noch am nämlichen Tage, wie er versprochen, die Kasse dem Hrn. Major Waizenegger zu. Man kann sich die Freude dieses tapfern treuen Kriegers vorstellen, als er seine Kasse durch einen fran­zösischen Bürger gerettet sah. (N. F. Z.)

Stuttgart. (D. Z.) Wir haben bereits die Verkündi­gung des Bürgerwehrgesetzes gemeldet, noch nicht gemeldet aber die interessante Abänderung der Fassung des §. 1. dieses Gesetzes.Die Bürgerwehr hat die Bestimmung, die Reichs­und Landesverfassung zu beschützen," lautet der 8. 1., wie ihn die Kammern erlassen haben. In dem Regierungsblatt ist derselbe abgeändert wie folgt:Die Reichsverfassung, unter welcher diejenige staatliche Vereinigung deutscher Länder ver­standen ist, welche zur Wirksamkeit gelangen wird." Man sieht, Hr. Römer ist auf alle Fälle gefaßt.

Die Ulmer Chronik schreibt aus dem Oberamte Freuden­stadt vom 17. Okt.: Gestern wurde der Schulmeister von Dürr weil er auf den Asperg abgeliefert, wie es heißt, wegen Verhetzung von Bauern gegen die Forstdiener, deren einem sie die Hausthür und die Slubenthür eintraten und denselben im Bette mißhandelten. Zwei davon wurden heute nach Ulm ins Kreisgefängniß, der Eine auf drittehalb, der Andere auf drei Monate transportirt. Letztere traten mit Thränen diese Reise an, denn sie sind offenbar Opfer der Ver­führung durch Volksagitatoren, namentlich Schulmeister.

Kassel, 19. Okt. Vilmar's hessischer Volksfreund fordert in Nr. 68. zur Bildung eines hessischen Treubundes auf.

Weimar, 19. Okt. Unsere Regierung hat den im Mai dem Landtage vorgelegten Gesetzentwurf über allgemeine Volksbewaffnung wieder zurückgezogen.

Aus Holstein, 18. Okt. Für die Kasse zur Unter­stützung der ihrer Stellen entsetzten Beamten sollen große Summen eingehen; schon auf dem altonaischeu Vereins­tage soll von einem einzigen Deputirten für seinen Kreis pr. Pflug 5 Thlr., das ist ungefähr 12,000 Thlr., gezeichnet wor­den seyn. Außer dem Hauptkomite haben sich schon Lokalko- mites gebildet in Kiel und Altona, von denen daö letztere heute einen Aufruf an das Land publizirte. (C. Z.)

Berlin, 20. Oktober. Gestern fand im Opernhause zum Besten der in Baden verwundeten preußischen Krieger und der Hinterbliebenen der dort Gefallenen bei überfülltem Hause zu der von dem Konnte veranstalteten Feier die Aufführung der Operein Feldlager in Schlesien" statt. Sämmtliche BilletS waren vergriffen, fogar die zum Parterre und Amphitheater, welche doch sonst selbst bei Gastrollen der Lind zu haben ge­wesen. Die große königl. Loge, sowie das ganze übrige Opern­haus war mit Laub und Blumengewinden , erstere mit einem Lorbeerkranze und zwei Palmzweigen geschmückt. Nach Eröff­nung der Vorstellung durch daSLied von der Majestät" (kom- ponirt von Taubert) brachte ein Herr im Parquet ein Hoch auf Se. Maj. den König aus, welchem zwei andere Herren im ersten Range mit Hochs auf den Prinzen von Preußen und daö ganze Haus Hohenzollern folgten. Eine Rede end­lich wies auf die vorgestrige Geburtstagsfeier des jungen Prinzen Friedrich Wilhelm und dessen eben erreichte Groß­jährigkeit mit patriotischen Wünschen hin. Bei den Hochs auf den Prinzen von Preußen und den Prinzen Friedrich Wilhelm traten dieselben an die Brüstung der Loge, sich dankend ver­neigend. DaS Publikum nahm sämmtliche Redner und ihre Aussprüche mit Beifall und lautem Beistimmen in die ausge­brachten Hochrufe auf. Nachdem noch daS stürmisch verlangte Heil dir im Siegerkranz" gesungen, erfolgte die Vorstellung der Oper selbst, in welcher der Chor im zweiten Aktfür un­sern König Gut und Blut" wiederholt werden mußte. DaS Schlußtableau, in welchem die gestern enthüllte Bildsäule Friedrichs Wilhelm III. hinter dem Reiterstandbilde deS großen Friedrich emporstieg, wurde ebenfalls mit lautem Beifall aus­genommen. Dem schönen Zwecke der Vorstellung entsprechend, haben sämmtliche Sänger ohne Entschädigung mitgcwirkt. (K.K.)

Dem Lloyd wird ans Prag vom 17. Oktober geschrieben: Unser Bürgermeister ersucht in einer halboffiziellen Zuschrift den