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Reform, seine gewichtig-befürwortende Stimme verleiht; denn offenkundig ist daS herabgckommene kirchliche religiöse Leben, die Theilnahmlosigkeit vieler Katholiken einerseits und daS Hängen an Aeußerlichkeiten noch Mehrerer andererseits, und eS muß allen denkenden Katholiken klar werden, daß hier von innen heraus geholfen werden müsse, will man nicht dem Ver­fall von Kirche und Christenthum in die Hände arbeiten.

Hirscher zeigt den rechten Weg zur Hülfe, er wünscht, daß die kirchlichen Angelegenheiten als Gemeindeangelegen, heiten behandelt und deßhalb zu den BiSthumssynoden auch Laien beigezogen werden, damit man die Bedürfnisse und Ansichten deS Volkes kennen lerne.

So wäre eS auch nach der ältesten Kirchenverfassung ge­halten worden und es stünde sofort zu erwarten, daß die Laien alsdann auch den Anordnungen rc., worüber sie gehört und wozu sie mitgewirkt, Geltung und Anerkennung verschaffen würden, und überhaupt allgemeines kirchliches Interesse wieder erwachen werde, wenn man der Zeit Rechnung trage, daS Christenthum lebendig pflege, die Mißstände vielthunlichst be­seitige und zweckmäßige Verbesserungen treffe.

Die von ihm empfohlene bessere Einrichtung deS Beicht- Instituts, sodann die nach gehöriger Vorbereitung eingeführte deutsche Sprache beim Gottesdienste rc. und eine würdige ein­fachere Feier desselben in Verbindung mit anderen Reformen, würde gewiß Hunderttausende wieder der Kirche zuführen, Biele versöhnen und einen neuen Aufschwung erzeugen, wozu auch die gewünschte Bildung von Laienvereinen zur Besprechung der religiösen Angelegenheiten sehr förderlich wäre.

Der bisher betretene Weg führt aber nicht zum Ziele; diejenigen aber, welche vermeinen mit Rosenkranz, und anderen Andachten, mit Bruderschaften, Wallfahrten sowie mit Ablässen, Wundermedaillen und Einführung gewisser Orden, das wahre Christenthum zur allgemeinen Geltung zu bringen, irren ge­waltig, weßhalb Hirscher am Schlüsse seiner Abhandlung war­nend sagt:Auf daS Mittelalter zu.ückgreifen, scheint mir ein großer und äußerst gefahrvoller Mißgriff."

Der geringe Preis (24 kr.) dieser verständlich und würdig gehaltenen Schrift macht sie allgemein zugänglich und sie ver­dient angelegentlich gelesen zu werden.

Frankfurt, 12. Sept. (O.-P.-A.-Z.) Se. k. Hoh. Prinz Wilhelm von Preußen ist hier eingetroffen. Außer dem Prinzen Luitpolv von Bayern werben auch die Erzherzöge Stephan und Albrecht demnächst hier erwartet.

Frankfurt, 7. Sept. (W. Z.) Die wichtige Nachricht, daß der König von Preußen gestern ein persönliches Zusam­mentreffen mit dem Kaiser von Oesterreich in Tep- litz gehabt habe, wurde heute morgen dem Prinzen von Preu­ßen und einem kleinen Kreise vertrauter Personen bekannt. Sie erregte Freude, da kein Zweifel übrig blieb, daß sich die Besprechung der beiden Monarchen wenigstens für den Bundes- fiaat innerhalb der von Preußen eingeschlagenen politischen Richtung gehalten habe, und daß sie mithin zur Ausgleichung der bestehenden Differenzen wesentlich beitragen werde. Auch der Erzherzog Johann, dem die Kunde von dieser absichtlich geheim gehaltenen Annäherung durch den Prinzen von Preußen zugmg, erschien sehr zufriedengestellt und sprach die Erwartung auS, sich bald am Ziel seiner Wünsche zu sehen. Die Auffas­sung deS Prinzen und des Erzherzogs ist eben so bezeichnend, wie diejenige eines hiesigen Vertreters der bayerischen Politik. Bei dem letzteren erregte die Nachricht großes Mißbehagen; vielleicht daß sich Bayern jetzt seiner selbst geschaffenen Verle­genheit deutlich bewußt wird. Die Zufriedenheit deS Prinzen von Preußen können wir als ein. günstiges Zeichen willkom­men heißen, d > seine Richtung durchaus diejenige des preußi­schen Ministeriums und der Kammer ist und sein fester Cha­rakter alles Wandelbare in der Politik mit sittlichem Stolz von sich weist.

