serve 2. Klasse ein militärisch - organifirtes Landjägerkorps er# | richtet werden soll, bestehend auö 30 berittenen und 57 Fuß-1 Landjägern, welche so vertheilt werden, daß an jedem Kreisamtssitze 3 berittene und an jedem Justizamtssitze 2 Fußland, jäger ihre Station haben. Der Kommandant des Korps wird seine Station an dem Regierungssitze haben.
* Wiesbaden, 30. Sept. Gestern Nachmittag trafen J.J. M.M. der König von Würtemberg und die Königin von Holland hier ein, um mehrere Tage in unserer Stadt zu verweilen.
Aus Gotha wird der „Nat. Ztg." geschrieben: Die Gattin TrützschIe r'S, welche ihren Mann schwärmerisch liebte, befindet sich in einem höchst bedauernswerthen Zustande, da ihr kein tröstendes Wort von ihrer eigenen Familie zu Theil wird, welche vielmehr, erzaristokratisch gesinnt, über den Tobten, selbst in Gegenwart der Gattin, schonungslos das Verdammungs« urtheil fällt. Kein Wunder, wenn dieselbe in der letzten Zeit der Verzweiflung und dem Wahnsinne nahe gekommen.
Koburg, 24. Sept. Mit dem Heutigen hat das Lotto nach öOjâhrigem Bestehen bei uns aufgehört. GB. Z.)
Wien, 25. Sept. Die „Ostdeutsche Post" äußert sich über den Minister Graf Stadion folgendermaßen: „DaS Schicksal des Grafen Stadion erregt im Publikum allgemeine Theilnahme; es ist ein trauriges. Ein Brief aus Gräfenberg vom 21. d. M. bringt uns die Nachricht, daß er von einem Holzhauer im Walde gefunden und nach Gräfenberg zurückgebracht wurde. Die ganze Nacht irrte er bei strenger Kälte herum, 3% Meile weit entfernte er sich vom Kurorte. Als man ihn fand, konnte er nicht mehr sprechen, und bloß dem Zufall, daß er ein Trinkhorn um den Leib trug, wie es nur die Gräfenberger Kurgäste zu thun pflegen, ist es zu danken, daß ihn der Holzhauer als einen verirrten Gräfenberger erkannte. Seit der Rückkunft ist der Graf fast stumm, und außer einem „Ja" oder „Nein" konnte Hr. Prießnitz aus demselben nichts herauspressen. — Graf Stadion ist — wir hoffen nicht sagen zu müssen — er war ein Garant der Verfassung vom 4. März, ein Träger jener Ideen, die jetzt das Gouvernement leiten, nach denen die Monarchie in diesem Moment geordnet wird. Ein Leiden, welches ihn schon öfters ergriff, warf ihn in den letzten Tagen seiner Amtsthätigkeit nieder, der er sich ohne alle Oekonomie der Gesundheits- und Leibeskräfte widmete, und leider erlag.
Im „Lloyd" liest man: „Die Insurgenten in Komor n haben die ihnen letzt gestellten Bedingungen nicht angenommen und wollen sich bis auf den letzten Mann verthei, digen. Sie hielten am 22. großen Kriegsrath in der Festung mit sämmtlichen Offizieren, und die am 22. in Acs gewesenen Parlamentäre brachten das Ultimatum. Es werden daher alle Anstalten zur ernsten Belagerung getroffen. Nach den angelangten Nachrichten herrschen zwei Parteien, und der größte Theil der Mannschaft ist noch in Unkenntniß über die wahre Sachlage. Ueberläufer sagen aus, daß großer Mangel an Heu herrsche. Die günstigern Bedingungen, die der Komor- ner Besatzung gestellt wurden, sollen in Landesverweisung der kompromittirtesten Anführer und Konfiskation der vorhandenen Güter bestehen."
Schweiz.
Basel, 27. Sept. (O.-P.-A.-Z.) Nachdem schon vor einigen Wochen durch badische und bayerische Offiziere der Bestand der von den Flüchtlingen hierher verschleppten Waffen und Munitionsvorräthe ausgenommen worden, unterhandeln in diesem Augenblick mehrere Abgeordnete der betreffenden Regierungen mit unserm BundeSrath über Auslieferung jener Gegenstände. Da die Konferenzen so ziemlich ihrem Ende nahe sind, kann ich Ihnen mit Bestimmtheit versichern, daß einer baldigen unbedingten Abtretung des ganzen Materials nichts mehr im Wege steht. Der BundeSrath hätte sich somit auch diesmal nicht um daö unaufhörliche Geschrei der radikalen Presse bekümmert.
