Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 239» Dienstag den 9» Oktober 18419.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume» ratiouspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums uns Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- nur Tarisschen VerwaltungSgebietes S fl. io fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der 8. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Staatshaushalt.
Die Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe.
Deutschland. Frankfurt (Besuch des Reichsverwesers auf der Michelstadter Hütte). — Mannheim (Urtheilsspruch). — Berlin (Telegra- pische Depesche). — Wien (Die türkischen Wirren).
Schweiz. Bern (Jtzstein und Raveaur).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Großbritannien. London (Die Königin. Die konstanlinopolitanischen
Wirren).
Nachschrift.
— Staatshaushalt.
III.
ES läßt sich kaum denken, daß die vorausgegangenen Betrachtungen nicht längst schon Anerkennung gefunden haben, da sie so natürlich aus der eigenthümlichen Bedeutung des Gesellschaftslebens fließen. Sie sind wirklich auch thatsächlich anerkannt in dem Papiergelde, welches unter verschiedenen Namen in fast allen Ländern umläuft. Eine andere Frage ist die: ob diese Banknoten und Kassenscheine, vom Metallgelde begleitet bunt durcheinander roulircnd, den wahren Charakter eines dem Landesverkehre dienenden Umlaufsmittels haben, und ob sie zu diesem Behuf den rechten Stand einhalten? Bekanntlich haben die im Staate Preußen umlaufenden Thalerscheine und Kassenanweisungen durchaus keinen nachtheiligen Einfluß auf den im steten Zunehmen begriffenen Wohlstand der Landesverhältnisse gehabt; jenes Papiergeld hat auch dem Kredit der im höchsten Preise stehenden Staatspapiere nicht schaden können, 'da es selbst außerhalb des Königsreichs »olle Anerkennung gefunden hat. Im Herzogthum Nassau und in dem benachbarten Großherzogthum Hessen verkehren untereinander preußische, nassauische und hessische Scheine neben der geprägten Münze dieser Länder, und zwar so, daß Papiergeld und Metall gleich bereitwillig genommen wird. Hier findet also die Anomalie statt, daß beide Geldformen ohne Unterschied dem innern und dem nicht entfernten äußern Verkehre dienen. Bedenken irgend einer Art kann dabei nicht statthaben, so lange auch noch die Münze der freien Stadt Frankfurt zuströmt und es überhaupt in den respektiven Gebieten nirgends am Metallgelde fehlt. So lange übrigens dieser Austausch regelmäßig besteht, ist allerdings derjenige Staat, der ein größeres Quam- tum Papiergeld in den gemeinschaftlichen Verkehr bringt, in sofern im Vortheil, als er zur Unterhaltung desselben um so viel weniger Metallgeld zu verwenden braucht, und demnach um so viel mehr vbn dieser Geldsorte zu seinen weiteren Geschäften mit dem Auslande erübrigt. Dieser Umstand aber, der ein accidentcll ist und selbst eine Wechselwirkung leiden kann, so wie manche andere daran zu kämpfende Rücksicht, wird hier schon deßhalb nicht in Betracht genommen, weil er den Gesichtspunkt des in Rede befindlichen Landespapiergeldes verrückt.
Unterdessen übt der Gegenstand an sich selbst einen so mächtigen Einfluß auf das innere Wohl und das Ansehen der Staaten, daß er nicht genug von allen Seiten beleuchtet werden kann. Wer je einen längeren Aufenthalt in Ländern hatte, wo viel Papiergeld unv wenig Münze vorhanden ist, wird Gelegenheit gehabt haben zu erkennen, wie solche nicht auf daS Bedürfniß deS innern Verkehrs beschränkte Kreirung ganz den Charakter einer eigentlichen Schuld hat, als solche aber allen möglichen Wechselfällen unterworfen ist und, indem sieden Reiz der Zinsen oder sonstiger handgreiflicher Vortheile entbehrt, auch früh oder spät durch Agiotage im Preise gedrückt wird unv leicht eine Auswanderung der Münze oder ein sonstiges Schwinden derselben aus dem Verkehre veranlaßt. In je größerem Maße nun solche Uebelstände sich offenbaren, um so fühlbarer wird der Mangel an Münze und um so dringender werden außerordentliche finanzielle Maßnahmen, vorzüglich, wenn jenem Papiergelde irrthümlich eine Deckung mit Metall zu Grunde liegt.
Einsichtsvolle Stimmen haben sich,hierüber in der Art vernehmen lassen: daß wenn gleich es im Haushalt der Staaten auf Kredit gestützte Maßregeln gebe, die bei gehöriger Mäßigung und Vorsicht große Vortheile verheißen, man sich nichtsdestoweniger derselben enthalten müsse, sofern sie nicht eine hinlängliche Sicherheit gegen etwaige Mißbräuche die Gesellschaft bedrohen, größer sind als der mögliche Gewinn, welchen der rechte Gebrauch zu gewähren vermag. — Gewiß wird jeder Wohlgesinnte, mit den Erschütterungen bekannt, welche der öffentliche Kredit hin und wieder erlitten hat, einen Ausspruch ahnen, der die Vermögcnsumstänve einer ganzen Nation in Schutz nimmt. Dabei darf aber nicht unerwähnt bleiben, daß solche Papiere zur Erledigung unabweisbarer Anforderungen in den Staat und di.e Gesellschaft betreffenden Angelegenheiten, mehrentheils im Drange vcrhängnißvoller Umstände erschaffen werden, wo man augenblicklich nicht anders abzuhelfen vermag. Es ist natürlich, daß in einer solchen Lage das Decken mit edlem Metall, wenn eS sonst auch gerechtfertigt erschiene, nur unvollkommen stattfinden kann und überall' nicht stattfinden dürfte, wo das Vertrauen und die Liebe zu der gemeinschaftlichen Sache dem Staate cntgegenkommt. Uebrigens sind Finanzoperationen so drückender Art, wie sie wohl in früheren Zeiten, namentlich in Frankreich vorgekommen sind, gegenwärtig schon an sich unmöglich, bei den ernsteren sittlichen Bestrebungen unseres öffentlichen Lebens.
So wie also selbst eine übermäßige Kreirung von Papiergeld eine wohlthätige Kraft haben und jedes sonstige Bedenken möglicher Uebelstände zum Schweigen bringen kann und muß, sobald sie unter Umständen hervorgerufen wird, wo eS um die Ehre und Selbständigkeit des Staates sich handelt: eben so kann es im Gegensatz sich begeben, daß durch einen zu großen Ueberfluß an edlem Metall ein Land in die furchtbarste Geld- zerrüttung gestürzt wird. Wir wollen, um dies anschaulich zu machen, die Krisis in Erinnerung dringen, die im Spätjahr 1818, zur Zeit des Abmarsches der Okkupationsarmee auS Frankreich, auf dem großen Weltmarkt auöbrach und ganz Europa mit Bestürzung erfüllte. Und, wie sonderbar eS auch scheinen mag, so ist doch, allerdings in Verbindung mit meh-