zwischen den zwei Aufstellungen unterscheiden. Die im Vorarlberg sey eine politische Nothwendigkeit gewesen, „um die kriegerischen Evolutionen Preußens in Deutschland nach Umständen im Schach zu halten und eine nachdrückliche Hand über die Schweizergränze zu breiten." Freilich könnte man auch die böhmische Armee als ein „Observationskorps" ansehen und in der Aufstellung eine „diplomatische Spekulation" finden, allein die „Presse" ist so durchdrungen von der Nothwendig' seit eines Einverständnisses zwischen Preußen und Oesterreich, ohne welches sie eine Definitive in der deutschen Frage, auf welche Art immer, sich nicht denken kann, daß sie „auch nicht zu früh einer reinen militärischen Dislokation den Charakter einer politischen Demonstration beimessen möchte."
Wien, 29. Sept. W. Z.) Die Wiener Zeitung hat zwar meine gestrige Meldung von der Uebergabe Komorns nicht bestätigt; es wird dieselbe jedoch von allen andern Journalen mitgetheilt. Wie ich erfahre, ist der Kurier angekommen und die Insurgenten verlangen nur die Bestätigung der ihnen gewährten Bedingungen durch die Unterschrift des Kaisers in Händen zu haben, um sodann die Festung zu übergeben. Daß die Sache übrigens nicht mehr zu bezweifeln ist, ersehen Sie wohl aus der Zeitschrift „Austria", die im Handelsministerium redigirt wird, und welche meldet, daß morgen bereits das erste Dampfschiff direkt nach Pesth gehen werde, ohne sich jedoch in Komorn aufhalten zu dürfen.
Wien, 30. Sept. Der Unterwerfungsakt der Komorner Besatzung ist am 27. d. M. unterfertigt worden. Am 28. ist F.M.L. Graf Nobili mit den erforderlichen Individuen der Artillerie, des Jngenieurkorps, einem Feldkriegs- kommissâr und zwei Militärverpflegungsbeamten nach Komorn abgegangen, um die betreffenden Boreinleitungen zur ordnungsmäßigen Uebernahme zu pflegen, was bis Montag den 1. Oktober bewirkt seyn wird, wonach sofort die Besetzung der Festung an dem genannten Tage stattfinden kann. (Wiener Zeitung,)
Frankreich.
Paris, 1. Oktober. Wie bedenklich auch die Sachen in Konstantinopel aussehen mögen, müssen wir die Besorgnisse, daß sie zu einem Kriege zwischen der Pforte und Rußland führen könnten, doch für sehr übertrieben halten, ungefähr für so übertrieben, als die Besorgnisse am 7. September waren beim Erscheinen des jetzt nicht mehr berühmten Briefes vom 18. August im „Moniteur". Das Ultimatum der beiden Mächte hat überdies eine unverkennbare innere Achnlichkeit mit dem so oft erwähnten Briefe. Wie heute Oesterreich und Rußland die Pforte durch Drohungen einschüchtern wollen, so wollte damals Louis Napoleon den Pabst einschüchtern, und wie damals diese Drohung erfolglos geblieben und zu keinem Kriege geführt hat, so wird auch das Ultimatum erfolglos bleiben und zu keinem Kriege führen, aus dem einfachen, aber hier entscheidenden Grunde, daß Niemand mehr einen Krieg zwischen der Pforte und Rußland zu hintertreiben Interesse hat, als Oesterreich, Oesterreich also dem Ultimatum sich nicht angeschlossen hätte, wenn eS einen Krieg als Folge der verweigerten Auslieferung besorgen müßte. Daß ein diplomatischer Bruch zwischen der Pforte und ihren beiden Nachbarn zu erwarten, läßt sich nicht läugnen; allein da Oesterreich durchaus kein Interesse haben kann, diesen Bruch länger dauern zu lassen, als eö etwa die äußeren Formen seiner Worte erheischen , so wird es zuerst die versöhnende Stimme der Vermittlung Englands und Frankreichs hören, und ist einmal Oesterreich versöhnt, dann wird auch Rußland sich wieder erweichen lassen.