Basel, 22. Seplbr. (BaSl. Ztg.) Daß die Schweiz in Deutschland zum Theil nicht ohne Grund als ein die Nach
barn stets bedrohender Heerd der Anarchie angesehen wird, ist bekannt, und diese Frage ist auch in unserm Blatte öfters beleuchtet worden. Aber auch in Frankreich, diesem eigentlichen Mutterlande der Revolution fängt man wieder an, sich über böse Nachbarschaft zu beschweren. —Die „Union sranc-komtoise" meldet: Rothe Republikaner und Sozialisten organisiren einen neuen Aufstand nach umfassendem Plane, die Provinz Franche- Comte sey bestimmt, das erste Opfer davon zu werden, und die Departemente der oberen Saone, des Jura, des Ober- und Niederrheines, der Goldküste, Saonc und Loire, Rohne, Ain, Isere, Drome und Doubs seyen stark unterwühlt. Das Zentrum des Komplotts sey in der Schweiz, welche mit Re- - volutionâren hohen Ranges bevölkert sey. Wir wissen nicht, ob mit diesen Besorgnissen die Sendung des Grafen Daru als vertraulichen Agenten des Präsidenten in Verbindung steht, welcher nach französischen Blättern den Auf, trag haben soll, auf die Entfernung der Flüchtlinge zu wirken, widrigenfalls Frankreich ganz andere Begehren, die von andern Seiten ausgehen, unterstützen würde. Auch soll Herr Daru ; den Präsidenten James Fazy als einen der Ruhe Europas sehr gefährlichen Menschen bezeichnen, was freilich Jeder, der Augen im Kopfe hat, schon längst weiß. Ist es in Folge dieser Mission oder nicht, genug, der Bundesrath hat nun auch die Jnternirung der sardinischen und französischen Flüchtlinge beschlossen.
Frankreich.
Paris, 27. Sept. Nach dem „Evenement" sieht man dem angekündigten Manifeste des Pabstes nicht ohne Besorgniß entgegen, weil man glaubt, daß dasselbe sich etwas bitter über unsere Regierung aussprechen werde. Der Pabst habe sich nämlich durch einen Ausdruck in einer direkt an ihn gerichteten Depesche sehr verletzt gefühlt und unter dem Einflüsse dieser Stimmung das Manifest diktirt.
Die „Estafette" spricht von einer nahen Volks-Demonstration, welche den Zweck haben würde, die Revision der Gesetze zu begehren, welche die Beziehungen zwischen Arbeitge« bern und Arbeitern regeln; man bemerke auch schon in nren Vorstädten, namentlich in den Faubourgs du Temple und in St. Antoine, eine gewisse Aufregung.
Nach der „Patrie" sind von hier aus in Folge der entschiedenen Weigerung der Pforte, die ungarischen Insurgenten an Rußland auszuliefern, Kouriere an die bei dieser Frage betheiligten Höfe abgeschickt worden.
Der Minister des Innern hat von dem Präfekten einen Bericht über die Lage sämmtlicher Provinzial-Theater verlangt. Die Polizei hat jetzt auch die neun übrigen Mitglieder einer Falschmünzerbande verhaftet, welche hier und in den Vorstâd- ten thätig war. In ihren Wohnungen hat man alle betreff senden Werkzeuge und eine Anzahl fremder Geldstücke wegge, nommen. Die Bande pflegte ihre Fabrikate meistens in den flehten Läden auszugeben.
Großbritannien
London, 27. Sept. (D. Z.) So mager, ^nicht bloß in Betreff der inländischen Neuigkeiten sondern auch der raison- nirenden Artikel, waren die englischen Zeitungen selten wu während der letzten Tage. Man muß sich an lauter kleinen Brocken genügen lassen. Der Globe z. B^ meldet, daß die bekannte schwedische Romanschriftstellerin Friederike Beemer in London angekommen ist, um sich von hier nach New-Nork zu I begeben. Sie gedenkt, sich einige Beit in den Vereinigter; Staaten aufzuhalten. ;
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. ,
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird ar jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben ode> kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Wie Expedition der Nass. Mg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof, Buchhandlung in Wiesbaden,