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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

«^. 228. Mittwoch den 26. September 1849.

Bestellungen aus das mit dem 1. Oktober neu beginnende Quartal derNassauischen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in Stand gesetzt ist, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Das Blatt wird vor wie nach seiner bekannten konstitutionellen Tendenz treu bleiben, vie durch den Gang der Zeitereignisse am besten gerechtfertigt ist.

Mit der Zeitung erscheint wie bisher als Beilage dasLandtagsblatt" als Organ der konstitutionellen Partei der Kammer.

Durch denamtlichen Theil" der Zeitung kommen die Kundmachungen der Regierung am frühesten zur Kenntniß des Publikums.

Da sich dieNassauische Allgemeine Zeitung" einer stets im Steigen begriffenen ausgedehnten Verbreitung erfreut, so erscheint sie zur Veröffentlichung von Privatanzeigen aller Art ganz besonders geeignet.

y Sie Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO fr. Jnfera te werden die dreispaltige Petitzejie oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelleu- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Lamartine über Ludwig Bonaparte.

Bayern und die deutsche Frage.

Deutschland. Wiesbaden (Die Deutsche Zeitung). Frankfurt

(Der Sitz des Reichstags. Militärerzeß), Aachen (Die Spielbank).

Dessau (Reformation der demokratischen Verfassung). Berlin (Würdige Polemik der Kreuzzeitung. Herr von Kanitz). Hamburg (Die dänische Ministerkrisis). Wien (Steckbriefe. Kundmachung der türkischen Regierung. Manöver. Organ).

Ungarn. KomorN (Die Belagerung).

Nordamerika. N ew-Vork (Ein Freischaarenzug nach Kuba beabsichtigt).

Lamartine über Ludwig Bonaparte.

Der Präsident der Republik hat ein Ehrenbezeugniß er­halten, welches um so schmeichelhafter ist, als es von einem ehemaligen politischen Gegner, man kann wohl sagen, von einem Ainde ausgeht. Der Lobredner des Mannes, welcher berufen ist, das Land von den Kalamitäten der Februarrevo, lution zu erlösen, ist Niemand anders als der Haupturheber dieser Revolution, Lamartine.

In seinem Blatte,der Rathgeber deS Volkes," sagt der Verfasser der Girondisten:Ich bin nicht eigensinnig; ich er­kenne an, daß Gott und mein Vaterland unendlich weiser sind als ich, und wenn ein Ereigniß, welches ich fürchtete, vollen, det ist, und ein solches Ereigniß gute Folgen hat, anstatt schlimmer, so erkenne ich das Gute an, so segne ich den Him- mel, daß er die schlimmen Folgen fern gehalten hat, und ich bestrebe mich als guter Bürger, aus diesem Ereignisse die mög­lichst großen Vortheile für mein Vaterland zu ziehen. Ich war nie persönlich bekannt mit dem Präsidenten, den die Stimme der Nation an die Spitze der Vollziehungsgewalt gestellt hat. Ich machte mir ein Bild von ihm nach meinen republikanischen Vorurtheilen und den Fehlern seiner Jugend, welche er selbst im Angesichte seines alten Gefängnisses auf so edle Weise ver« dämmt hat, leichtsinnig, ungestüm, ehrgeizig, herrschsüchtig. Ich habe mich geirrt. Die Jahre haben seinen Geist zur Reife

gebracht; Nachdenken hat ihn erleuchtet; das Unglück hat ihn umgewandelt; die Mauern des Gefängnisses waren das Treib, Haus für seinen Charakter, die Blüthen verdörrend, die Frucht zeitigend. Seit der Zeit hab' ich den Präsidenten der Republik gesehen, beobachtet und kennen gelernt, und ich bin der Wahr­heit die Erklärung schuldig, daß nach meiner Ueberzeugung in ihm ein Mann zu finden ist, der der Situation gewachsen, ein Mann auf der Höhe seiner Pflichten gegen daS Vaterland, ein Staatsmann von scharfem, richtigen Blicke, ein gutes Herz, viel gesunder Menschenverstand, aufrichtige Redlichkeit, eine Bescheidenheit, welche jeden übertriebenen Prunk fern hält. Ich sage euch, waS ich senke. Ich habe kein Interesse zu schmeicheln. Ich habe von ihm nicht mehr zu erwarten, als irgend einer von euch. Ich habe oft in meinem Leben etwas ausgeschlagen, nie um etwas gebeten. Aber ich glaubte, die Republik ist glücklich gewesen, daß sie einen Mann gefunden hat, wo sie blos einen Namen suchte. Die Vorsehung leitete den AuSspruch der Wahlurne."

Bayern und die deutsche Frage.

V. d. Pfordten machte in der Kammersitzung vom 21. Sept. Vorlage von Mittheilungen über die deutsche Verfassungsfrage, wobei er an die am 4. Juni gemachten Vorlagen anknüpfte, und in stundenlanger Rede wenig Neues sagte.

Hauptaufgabe der Regierungen sey die Gründung einer neuen provisorischen Zentralgewalt, die von allen Staaten An, erkennung finde, und Vereinbarung über den Entwurf einer Verfassung. Seine Reisen nach Wien und Berlin hätten diesen Zweck gehabt. In Wien habe er darauf angetragen, daß der kaiserl. Gesandte in Berlin bevollmächtigt und mit Instruktionen ver­sehen werde, damit er an den Verhandlungen Antheil nehmen könne. Bayern habe dabei den beiden Großmächten überlas, scn, sich über die Gründung der provisorischen Zentralgewalt zu vereinigen und etwa noch einen Dritten aus den übrigen Bundesgliedern dazu zu erwählen, oder sich von den übrigen eine Vollmacht geben zu lassen. Preußen habe diese Vorschläge ab, gelehnt, weil eS das Provisorium von dem Definitivum nicht trennen zu können glaubte. Auf die preußische Note vom 20.