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Deutschland.

Frankfurt, 30. Sept. Gestern beehrten Se. kais. Hoheit ter Erzherzog-ReichSverweser in Begleidung deS Herrn Dr. Muthe n s daS derMettallurgischen Gesellschaft" zu Bonn gehörige Eisenhütten- und Walzwerk in Michelstadt im Oden- walde ganz unerwartet mit ihrem Besuch. Hochdieselben ge­ruhten bei einem mehrstündigen Aufenthalte das Werk in allen seinen Theilen in Augenschein zu nehmen und sich mit großer Sachkenntniß der ökonomischen und zweckmäßigen Einrichtung desselben auszusprechen. Nachdem Se. kais. Hoheit noch ein Diner beim Direktor des Werkes, Hrn. Bergrath Kröber, anzunehmen geruht hatten, verließen Sie höchst befriedigt um 4 Uhr Nachmittags daS Etablisement, um von da direkt nach 6 Frankfurt zurückzugehen.

Frankfurt, 4. Okt. Die Konflikte zwischen den Truppen unserer Garnison haben sich nicht erneuert; freilich aber dauern die UmsichtSmaßregeln noch immer fort.

Mannheim, 6. Okt. 3% Uhr Mittags. Soeben fällt das heutige Standgericht das Urtheil über den Billeteur Rum­bach von hier, das wegen Hochverrath mit 5 gegen 1 frei, sprechende Stimme auf 10 Jahre Zuchthaus und Tragung der Kosten lautet.

Berlin, 5. Oktbr. (Telegraphische Depesche der Kölnischen Zeitung.")Das Ministerium vertagt die Beantwortung der Interpellation, und zwar wegen der Zen­tralkommission, und versichert nochmals, Preußen beharre beim Bundesstaate."

Man erfährt: der Vertrag wegen der Zentralkommission sey in Wien unterzeichnet, hier werde die Ratifikation debattirt."

Wien, 2. Oktober. (D. Z.) Es ist keinem Zweifel mehr unterworfen, daß in Konstantinopel Drohungen gemacht wur­den, bei welchen es jedoch auch bleiben dürfte, da sowohl Oesterreichs als Rußlands Kabine! ein aktives Auftreten Eng­lands in diesem Augenblick um jeden Preis vermeiden werden; da unsere inneren Zustände, sowie Polens noch lange nicht so ^befriedigend sind, daß ein auswärtiger Krieg rathsam und aus­führbar wäre. Auch ist vorauszusehen, daß Frankreichs mo­mentane Nullität in all diesen Fragen, trotz dem sogenannten unter der Hand Diplomatisireu" des Präsidenten, um dadurch, sowie durch sein Schmiegen und Wenden festen Fuß zu fassen, nur zubald die NationälitätSeitelkeit der Franzosen auf eine Art erwecken wird, die eS der Regierung des Präsidenten un­möglich machen dürfte, auf dem begonnenen Wege weiter zu gehen, wenn nicht noch Schlimmeres zu erwarten wäre. Wahr ist es indessen, daß die Gesandten Oesterreichs und Rußlands in Konstantinopel die diplomatische Verbindung abgebrochen haben, da weder von der türkischen Regierung, noch von dem Sultan selbst, an welchen Graf Stürmer sich persönlich wandte, nachdem vorher Hr. v. Titoff mit einer sehr bestimmt abwei­senden Antwort bedacht worden war, die österreichischen und russischen Flüchtlinge zu erlangen sind.

Der Sultan soll bei dieser Gelegenheit auf das Faktum gewiesen haben, daß in den Jahren der griechischen Revolution Rußland und Oesterreich den Kompromiltirten, die sich dahin geflüchtet, ein Asyl gewährt habe, ohne sie auf die Reklama­tionen der Pforte auszuliefern, daher er (der Sultan) jetzt wohl das Recht habe, dem eignen Beispiele der genannten Länder zu folgen.

Schwei z.

Bern, 4. Oktober. (D. Z.) Heute Vormittag 9 Uhr find Raveaur und seine Frau in Begleitung deS greisen Jtz- fiein mit der Post nach Basel abgereist, um sich nach England zu begeben; eine große Menschenmenge umstand den Wagen. Gestern Abend halten sie den Flüchtlingen auf dem KornhauS, boden, wo sie zum Hunderten wohnen, einen Abschiedsbesuch gemacht. Sie und andere Mitglieder der Nationalversammlung, wurden mit Gesang empfangen und entlassen.

Frankreich.

