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samkeit angehört worden sein wie in Berlin. Die häufige Berufung Simsons auf daS glückliche England als das ein­zige Land, welches wahrhaft den Namen eines konstitutionellen verdiene, scheint der Korrespondent mit besanderem Wohlge­fallen hervorzuheben. Die Times brachte neulich eine Ueber- setzung des bekannten Schreibens Friedrich Heckers mit der Bemerkung, daß die badische Regierung besser thäte, diesen Heckerschen Brief an alle Straßenecken anschlagen zu lassen, als das Heckerlied zu verbieten; wenn dieser Brief nicht die Revolutionäre in Baden vernünftig mache, so seien sie über­haupt nicht zur Vernunft zu bringen u. s. w. Wir fürchten das Letztere. Die Times bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß, wenn die Freischärler aus ihren Gefängnissen entlassen würden, man ihnen auch noch den Heckerhut nehme,die einzige bewegliche Habe, die sie besitzen."

Deutschland.

Diez, 2. Oktbr. Am gestrigen Nachmittage bewegte sich durch die Straßen hiesiger Stadt ein Leichenzug seltener Art. Vor dem einfach-geschmückten Sarge sah man eine größere Anzahl von Geistlichen voranschreiten und der Leiche selber dicht neben den leidtragenden Angehörigen Sr. k. k. Hoheit den Erzherzog Stephan nebst dem auf Schloß Schaumburg als Gast weilenden Erbgroßherzoge von Oldenburg K. H. in tiefer Theilnahme folgen. Es war die Leiche des unerwartet in der Abendstunde des 29. Sept. d. I. an einem Herzschlage gestorbenen Erzh. Oest. Schaumburg'schen Hofprediger Kirchen- rath Brunn, welcher, seit einem Jahre von seinem Pfaxr- amte in dem benachbarten Cramberg zurück- und in Ruhestand eingetreten, zu Diez im Kreise seiner Kinder eine friedliche Stâlte der Pflege und des freundlichen Umgangs gefunden hatte. Da der Hingegangene, über dessen fünfzigjährige Jubel­feier seinLö Eintritts in Schaumburg vor anderthalb Jahren in offentiVen Blättern mehrfache Erwähnung geschah, trotz seines 76sten Lebensjahres noch in rüstiger Alterskraft sich in den letzten Tagen bewegt und erst vor wenigen Wochen den festlichen Empfang der Königin von Griechenland auf Schloß Schaumburg durch Worte herzlicher Anrede verherrlicht hatte, so war die Kunde von diesem jähen Todesfälle für die nähere und fernere Umgebung, besonders auch für die Bewohner der Standesherrschaft, doppelt ergreifend, und führte die Leidtra­genden und Theilnehmenden in ernster Stimmung zum Leichen- begângnisse.

Bei der reichen und gemüthlichen Persönlichkeit des Voll­endeten, sowie in Betracht der mannigfaltigen und einflußrei­chen Beziehungen, worin derselbe während seines langen Lebens gestanden hat, darf aber wohl erwartet werden, daß auch die Leser der Nass. Allg. Zeit. es nicht ungerne sehen, wenn ein gedrängter Ueberblick des bewegten Wirkungskreises des Jubi, larS hier mitgetheilt wird, und soll zu diesem Behufe das vor Jahresfrist bei Anlaß seines Jubelfestes in engerem Kreise Vorgetragene für seine theilnehmenden Freunde angedeutet werden.

Hofprediger Brunn stammte aus dem Anhalt'schen und war geboren ,u Gackstädt, ohnweil Dessau, am 10. Septbr.

des dastgen reformirten Landpredigers, sah sich der Knabe nach vorhergegangenem Unterrichte bei seinem Vater schon im zwölften Lebensjahre auf dem Gymnasium zu Hall/ und sollte frühe schon durch den Tod seines treuesten Jugend' genossen, welcher an seiner Seite beim Baden in der Saale er­trank, einen ernsten Eindruck erfahren und sich zu erhöhtem Streben in seinem Berufe aufgefordert fühlen. Sechzehn Jahre alt, widmete sich der eifrige Jüngling dem vereinigten Stu- d'UM der Theologie und Philologie, und wurde namentlich von F. A. Wolf angeregt, wie denn auch die übrigen hervorraaen- den Universitätslehrer zu Halle, Semler, Nösselt, Knapp , ihre Aufmerksamkeit auf ihn richteten. Der durch große geistiaè Anstrengungen und körperliche Entsagungen Erkrankte wurde zwar von dem berühmten Reil für rettungslos erklärt, jeoock durch eine höhere Hand in das freudige Leben zurückgekebrt so daß er bereits 1792 als geprüfter Kandidat, 19 Jahre alt' eme Privatschule zu Bremen übernehmen konnte, wo er im Kreise von gebildeten Kaufmannsfamilien bald viele Liebe fand auch durch öfteres Predigen in der übrigen Gemeinde ehrende Anerkennung erlangte. Nachdem bereits mehrere Anträge nach Westphalen, Hamburg rc. an ihn ergangen waren, entschied sich Brunn im Herbste 1797 für einen Ruf als Hofprediger

nach Schaumburg, welche Stelle ihm durch den früheren Hof, Prediger Petri, späteren Prediger an der St. Ansgari-Kirche zu Bremen, war vermittelt worden. Der biedre Fürst Karl Ludwig, dessen Andenken noch heute in dem Herzen Vieler mit Liebe und Dank fortlebt, berief mit ehrendem Vertrauen den jugendlichen Mann, welcher am 13. Mai 1798 in der Schloß­kirche zu Schaumburg durch Konsistorialrath Manderbach in sein neues Amt eingeführt wurde.

