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Nassauische

Allgemeine Zeitung,

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nt 'e- 31 2L3 Samstag den 13. Oktober 18419.

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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige -Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen VerwaltungS^ebieteS 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

at Uebersicht.

re Amtlicher Theil.

ll. Dienftnachricht.

er Nichtamtlicher Theil.

ld Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

il Deutschland. Dillenburg (Die Asstsen). Bruchsal (Die poli­tischen Gefangenen). Berlin (Der VerwaltungSrath. Die Erklä­rung Hannovers und Sachsens). Wien (Der französische Gesandte.

Die Deputation der Slowaken. Gerücht von der Hinrichtung mehrerer Häupter des ungarischen Aufstandes. Für das neue Anlehen bereits über 100 Millionen gezeichnet).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

t Amtlicher Theil.

Dem provisorischen Lehrvikar Seiler in Stockhausen ist die dasige Schulstelle definitiv übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

l *** Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Wiesbaden, 11. Oktober.

In unserem Berichte vom 9. l. M. hatten wir verspro, chen, den Anklageakt in der Untersuchungssache gegen Jakob Bibo, Balthasar Kohl, Joseph Müller und Jakob Rin­gel aus Rauenthal wegen Mordversuchs an dem Frühmesser Schraub von da milzutheilen. Wir lassen ihn theils für die Leser der Nass. Allg. Zeitung, welche den Verhandlungen nicht beiwohnen konnten, theils aber auch aus dem Grunde ab­drucken, um dem Publikum ein Gesammtbild von dem Ergeb­nisse der Voruntersuchung vorzuführen. Diejenigen, welche den öffentlichen Verhandlungen beigewohnt haben, werden daraus ersehen, daß solche dasselbe Resultat bezüglich der drei ersteren Angeklagten geliefert haben, welches die Voruntersuchung er­geben hatte, und daß die in der Voruntersuchung gegen den Jakob Ringel erhobenen Indizien theils durch das nicht kluge Verhalten der drei andern Angeklagten während der Verhand­lungen vor den Asstsen, theils aber auch durch daö mangel­hafte Verhör aller Angeklagten und der den Jakob Ringel belastenden Zeugen durch den Assisenpräsidenten Flach, theils endlich durch die geschickte Vertheidigung deS Prokurators Lang an Kraft verlieren mußten und den Geschwornen keine Ueberzeugung von der Theilnahme deS Jakob Ringel an der That verschaffen konnten.

Der Anklageakt lautet in seinen Hauptpunkten:

., ^bend des 15. August waren Jakob Bibo, Bal­thasar Kohl, Joseph Müller, Jakob Ringel in dem

Hause des WirthS Winter in Rauenthal in Gesellschaft mehrerer anderen Personen versammelt.

Gegen 104 Uhr forderte der Wirth die Gäste auf, nach Hause zu gehen, weil cs Feierabend sey, und als die Nacht­wache kam, verließen sie daS HauS.

Bibo, Kohl, Müller und Jakob Ringel begaben sich jedoch noch nicht nach Haus, sondern gingen bei die vor Rauenthal stehende Kapelle, wohin sie den Engelbert Werner milnahmen. Sie hatten noch eine Flasche Branntwein bei sich und zogen singend durch Rauenthal.

Es hatten sich auch noch Valentin Ringel, ein Bruder deS Jakob Ringel, und Müller Plantz bei ihnen ein­gefunden.

Bei der Kapelle wurde gesungen und getrunken. Engel, bert Werner, Valentin Ringel und Müller Plantz gingen fort, während die Anderen noch zusammenblieben. Gegen 1 Uhr kamen Jakob Bibo, Balthasar Kohl und Joseph Müller zurück und gingen nach der Wohnung deS FrühmesserS Schraub in Rauenthal. Kohl äußerte: heute Nacht muß er sein Leben einbüßen. Bibo entgegnete dem Kohl: dazu lasse ich es nicht kommen. Kohl trug eine Flinte. Kohl sprach ferner: der Frühmesser hat meinen Vater vom Dienst gebracht, heute bringe ich ihn auch um. Bibo sagte jetzt: das brauchst du nicht, ich hole ihn herunter. Mül, ler sagte: daS brauchst du auch nicht, ich hole ihn herunter und Ichneide ihm gleich den Hals ab.

Als die drei Genannten in der Nähe der Wohnung des FrühmesserS Schraub waren, sagte Einer:

Wir wollen einmal dem Frühmesser erzählen, waS er aus der Kanzel gepredigt hat.

Frühmesser Schraub hatte einige Zeit vorher in der Kirche gepredigt und den Einwohner von Rauenthal Vorhalt wegen ihrer Zügellosigkeit gemacht, welche Predigt Aufsehen erregt hatte.

Als nun Bibo, Kohl, Müller an die Wohnung des Frühmessers Schraub kamen, begab sich Müller an die Hausthüre und. schellte. Schraub war schon durch daS Sprechen in der Nähe seines Hauses wach geworden, durch das Schellen veranlaßt stand er aus dem Bette auf, ging aus seiner Schlafstube in die Wohnstube, öffnete ein Fenster. Er fragte, wer da sey, Jemand der auf der Haustreppe stand, antwortete, ein Turnergardist sey da, er solle aufmachen. Schraub machte daS Fenster wieder zu, und war etwas zu­rückgetreten, als ein Schuß fiel. Vor dem Hause am Garten­zaun standen zwei Personen, von welchen der Schuß ausging.

Schraub wurde im Gesicht verletzt, einige Fensterscheiben waren zerschossen worden. Nach einigen Augenblicken trat Schraub an ein anderes Fenster und rief heraus: Ihr Spitz­buben, ihr Ränder. In demselben Moment, als Schraub wieder zurücktrat, fiel ein zweiter Schuß. Schraub wurde abermals durch Etwas im Gesicht getroffen. Es waren auch wieder Fensterscheiben zerschossen worden.

Darauf wurden zwei Steine in das Zimmer geworfen, eS wurde noch an der HauSthüre geklopft, in die Fenster im unteren Stockwerk geschlagen und gerufen, du Hallunke komm heraus, du Spitzbube, du mußt sterben! Das Schießen und