Paris, 4. Oktober. L. Napoleon traf gestern im Elysee ein, wo er in einem mehrstündigen Miuisterralhe präsidirte. ~le Mitglieder deS Vereines vom StaatSrathe hielten vorge­stern Abend eine lange Sitzung, worin die Kreditforderungen

der Regierung erörtert wurden. Viele Redner, worunter Dupin, Molee, VariSmenil und Larochejaquelein, nahmen daS Wort. Ein Beschluß ward nicht gefaßt; eS scheint aber gewiß, daß die große Mehrzahl der Mitglieder für daS Ministerium stim­men wird. General Rostolan soll neuerdings den Wunsch kundgegeben haben, nach Frankreich zurückzukehren. Die Ernennung Lucian Murats zum Gesandten in Turin wird als erfolgt gemeldet. Die Repräsentanten waren gestern zahl­reich in ihren Bureaux versammelt, um die Kreditforderungen für die römische Expedition zu prüfen. Die Minister konnten, weil sie im Elysee versammelt waren", den Erörterungen nicht beiwohnen. Die Kredite wurden durchweg gebilligt und einige Repräsentanten hielten sogar die geforderten Summen für un­zureichend. Ziemlich abweichend waren die Ansichten über die unserer Expedition zu gebende Dauer und über das Verhalten, welches unsere Regierung in Bezug auf den Pabst beobachten müsse. In mehreren Bureaux kam es über daS Schreiben L. Napoleon's zu lebhaften Debatten, indem dasselbe von einigen stark getadelt, von anderen eben so entschieden gebilligt wurde. Zu letzteren gehörten V. Hugo, de la MoSkowa, Benoit Chamvy, Pascal Duprat, Larabit, Charras tc., welche erklärten, sie würden nur unter der Bedingung, daß das Ministerium die in dem Schreiben angedeutete Politik befolge, für die begehrten Kredite stimmen.

Als Haupturheber des Verbots der weiteren Auffüh­rung des DramasRom" wird der päpstliche Nuntius genannt Der Direktor deS Theaters soll gegen den Minister des Innern, weil er die Aufführung genehmigt hatte, auf Entschädigung klage» wollen.

Im November wird unter Marrast'S Redaktion ein neues Journalle Constituant" erscheinen; es soll unwahr seyn, daß er zum Gesandten in Washington ausersehen wäre. Aus Toulon wird unterm 30. Septbr. gemeldet, daß das Geschwader, auf dem schon Cholerafälle vorgekommen waren, auf erhaltenem Befehl in See gegangen war, um vorläufig bei den hyerischen Inseln zu ankern.

Großbritannien.

London, 1. Oktober. Die Königin und die königl. Familie langten vorgestern um 10 Uhr Vormittags in Birmingham und gegen 6 Uhr Abends in Oöbornhause an. Ihre Maj. wird im Laufe dieser Woche einen Kabinetsrath halten, um daS Parlament nochmals zu vertagen.

Frau Heald (Lola Montez) soll zu ihrer unerwarteten Rückkehr nach London durch einen ihr zugekommenen anonymen ( Brief, in welchem ihr günstige Eröffnungen in Betreff ihreS I Prozesses vorgespiegelt wurden, vermocht worden seyn.

Unsere Zeitungen sind durch die neuesten Nachrichten auS Konstantinopel sehr aufgeregt worden. Alle halten den Krieg für unauSweichbar; derGlobe," der als Lord Palmerstons i Organ gilt, ist einer andern Meinung, und weist darauf hin, ! daß die Unabhängigkeit der Türkei! von allen Mächten garan- tirt sey, und die Schwäche der Pforte den Kaiser von Ruß- ; land nicht ermächtige, etwas zu verlangen, was ohne Unehre * »ich! zugestanden werden könnte.

Sun" meldet aus guter Quelle, daß eine neue Mittel- meerflotte gebildet und bald unter Segel gehen wird. Dieselbe besteht aus 6 Segelschiffen von 36 bis 92 Kanonen, 5 Dampf- schiffeu von 21 bis 60 Kanonen, und wird mit 4985 See­soldalen bemannt. Ihr Sammelplatz ist Lissabon.

John O'Connell hat einen offenen Brief an daS irische Volk gerichtet, worin er dasselbe auffordert, mit allen gegebenen gesetzlichen Mitteln gegen die Herrschaft der anglikaniichen Kirche in England anzukämpfen.

Nachschrift.

* Wiesbaden, 8. Oktober. Heute Morgen begannen die Verhandlungen deS Schwurgerichtes. Der erste Fall, welcher zur Aburtheilungvorliegt, betrifft die Eheleute Grüne­wald aus Griesheim, angeklagt, daß sie ihre 26jährige Tochter geflissentlich hätten verkommen und verhungern lassen. Da wir zur Presse gehen, ist das lange Zeugenverhör noch nicht vollendet. Wir werden über diesen Prozeß, wie über die Eröffnungsrede deS Präsidenden Flach morgen Ausführliches mittheilen. ____________

Verantwortlicher Redakteur t W. H. Nießl.