Stuttgart, 20. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Der Chef des De, partements veS Innern im Ministerium, Staatsrath Duvernoy, hat seine Entlassung eingereicht, und ist dieselbe von Sr. Majestät dem König angenommen, Herr Staatsrath Duvernoy aber angewiesen, bis zur Widerbesetzung seines bisherigen Postens die Geschäfte interimistisch fortzuführen. — Herr Duvernoy neigt sich in der deutschen Frage zum Dreikönigsbündniß. Darin soll der Grund seines Rücktritts liegen, den man mit der gestern Abend erfolgten Rückkehr des Staatsraths Römer von Frankfurt in Verbindung bringt.
Saarlouis, 14. Oktbr. Bei der Untersuchung der Leiche des Premierlieutenants v. Bibra, der bei einem Manöver durch die Hüfte geschossen wurde, stellte eS sich heraus, daß die tödl- liche Wunde durch einen allzu fest gekauten Papierpfropfen veranlaßt worden, der um so mehr gefährlich werden mußte, als der Verunglückte zu nahe an den Mündungen der Gewehre sich befunden hatte.
Leipzig, 15. Oktober. (Köln. Z.) Ich kann nicht umhin, Ihnen einige Worte über die vorgestern beendigte Michaelis Messe zu schreiben. Alle Erwartungen, die man auf den ausgezeichnet guten Verlauf derselben gesetzt hat, sind vollständigst erfüllt, ja sogar übertroffen worden. Was den drei oder vier vorhergehenden Messen abging, das hat die jetzige reichlich alles geboten; den lebhaftesten Groß- und Kleinhandel, gute Preise, viele und sehr gute Einkäufer, und überdies noch massenhafte Bestellungen, weil in vielen Fächern die Waaren- vorrâthe nicht hinreichten, um die unerwartet zahlreichen Abnehmer zu befriedigen. Namentlich eröffnet sich dadurch den armen Arbeitern unserer Fabrikdistrikte im Erzgebirge, im Vogtlande und in der Lausitz, die seit anderhalb Jahren allen bittern Folgen des Arbeits- und Verdienstmangels Preis gegeben waren, eine frohe Aussicht auf den bevorstehenden Winter und hoffentlich auch noch auf längere Zeit hinaus. Mögen sie nie wieder so schreckliche Tage erleben, als sie im vorigen und im Anfänge dieses Jahres erleben mußten!
Berlin. Hinsichtlich der Behandlung, die Herr Kinkel erfährt und seiner Versetzung in's Zuchthaus bemerkt die Konst. Korr., daß derselbe zu lebenslänglicher Festungsstrafe verur- theilt worden, was nicht zu verwechseln sey mit Festungshaft. Er würde demnach nach dem Regulative von 1837 unter militärischer Aufsicht mit schweren Arbeiten zu beschäftigen seyn, und da dies seinen persönlichen Verhältnissen nach nicht thun- lich gewesen, so sey er in eine Zivilstrafanstalt ausgenommen worden.
Berlin, 19. Oktober. Der „Preuß. StaatS-Anzeiger" enthält heute über das gestrige Kapitel deS Schwarzen Adler- Ordens eine ausführliche Mittheilung, der wir Folgendes entnehmen: Nachdem die Aufnahme des Prinzen Friedrich Wilhelm erfolgt war, thaten Se. Majestät den zur Feier um den Thron versammelten Personen kund, daß Sie noch eine andere Feierlichkeit vorzunehmen beabsichtigten und zweien anwesenden Männern die Investitur ertheilen würden. Während dessen holten vier von Sr. Majestät inzwischen zu Assistenten der auf- zunehmenden Ritter — zwei für je Einen — ernannte Ritter des Schwarzen Adler-Ordens den Grafen v. Brandenburg und den General v. Wrangel, ihnen völlig unerwartet, vor den königl. Thron. Se. Maj. redeten nun die beiden Generale mit hulvollen Worten an und eröffneten ihnen, welche Gnade Sie ihnen zugedacht hätten. Se. Maj. forderten hierauf von den beiden Aufzunehmenden das Ordens-Gelübde; nachdem sie dieses abgeleistet, wurden sie von den Assistenten mit dem Mantel bekleidet und von Sr. Maj. selbst mit der Ordenskette geschmückt und durch die Accolade feierlich in den vornehmsten Orden der Monarchie aufgenommen.
Heute Morgen fand die feierliche Enthüllung des Standbildes Statt, welches die Bewohner dieser Hauptstadt in dankbarer Erinnerung und aufrichtiger Verehrung dem Andenken .deö hochseligen Königs Friedrich Wilhelm III. an beziehungsreicher Stätte des Thiergartens, in der Nähe der Louisen-Jnsel, errichtet haben.
Bremen, 19. Oktober. (W. Z.) Das schöne, 600 Last große Schiff der HH. H. H, Meier u. Comp., welches den Namen „Heinrich v. Gagern" führen wird, ist gestern unter den Augen seines berühmten Pathen und einer außerordentlich zahlreichen Zuschauermenge in Vegesack vom Stapel gelaufen.
