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« Nassauische

Allgemeine Zeitung.

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us «M 2LV. Samstag den ZG. Oktober 18LG.

' Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- "itionspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogtums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft effen-Homburg und der freien Stadl Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebictes 8 fl. IO fr. ^.-Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- ergaschen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

"Amtlicher Theil.

^^Zienstnachricht.

^^licht am tl i ch e r Theil.

^Fssisenverhandlungen zu Wiesbaden.

ü -eutschtand. Mainz (Neue Kammern), F r a n kfu r t (Die Offen- Uhr bacher Eisenbahn). Karlsruhe (Die Frage der Einberufung der Kammern). Berlin (Ratifikation des Interims von Seiten Oester- ^tdreichs. Die Wahlen zum Reichstag). Breme» (Heinrich v. Gagern )"Ö7(unb Mathy). Rostock (Die trauerde Korrespondenz). Prag (Zei- (2'/chingse»te). Wien Die Mißhandlung der Frau von Madersbach).

1® rankreich. Paris (Der Staatsprozeß zu Versailles).

;o-/iriechenland. Athen (Ränbereien).

zg^prechsaal für Stadt und Land.

DOV

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82 V

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79

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Amtlicher Theil

^ Dem provisorischen Lehrvikar Küster in Rabenscheid, ist 82# casige Schulstelle definitiv übertragen worden.

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51V

34V

84 V 017 25?

Nichtamtlicher Theil

93V * Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

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5371 ^^rsprochenermaßen tragen wir hiermit die Einzelheiten

27 letziten AssisenverhanDlung nach. Es fungirten bei dersel- "' Herr Präsident Flach, Herr Staatsprokurator Reich- lo ann und die Hofgerichtsräthe Stahl, Forst, Ebhardt ,16 Bierbrauer, und als Vertheidiger Herr Prokurator etsler sen. Die drei Gebrüder Scharhag waren beschul- -gt, am Abend des 15. Februar 1848 in die bei Springen _r.i der Wisper gelegene Mühle des Joh. Fuhr gewaltsam ^gedrungen zu seyn und den aus dem Zimmer heraustreten- 4oK Müller mit Stockschlägen angegriffen zu haben. Der orluller griff zur Art und brachte dem einen Angeklagten, Jakob 30charhag eine Wunde über Nase und Backen bei, worauf ^h die Eingedrungenen eine Weile zurückzogen. Der Müller M üch indeß in ein hinteres Zimmer ein, worin auch seine erthvolle Habe verwahrt lag, und die Magd, Elisabethe lattL ur , welche allein noch auf der Mühle war, sprang fort, , ai" H"lse zu holen. Als sie wiederkehrte und der Müller, elcher sich inzwischen mit einer Pistole bewaffnet hatte, gleich- lls chervortrat, ergriffen die drei Männer die Flucht.

. 1 Der Müller ist mittlerweile gestorben, hat auch, da es be- ^tts dunkel in der Mühle war, nur Einen der Angeklagten jannt ; die Magd, welche als Zeugin vor dem Gerichtshöfe schien, glaubte gleichfalls nur Einen derselben erkannt zu Den. Ein direkter Beweis gegen die Angeklagten konnte

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nicht geführt werden, desto besser ein künstlicher, aus Kombi­nationen gestützter.

Als schlagendes Zeugniß erschien vor allen Dingen die breite Wunde im Gesicht Des einen Angeklagten, von welcher er nicht leugnen konnte, daß er sie an demselben 15. Februar erhalten habe, außerdem war es nachweisbar, daß sich die drei Brüder am besagten Tage aus ihrem Wohnort Oberwalluf entfernt hatten, daß sie erst in der Nacht zurückgekehrt waren. Einwohner der auf dem Wege zwischen Oberwalluf und Springen gelegenen Orte hatten sie nach dem Zeitpunkte, wo die That verübt worden, zurückkehren sehen unD dgl. Ferner lag gegründeter Verdacht vor, daß sich Einer der Angeklagten bereits am 5. Februar spähend um die Mühle geschlichen und bei der Magd nachgefragt hatte, ob der Müller zu Hause sey. Man konnte sogar unterstellen, Daß Die Angeklagten einen vor mehreren Jahren in Derselben Mühle verübten Raub auSge- führt hätten, Da selbigesmal der Müller sich gleichfalls mit der Art wehrte, und als er Diesmal den Angreifenden mit der nämlichen Waffe entgegentrat, Einer von ihnenausrief:Da schlägt er schon wieder mit der Art."

Um das Zeugniß der Hiebwunde im Gesicht zu widerlegen, erzählten Die Angeklagten eine höchst fabelhaft klingende Ge­schichte. Sie wollen am 15. Februar in Den Wald gegangen seyn, um einen Baustamm auszusuchen, da sey ihnen ein Mann be­gegnet, Der sie irre geführt, und als sie sich in einer unbe­kannten Gegend des Waloes befunDen, wären vier Holzhauer auf sie eingedrungen, hätten ihre Baarschaft abgefordert und den Streich mit der Art vollführt ic. Alle Zeugnisse, wie alle Gründe Der Wahrscheinlichkeit sprechen gegen dieses ziemlich plump ersonnene Mâhrchen.

Auch der Vertheidiger wußte in der That die Anklage und die Beweisführung nicht zu entkräften. Die Kombinatio­nen des Staatsanwaltes waren so einleuchtend, daß die ent­gegengesetzten des Vertheidigers doppelt unwahrscheinlich erschei, neu mußte. Sie gemahnten uns mitunter an die ergötzliche Art und Weise, wie die rationalistischen Theologen vor fünfzig Jahren die biblischen Wunder nach ihrer Ansichtnatürlich" zu erklären suchten. Herr Dr. Leis ler suchte die totale Un­schuld seiner Klienten so natürlich zu machen, daß sic Einem Darüber wirklich als das Unnatürlichste von der Welt erschien. DaS lag freilich an der verzweifelten Sache, nicht an dem Vertheidiger. So wollte derselbe z. B. ganz in der Art der oben bezeichneten Theologen die Stockschläge, welche die Eindringenden dem Müller auögeiheilt, dahin erklären, daß sie in der Dämmerung mit ihren Stöcken nach der Thürschwelle sonbirt und dabei statt auf die Thürschwelle auf den Müller gestoßen wären u. dgl. m.

Die Angeklagten selber zeichneten sich durch große Barsch­heit und Zuversichtlichkeit aus, und als sie sahen, daß sie durch die Kombination der Thatsachen so gut als überführt seyen, versuchte einer derselben noch, den Geschwornen die Sache in's Gewissen zu schieben und jede Aburtheilung auf blosc Ver­dachtgründe bin als unzulässig darzustellen. "Der nämliche An­geklagte schien auch die Stellung des Staatsanwaltes nicht be­greifen zu können, und nicht einzusehen, daß es dessen amtliche Pflicht sey, die Anklage mit allen Gründen aufrecht zu erhal-