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Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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j JS 2SO Sonntag den 21. Oktober 18419»
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6 Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânume« tt rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft x Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurr T fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungsgebieteS S fl. IO kr.
— Jnserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen. >
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Uebersicht.
Beleuchtung der Kritik des Assisenpräsidenten in der Freien Zeitung.
Deutschland. Wied-Selters (Lückenhafte Besetzung der Beamtenstellen). — Rast att (Das Standgericht). — Stuttgart (Die Entführungsgeschichte aus Koruthal). — Berlin (Muthmaßungen aus einem Vorgänge im Palais des Prinzen v. Preußen. Verhandlungen des Verwaltungsrathes. Die Gefion). — Hamburg (Geschäftsverkehr). — Schleswig-Holstein (Die Gefion). — Königsberg (Bestrafung reaktionärer Wüblerei). — W ien (Gerücht von der Entlassung Haynau's. Sistirung der Todesurtheile. Fürst Metternich als Steuerbezahler. Die Todesurtheile. Der Belagerungszustand).
Frankreich. Paris (Der Wittwengehalt der Herzogin von Orleans. Die
Presse über den Konstikt zwischen Napoleon und Thiers).
Großbritannien. Loudon (Unglücksfälle).
Italien. Turin (Die Todtenfeier für Karl Albert. Flüchtlinge).
Türkei. (Die Pilgerkarawane nach Mekka).
Sprechsaal für Stadt und Land.
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eV Beleuchtung der Kritik des Afsisenpräfi- denten in der Freien Zeitung.
Wahrheit ist niemals schädlich; sie straft —und die Strafe der Mutter
Bildet das schwankende Kind, wehret der schmeichelnden Magd.
Schiller und Göthe, Tab. vot.
Wiesbaden, 19. Oktober. In Nr. 242 der Freien Zeitung vom 11. l. M. wird von einem ß Korrespondenten „die Richtigkeit meiner Kritik der Assisenverhandlungen am 8. l. M. in fast allen Punkten" zugestanden, ihr jedoch der große Borwurf gemacht, „daß sie das bei unS junge Institut der Schwurgerichte selbst zu viel angreife und in der öffentlichen Meinung herabsetze."
Am Schlüsse dieses Artikels erscheint sodann die Phrase „Von gewisser Seite sähe man vielleicht gerne, daß das Volk zu der Ueberzeugung käme, als sey die Einführung der Schwurgerichte im Herzogthum unmöglich und unnöthig."
In Nr. 244 derselben Zeitung vom 13. l. M. behauptet der nämliche Korrespudent: „Dieselben (die Kritiken) sind nicht darauf berechnet, durch sachkundige, wissenschaftliche Erörterungen Die Beseitigung der Mängel in diesem Verfahren, der Leitung ie. zu veranlassen, sondern wenigstens indirekt, darauf, das ganze bei gewissen Leuten etwas mißliebige Institut in der öffentlichen Meinung zu ruiniren und mit dem Nebenzwecke vielleicht, sich an dem dermaligen Präsidenten des Assisen- Hofes, Herrn Flach, für vermeintliche Zurücksetzung und Vernachlässigung auf unangemessene Weise zu rächen."
Zch habe die in diesen Blättern in Nr. 240 und 241 erschienenen Berichte als freier Bürger eines freien Staates i m £ lenste der Wahrheit geschrieben. Ob solche von Sachkunde zeigen oder aber nicht, das muß ich dem gesunden Ur
theile meiner Mitbürger überlassen. Mit der tiefsten Entrüstung muß ich eS jedoch vor Gott unv der Welt zurückweisen, wenn behauptet werden will, Rachsucht gegen den Herrn HofgerichtS- Direktor Dr. Flach oder eine versteckte Abneigung gegen das Institut der Jury habe meine Feder geleitet. Herr Dr. F lach hat mir in meinem ganzen Leben noch nichts zu Leid gethan und ist überhaupt noch niemals in der Lage gewesen, mich zurücksetzen oder vernachlässigen zu können. Ich habe schon seit langen Jahren den Herrn Dr. Flach als einen tüchtigen Zivilisten und Prozeßualisten geschätzt, schätze ihn alS solchen noch hoch und wünsche von Grund meines Herzens, daß ihn, von dem wir alle — Alt und Jung — im Zivilverfabrcn viel gelernt haben, der Geber der Tage, dem nassauischen Justiz- dienste und dem Lande noch lange in voller Kraft erhalten möge. Diese Anerkennung seiner unbestrittenen und unbestreit- ! baren Verdienste in der gedachten Beziehung konnte mich je- ; doch nicht blind machen gegen seine Fehler als Asstsenprâsident, und gerade, weil ich daö Institut der Jury erhalten und gehoben wissen will, habe ich sie ungescheut besprochen.
ES gibt schwerlich im ganzen Lande einen viel wärmeren und einen aufrichtigeren Freund der Schwurgerichte, als ich es schon seit vielen Jahren und nicht erst aus dem März v. I. her bin. Meine Ansichten über deren Vortrcfflichkeit und Noth- wendigkeit in einer ächt konstitutionellen Monarchie, neben der Preßfreiheit, habe ich schon vor längerer und kürzerer Zeit in verschiedenen Blättern ausgesprochen. Wenn ich irgend einen Werth darauf legte, so könnte ich aus meinen gedruckten Abhandlungen und kleinen Aufsätzen dem Herrn B Nachweisen, daß ich lange vor ihm zum Lobe der Jury mit denselben Worten daS gesagt habe , womit er seinen Artikel aufgeputzt hat. Herr B, dessen Freisinn übrigens erst die Iben des Märzes hervorgelockt zu haben scheinen, muß mit total blöden Augen Meinen gedachten Artikel gelesen haben, wenn er glauben machen will, es sey die darin enthaltene Kritik eine „Schimpferei". Die Leser dieser Blätter mögen selber beurtheilen, ob ich mich eines solchen groben Fehlers schuldig gemacht habe; ich aber will darüber kein Wort weiter verlieren.
Das von dem Herrn B dem Herrn Dr. Flach gespendete Lob ist höchst zweideutiger Natur und dürfte diesen schwerlich zum Dank verpflichten. Wenn diese Köverpolitik nicht zu unfein und durchsichtig wäre; so könnte man versucht werden, sie geschickt zu nennen. Ich schließe mit den schönen Versen unseres Dichters Rückert im dritten Theil seiner gesammelten Gedichte:
Kein Tadel kränkt tote solch ein Lob, Und sei er giftig, sei er grob, Und ob et schnob und ob er stob Wie Sturm und Wetter, ob ich tob' Im Augenblick ob dem, der ihn erhob; Kein scharfer Tadel kränkt, wie ich erprob', Auf Dauer so wie solch ein mattes Lob, Das dir ein kühler Freund zuschob. Und meint noch, daß er Ehrenkronen wob, Und du ihm schuldest Dank darob.