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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ 2»8.

Sonntag den 7. Oktober

1849.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume> rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und-TariSichen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr, Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden tn der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Staatshaushalt.

Deutschland. Frankfurt (Die Ueberwinterung der deutschen Flotte).

Aus Rheinhessen (Die Untersuchung wegen des Attentats auf den Prinzen von Preußen. Beraubung). Kassel (Die Prittwitzische Kriegführung. Rittmeister Grau). Köln (Die Schätzungen für die Einkommensteuer). Rastatt (Todtesurtheil). Wien (Gesteigerter Geschäftsverkehr^ Rüstung der Flotte. Ministerkrists).

Italien. Malta (Die Fürstin Belgioso und die italienischen Flüchtlinge).

Griechenland. (Minister ChristenideS).

Nachschrift.

Amtlicher Theil.

Der Kreisamtssekretär Appel zu Hadamar ist an das Justizamt zu Wehen, der Justizamtssekretär PhilgnS zu Wehen an daS Kreisamt zu Hadamar versetzt, der KreiSamts- akzessist Schütz zu Höchst zum Kreisamtssekretär zu Hadamar ernannt und der Justizamtakzessist Snell an das Kreisamt zu Höchst versetzt worden.

Dem Pfarrer Cäsar zu Dickschied ist die Pfarrei Staffel, dem Pfarrer Schellenberg zu Patersberg die Pfarrei Dick­schied übertragen und der Kandidat AntheS von Idstein zum Pfarrvikar zu Patersberg ernannt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Staatshaushalt

I.

ES kann in unserer, mit Erfahrungen aller Art so reich, uch gesegneten Zeit einem Zweifel wohl nicht mehr unterliegen, daß das Geld, in der Art wie wir unS dessen bedient haben, einen bedeutenden Antheil an den Schwierigkeiten und Hinder­nissen hat, welche sich den bestgemeinten Absichten zur Beför­derung der allgemeinen Wohlfahrt bislang mehr oder weniger entgegengestcllt haben. Als AuStauschungs- und VergütungS- mittel erschien daS Metall, in sofern es bei seiner unendlichen ^Heilbarkeit selbst die geringsten Ausgleichungen möglich machte und außerdem den Anforderungen des persönlichen Kredits ge, uugte, als zweckmäßig und heilsam für die Gesellschaft. Doch zugleich offenbarte das Drückende seiner Herrschaft, und eS wußte bald klar werden, daß der Gebrauch desselben, so wie der Begriff vom Gelde überhaupt, der eigentlichen Bedeutung eines Verkehrsmittels im Innern nicht angemessen war. Schon

der Umstand, daß alle Geschäfte und Verhältnisse deS Verkehrs von einem Betriebsmittel abhängig werden, das nicht jederzeit in unserer Gewalt ist, muß ein solches Geld als höchst unzu­verlässig und selbst gefährlich darstellen für den Fortgang aller Gewerbe, aller industriellen Unternehmungen, den Landbau und den Handel, an deren blühendem Stande am Ende doch die Abgabefähigkeit, ja das ganze Leben der Gesellschaft geknüpft ist. DaS Geld ist ursprünglich nur ein Mittel zum Betrei­ben der gesellschaftlichen Geschäfte und zum Austausch unserer Bedürfnisse, allein ist zugleich der Regulator jenes Betriebes und der davon abhängigen Verhältnisse; in so vielfältiger Be­deutung bedeutet eS den gesunden und den krankhaften Zustand des ganzen staatlichen Lebens. Ein unaufhörliches Wandern deS Gelbes im Kreise der Gesellschaft, zum Austausch alles , dessen, was ein Jeder nöthig hat, nach dem Verhältniß, wel­ches das Geld und die Dinge gegen einander haben, daS ist die rechte Funktion deS Geldes, und der in solcher Weise be­wirkte Umsatz der Güter und Dienste jeder Art bezeichnet daS Gedeihen der Gesellschaft.

Wenn in Beziehung auf die vom allgemeinen Verkehre in Anspruch zu nehmende Menge des Geldes hie und da behaup­tet ist, daS Geld sey theilweise verschwunden und als Metall verbraucht, so ist solches doch nicht in einem bedenklichen Grade geschehen, und es kann jedenfalls nur um so viel mehr darauf ankommen, daß dem vorhandenen Quantum die rechte Bewe­gung im Umlauf möglichst gesichert werde. Es läßt sich auch gar wohl denken, daß ein einziges Guldenstück rasch durch viele, etwa in einem Tage durch zwanzig und mehr Hände läuft, mithin eben so vielen Bedürfnissen und Verkehrsbewe­gungen dient. Dabei kann eS den zwanzig Personen vollkom­men gleichgültig seyn , ob die einem jeden' von ihnen im Lauf eines Jahres auf solche Weise zufallenden 365 Gulden auS derselben Tasche oder aus mehreren kommen; für unsere An­sicht aber ist eS genügend zu wissen, daß mittelst Eines Gul­dens die Dienste von zwanzig Gulden verrichtet und im Jahre die Umläufe von 365 mal 20 gleich 7300 Gulden bewerkstel­ligt werden können. Dagegen mag von Einzelnen noch so viel Geld eingenommen werden, so bringt solches der Gesellschaft nur in sofern Nutzen, als davon viele kleine Summen in den innern Landesverkehr gelangen. Schädlich können so große Gewinnste werden, wenn sie anstatt dem Lande bei großen Un­ternehmungen oder in außerordentlichen Fällen zu dienen, der Gesellschaft durch Wucher Geld entziehen und die Bedürftigen drücken; unnütz werden sie theilwcise dadurch, daß sie in der Regel eine Zeit lang müßig im Kasten verweilen. Eintausend Gulden z. B. durch eine Baute vertheilt, stiften größeren Nutzen im Lande, als wenn zwanzigtausend Gulden in Einer Summe liegen bleiben; und zehn Kaufleute, die zusammen eine Million besitzen, können mehr Wirksamkeit haben, denn ein Einziger, der allein so viel im Vermögen hat. Nur das­jenige Einzelne kann im Staate für produktiv erkannt werden, was aus den Kreisen einer ununterbrochenen Wechselwirkung mit dem Allgemeinen zu keiner Zeit heraustritt; alle Ertrage, alle Kapitalwerthe sind dagegen Nichts, sobald ihnen die leben­dige Einwirkung der Menschen, in ihrer Gesammtheit, rott im Einzelnen abgeht.