Oesterreichs in Betreff der ungarischen Flüchtlinge zurückgewiesen, Hr. v. Titoff wirklich jeden Verkehr mit der Pforte abgebrochen habe und Fürst Radzivill sofort nach St. Petersburg abgereist sey. Hinzugefügt wird, daß der russiche Gesandte dem Fürsten die Weisung ertheilt habe, die Abschiedsaudienz, die ihm der Sultan bewilligt, abzulehnen. Derselben Korrespondenz zufolge, habe Sadziwill es gar nicht für nöthig erachtet, damit hinterm Berge zu halten, daß die Flüchtlinge nach ihrer Auslieferung sofort mit dem Strange Hingerichtete werden sollen. Alle Türken, heißt es weiter, eiferten und protestirten laut gegen eine so mordlustige Politik, sie beriefen sich darauf, daß die Religion Mahomeds ihren Anhängern vorschreibe, Gastlichkeit und Schutz allen Unglücklichen zu gewähren ohne Unterschied deö Glaubens und der Heimath.
Mit den Verwickelungen in Konstantinopel steht wahrscheinlich der Ministerrath in Verbindung, zu welchem Lord Palmerston seine Amtsgenossen auf morgen eingeladen hat. Die meisten Minister werden ihm beiwohnen können, da fie sich zum Theil in der Hauptstadt selbst, zum Theil in deren Nähe befinden.
N u ß l a n d.
Von der polnischen Grenze, 24. Sept. (B. Z.) Die neuen Bestimmungen in Betreff der Schulen im Königreich Polen sind äußerst drückend. Im ganzen Lande gibt cs nur 4 Gymnasien, aber keine einzige Universität, die Üniverfitäts- Studien müssen in Dorpat, Petersburg oder Moskau absolvirt werden und sind deßhalb nur den Söhnen vermögender Eltern möglich. Eine andere große Ungerechtigkeit liegt für den Nicht- adeligen darin, daß er sechsmal so viel Schulgeld bezahlen muß, denn für ihn sind 300 polnische Gulden angesetzt, während der Adelige mit 60 Lurchkommt. Um hier eine Lücke auszu, füllen, sind zwar sogenannte Realschulen eingeführt worden, die aber durchaus nicht den Ansprüchen genügen, welche man an Anstalten dieser Art zu machen gewöhnt ist und eine gediegene Schulbildung nicht einmal anbahnen.
Von den in der letzten Zeit begnadigten, nach Sibirien verbannt gewesenen Personen darf feine' einzige nach dem ; Königreiche Polen zurückkehren; es werden diesen Personen I vielmehr die Gouvernementsstädte in Podolien und Wolhynien I als Wohnorte und dazu Subsidien aus den Kassen der Kron- i Hüter angewiesen. Von welch' ungeheurem Umfange die Kon- j fiskation der Güter der seit 1830 politischer Vergehen halber * Verurtheilten seyn muß, geht aus dem Berichte über die Regierungsgüter hervor. Hiernach beträgt, nach Abzug der i Schenkungen oder Verkäufe der größeren Hälfte derselben, ihre Zahl noch über 200 mit über 76,000 Seelen. Im Allgemeinen darf angenommen werden, daß die politischen Ansichten der Polen einerseits und die darauf sich stützenden Rcprcssivmaß- regeln der Regierung andererseits dem Fiskus einen Grundbesitz von wenigstens 10 Millionen Silberrubel zugeführt haben, auf dem höchstens 3 Mill. Rubel Schulden lasten.
dtaeAfehrift.
* Wiesbaden, 4. Oktober. Gestern Nachmittag traf Se. kön. Hoh. der Prinz von Preußen hier ein, um der Königin der Niederlande einen Besuch zu machen. Der Prinz traf bei der Königin auch den König von Würtemberg, ihren Vater, und die hohen Gäste nahmen daS Diner; bei dem auch die verwittwete Frau Herzogin von Nassau erschien, zusammen ein.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Großbritannien.
London, 1. Oktober. Die Times vom heutigen Datum ■ bringt aus Konstantinopel 17. September die wichtige Nachricht, daß, nachdem am Abend vorher die Pforte in einer letzten und entscheidenden Antwort die Forderung Rußlands und
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Aass. Allg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof, Buchhandlung in Wiesbaden.