Die allgemeine, herzliche Theilnahme, die Anwesenheit Gagerns und so mancher anderen im Vaterlande ehrenvoll genannter politischer Männer, der klare sonnige Herbsttag — Alles hatte sich vereinigt, um das Fest zu einem besonders schönen zu machen. Aber die Lust sollte nicht ohne Leid bleiben. Als das Schiff, während es noch auf dem Stapel lag, der Besichtigung des Publikums freigestellt blieb und viele Hunderte um die ausgezeichnete Einrichtung veS innern Baues kennen zu lernen, im Hinauf- und Herabsteigen begriffen waren, brach der obere auf daS Schiff führende Treppenweg, und gegen 20 Personen stürzten die ganze Höhe des Schiffes hinunter. Leider ist die größere Hälfte derselben nicht ohne mehr oder minder erhebliche Verletzungen geblieben; ein Fall soll sogar sehr ernste Besorgnisse erregen. Aerztliche Hülfe und gute Pflege war sogleich bei der Hand, aber natürlich war die Freude getrübt, und eine traurige Stimmung mußte sich über die erst so froh bewegte Menschenmenge legen. Das Ablaufen des Schiffes selbst ging prächtig von Statten; der mächtige flaggengeschmückte Bau eilte leicht und sicher seinem Element entgegen, und gewährte wie er so schlank und stolz auf der Weser lag, von deren Ufer ihm der dreimalige Gruß der dichtgedrängten Menschenmenge unter dem Abfeuernder Böller entgegenscholl, einen imposanten Anblick. Ein Mahl im Hafenhause vereinigte den engeren Kreis der Gäste bis zum Abend, uud bot Gagern abermals Gelegenheit, in bedeutenden Worten sich über die Beziehung Bremens zum deutschen Vaterlande auszusprechen.
Schleswig, 16. Okt. Dem Vernehmen nach hat das hiesige Obergericht aus eignem Antriebe eine Untersuchung wegen der Zerstörung der Düppeler Schanzen ein- geleitet und sich für die dahin zu beordernde Untersuchungs- kommisston bei der jenseits der Demarkationslinie herrschenden Unsicherheit militärisches Geleit von der Landesverwaltung erbeten. Die schleswigsche Kommission hat dieses Geleit in der Gestalt schwedischer Soldaten erhalten.
Wien, 17. Okt. (Allg. Z.) Die „Presse" veröffentlich! heute das Protokoll des Standgerichtes, welches seiner Zeit unter dem Vorsitze Arthur v. Görgey's den Grafen Eugen V. Zichy zum Strange verurtheilte. Dieses Aktenstück beweist, daß jene Hinrichtung ein reiner Justizmord war; denn selbst wenn die bei dem Grafen vorgefundenen kaiserlichen Proklamationen ihm als Verbrechen angerechnet wurden, so hätte dies nur dann einen haltbaren Grund gehabt, wenn er die Proklamationen wirklich vertheilt hätte. UebrigenS waren die Rechte des Königs damals noch in voller Kraft und von keiner ungarischen Behörde in Frage gestellt. Auf den Charakter Görgey's wirft dieses Todesurtheil kein gutes Licht.
DaS Gerücht von dem Abtreten des Feldzeugmeisters Haynau dürfte sich vorderhand dahin reduziren, daß er während seiner Abwesenheit daS Kommando an den F. M. L. Fürsten v. Lichtenstein abgetreten.
Die neuesten Berichte aus Pesth sind im Einklang mit der hier herrschenden Ansicht, nach welcher der Vollstreckung von TodeSurtheilen Einhalt geboten worden; wenigstens hat keine weitere Hinrichtung stattgefunden. Dagegen tritt in dem unglücklichen Lande eine andere Plage, die Unsicherheit der Straßen, immer mehr in den Vordergrund. Selbst in Pesth finden trotz des Belagerungszustandes fast täglich sehr kühne Raubanfälle statt.
Wien, 15. Okt. (W. Z.) In Pesth und Szegedin wurden die Papiere der Koffuthschen Regierung gefunden. Durch diese Dokumente werden neuerdings sehr viele Bürger kom- promittirt, und ein Riesenprozeß, vielleicht ohne Gleichen in der Geschichte, beginnt.
Frankreich.
Paris, 19. Okt. (O.-P.-A.-Z.) Es soll richtig sein, daß Herr v. Kisselew vorgestern gegen die angenommene Absicht deS französischen Kabinets protestirt hat, unsere Flotte nach den Dardanellen zu senden. Diese Prostetation wäre über, flüssig, denn die französische und englische Regierung denken nicht daran, ihre Flotten in die Meerenge einlaufen zu lassen, weil dies nur in Folge einer Kriegserklärung geschehen könnte, indem nach dem Vertrage von Hunkiar-Skelesi die Dardanellen jedem fremden Kriegsschiffe, mit Ausnahme der russischen, ver.