Von da beginnt die schöne und reiche Laufbahn, auf deren fünfzigjährige Strecke der Jubilar am 13. Mai 1848 mit ge­rührter Freude zurückblicken konnte. Dieser Dank mochte um so inniger seyn, da der Bejahrte zugleich einer doppelten gnä- digen Lebensrettung, und zwar 1799 aus der reißend ange- schwollenen Aarbach, in welche ihn daS gestürzte Pferd gerissen, sowie 1823 auS der tiefen Lahn , wohin den Vater die Sorge für sein ausgeglittenes Kind verleitet hatte, gedenken konnte.

Nach der Rückkehr der durch bi* Kriegsereignisse auf ihre Hoym'schen Besitzungen im Sachsenlande gereisten Herrschaften nach Schaumburg konnte Hofprediger Brunn 1801 den Unter­richt der vier Prinzessinnen-Töchter des Fürsten Viktor und der Fürstin Amalie, beginnen, wo sich denn ein inniges Verhält­niß zwischen Lehrer und Schülerinnen bildete, welches auf den großen Reisen durch Deutschland und in die Schweiz wie Ober­italien, Ungarn 2C. noch befestigt wurde. Unter diesen vier Schwestern ragte besonders die Erbfürstin Hermine hervor, welche am 30. August 1815 mit Palatinus Joseph von Un­garn sich ehelich verband und so die Mutter des nunmehrigen Palatinus Stephan wurde. Ihr frühzeitiger Tod im Jahre 1817, nachdem Großvater und Vater rasch nach einander ge- storben waren, eröffnete die Reihe schmerzlicher Todesfälle, die bald in dem gleichen frühen Hinsterben ihrer beiden andern Schwestern Adelheid und Ida folgten, wovon Adelheid an der Seite des Großherzogs August von Oldenburg Mutter der jetzigen Königin Amalie von Griechenland geworden war, und Ida als zweite Gattin desselben edlen Fürsten nach dem Tode der theuern Schwester ihm einen Erben, den gegenwärtigen Erbgroßherzog Peter geboren hatte. Brunn feierte alle diese Ereignisse, freudige und leidvolle Wechselfälle, mit tiefergrei- fenben und sanftberuhigenden Ansprachen, welche, sowie die einzelnen Konfirmalionsreden bei jenen vier fürstlichen Töch­tern, im Drucke erschienen und zu jener Zeit weithin gebüh­rende Anerkennung fanden. Unter diesen Reden war eS vor­nehmlich die Korfirmationsrede bei der bald nachher als Erz­herzogin verstorbenen Erbfürstin Hermine, welche in daS Un­garische übersetzt wurde und große Verbreitung fand. Nach ihrem Tode war Brunn längere Zeit in Hagarn, genoß dort viele Auszeichnung und sah sich noch aufgefordert, alle seine daselbst gehaltenen Predigten durch den Druck zu veröffent­lichen. Es waltet in allen diesen Ergüssen ein so reiches und freundliches Gemüth, daß der Rückblick auf dieselben auch noch in späteren Tagen für die jenem Fürstenhause näher Gestan­denen die wohltuendsten Eindrücke hervorruft. Es war ein in seltener Weise förderliches und in hohem Grade vertrauens, volles Verhältniß , worin Brunn mit allen Gliedern dieses Fürstenhauses lange Jahre gestanden hat. Er sollte doch den Tod der Meisten derselben überleben und zog sich, da bei dem allmäligen Absterben jener Fürstenfamilie seine Hofprediger- Stellung weniger Anlaß zur Wirksamkeit darbot, 1823 mit Beibehaltung dieser Stellung in das nahe und ländliche Cram­berg zurück, wo der schon Ergraute seitdem über 25 Jahre die Pflege des ausgedehnten Kirchspiels mit rüstiger Kraft führte in dessen Gotteshäusern der Jubilar am 14. Mai 1848 vor versammelter Gemeinde seine Dankgefühle aussprechen konnte.

In der ländlichen Stille gewann Brunn die Muße, nach Maßgabe des früher ertheilten Unterrichtes einenLeitfaden" sur die Konfirmanden im Druck erscheinen zu lassen, nachdem er bereits früher in den theologischen Streitigkeiten gegen Ein­führung der preußischen Liturgie mitgewirkt hatte. Doch hielt sich derselbe, obgleich seiner Halle'schen Schule treu bleibend, von derlei Kontroversen später mehr ferne, und wirkte lieber im unmittelbaren Kreise, wozu auch die Hinweisung von zu prüfenden Kandidaten erwünschte Gelegenheit darbot. Bei dem milden und versöhnenden Wesen des Mannes lag es nahe, ' ba^ sich eine große Werthschätzung desselben nah und ferne bildete. So wurde demselben, wie man ihm kurz vorher Ein, leitungsversuche in Ungarn zur Anbahnung einer Union zwi­schen Reformirten und Lutherischen nahe gelegt hatte, nach der Klrchenorganliatlon des Herzogtums' Nassau 1817 die Pro, sessur an dem theol. Seminar zu Herborn angetragen, nach­dem er durch seine Reise nach Ungarn verhindert gewesen war,