Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^ 238» Montag den 8. Oktober 18419»
Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Staatshaushalt.
Deutschland. Mainz (Die Cholera). — Frankfurt (Die Verständigung zwischen Oesterreich und Preußen in Betreff der Zentralgewalt). Großbrittannien. London (Kornplünderung in Irland.
-2- Staatshaushalt.
II.
Viel Geld, wenig Geld, selbst gar kein Geld, in dem Sinn, wie wir uns dasselbe zu denken gewohnt sind, würde einem Laude, das mit anderen Ländern nicht in Berührung käme, dagegen die nothwendigen Dlügè selbst hervorbrächte und verbrauchte, eine völlig gleichgültige Sache seyn. Die edlen Metalle würden, als Geld, für ein solches Land nicht den mindesten Werth haben, indem ein allgemein anerkannter Stempel auf einem Stücke Holz, Lever, Blech oder Papier daselbst die nämliche Wirkung haben könnte, wie auf dem Golde oder Silber. Den Beweis hat Japan, theilweise auch China geliefert.
Anders ist es bei uns. Eine Zeit lang wurde das Geld, zur Vermittelung aller Arbeitstheilungen und aller Bedürfnisse der Gesellschaft, ausschließlich in den Metallen gesucht; dann haben sich, in einer andern Geldform, ungeheure Papiermassen in den Verkehr gedrängt. Die materielle Form, durch das Metall ausgedrückt, kann aber eben so wenig für die Funktionen des Geldes genügen, als die ideale Form desselben, durch das Wort auf dem Papiere auSgedrückt, es zu thun vermag. ES darf, ausschließlich, weder Metallgeld noch Papiergeld eristiren. Beide können nur gegenseitig einander bedingen, und müssen gegenseitig, jedoch von einander unabhängig, sich stützen. Die Erfahrung bestätigt diese Wahrheit: denn als man früher Geld blos durch das Metall darzustellen unternahm, ward man dafür später durch den übermäßigen Eindrang des Papiers gestraft.
ES ist allerdings ein auögebreiteter Verkehr mit dem Auslande nicht ohne Metallgeld zu unterhalten; allein die im Lande vorhandene Quantität desselben kann, bei dem unvertilgbaren Waarencharakter des Metalls und bei der Schwierigkeit, es jeden Augenblick den Anforderungen des innern Verkehrs zu entfremden, unmöglich für seine auswärtige Funktion genügen, so lange eS nicht völlig unbehindert in seinen Bewegungen auszutrelen vermag. Dies läßt sich aber auf keine andere Weise bewirken als durch Zuziehung eines angemessenen Quantums Papiergeld. Somit sind beide Gold- formen als gleich wesentliche Elemente des Geldes angezeigt, und eS muß jedem Unbefangenen klar erscheinen, daß nur in der Verbindung und Wechselwirkung der Metallwirthschaft und der Papierwirthschaft ein wahrhaft nützliches und dauerndes Geldsystem zu verbürgen ist.
Wenn nun also daö Geld in zwei Gestalten auftritt, in
der materiellen oder sächlichen und in der idealen oder persönlichen , so ist auch nicht zu verkennen, daß die letztere Form dort ihre Heimath hat, wo Menschen, durch dasselbe gesellschaftliche Band verknüpft, in nahem und engem Verkehr mit einander stehen; daß dagegen jene erstere Form des Geldes ihre Wirksamkeit mehr auf entferntere, weite Kreise ausdehnen wird, nämlich auf den Verkehr zwischen Menschen, die nicht einem und demselben Gesellschastsverbande angehöcen. Für das eigene Land gibt der innere Markt, der gemeinsame Verkehr der Bewohner unter einander und mit dem Staate den Werthmaßstab, und es bedarf hier keiner weitern Garantie, als der gegenseitigen Ueb er einkunfr und Anerkennung. In Beziehung auf andere Länder kann kein einzelner Maßstab, so wenig der eigene, als der fremde LandeS-Stand- art genügen; hier wird ein umfassenderer Maßstab erforderlich: diesen liefert der große Welt markt, der Verkehr aller Lân- der mit einander, und die Garantie liegt dann, statt wie dort in der Landcsanerkennung, so hier in.chcr Weltanerkennung des Geldes.
Es gibt demnach ein Weltgeld und ein Landesgeld, jedes in seinem Gebiete wirksam und kräftig. Als Weltgeld dient das edle Metall, theilweise auch die geprägte Münze von demselben, selbst ein Papier, welches jedoch dem im fremden Gebiete üblichen Werihmaßstabe unterworfen, d. h. durch edles Metall gedeckt seyn muß. Als Landesgeld wird dagegen Kreditpapiergeld dienen. Wo diesen Dienst ebenfalls die geprägte Münze übernimmt, oder dieselbe Fähigkeit nur dem durch sie gedeckten Papiergelde ertheilt, wird das eigentliche Landesgeld einer Usurpation unterthänig, mit allen den Nachtheilen, die daraus für beide Geldsorten erwachsen. Es geht damit wie oft im Leben: wo Etwas sicher gestellt werden soll, was in sich selbst die beste Versicherung trägt, da wird selten verfehlt, diejenige Gefahr herbeizuführen, welche man vermeiden weilte. Man erwägt dabei nicht, daß das Landespapier nichts weiter seyn will, als ein Umlaufsmittel im Herzen der Gesellschaft, und baß der sogenannte Kredit desselben auch nichts Anderes bezweckt, als den Austausch aller Kräfte und Werthe, den Umsatz aller Produkte im Lande, ein nie unterbrochenes Wandern aller Gegenstände im Kreise der Gesellschaft auS einer Hand in die andere. Ein Landespapier, welches der Gesellschaft so wesentliche Dienste zu leisten befähigt ist und zugleich bedeutende Mißbräuche und Gefahren vom Finanzwesen fern zu halten vermag, darf nicht für eine Staatsschuld angesehen werden; eS muß dasselbe vielmehr als ein glücklicher Fund gelten und als selbständiges Landes- gcld behandelt werden. Jedwede Art von Autorisation des Metalls ist dabei nicht nur ganz überflüssig, sondern selbst widersinnig, indem alsdann zwei Geldsorlen für Eine gebraucht werden. Die Nachtheile eines solchen Verfahrens sind höchst gefährlicher Art und bestehen in Folgendem: 1) Diejenige Quantität Metallgeld, die vom Papier abgelöset werden könnte, so daß dieses in dem seiner Wirksamkeit angewiesenen Kreise den innern LandeSinteressen diene, jenes aber IpezicU den Verkehr mit dem Auslande besorge, wird dagegen mit höchster Inkonsequenz herangezogen, um that- und werthlos im Kasten zu liegen oder allenfalls mit etwas geringerer ^mon-