Mannheim, 11. Septbr. Das Verzeichnis« der für die Dauer des KriegSzustanveS von dem Ministerium des Innern verbotenen Zeitungen hat neuen Zuwachs erhalten. Neuer­dings unterdrückt sind:die deutsche Reichsbremse" (Leipzig), die Leuchtkugeln" (München),der Schwarzwälder Bole" <Oberndors),die Schweizer Nationalzeitung."

Rastatt, 11. Sept. DaS zehnte TodeSurtheil ward heute hier verkündigt. Vor dem Standgericht erschien der badische

Soldat Schade, vom ehemaligen 2. Infanterieregimente (in Freiburg). Die Angabe seiner verbrecherischen Handlungen läßt sich kurz zurückführen auf Hauptanstiftung zur Meuterei beim letzten Aufstande. Schade ward überwiesen, daß er schon seit dem Struve-Putsch einer der ersten, vielleicht der ärgste Wühler unter den Soldaten seines Regiments war; als solcher entwickelte er auch eine lebhafte Thätigkeit beim Anfänge der letzten Revolution. Er war theils Veranlasser der Soldaten« Versammlungen, theils Sprecher in denselben; er bemühte sich in höchst auffallender, unläugbarer Weise die Soldaten seines Regiments abtrünnig zu machen, und für die Dienste der Revo­lution zu gewinnen, wurde dann Adjutant des Bataillons, welches der gewesene, zu 10 Jahren Zuchthaus verurtheilte, Lieutenant Mahler kommandirte, und machte in dieser Eigen­schaft zuerst mehrere unerhebliche Züge im Oberland, dann aber namentlich den Marsch bis nach Bruchsal und in dir bayerische Pfalz mit, aus welcher letzter« er mit dem Bataillon nach Knielingen bei Karlsruhe zurückkehrte und hier, sowie vor der Zernirung von Rastatt in der hiesigen Umgegend sich viel­fache Gelderpressungen aus öffentlichen Kaffen zu Schulden kommen ließ. Es hat einen unangenehmen Eindruck gemacht, daß der Vertheidiger Schades Betheiligung an den Soldaten« Versammlungen, von welchen übrigens vom Regimentskom« mandeur des früheren 2. Regiments abgemahnt wurde, durch die Grundrechte rechtfertigen wollte, indem er nachwies, daß dieselben auch den Soldaten öffentliche Versammlungen gestat­teten. Man konnte schon vom Beginne der Verhandlungen an, namentlich aber bei Anhörung der zwanzig und mehr Zeugen, welche die Anklage mächtig unterstützten, die Ueberzeugung ge, winnen, daß Schade ein Kandidat deS Todes sey. Und wenn auch der Vertheidiger auf die Milde hinwies, welche in Betreff der österreichischen Unterossiziere und Soldaten, die zu den Re­bellen in Ungarn übergegangen waren, gehandhabt worden,

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so mußte Schade, im Vergleich zu den schon gefallenen Opfern be( und im Hinblick auf seine schweren Vergehen, zum Tode ver- Mi urtheilt werden, was einstimmig geschah. ! nek

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Gestern wagten neun Gefangene von einem Vorwerk deS nördlich der Stadt gelegenen FortS B, wo sie unter Bewachung im Freien arbeiteten, zu entfliehen. Drei davon wurden auf der Flucht von den wachthabenden preußischen Soldaten, welche verantwortlich sind, auf der Stelle todtgeschossen, der Werte aber so tödtlich verwundet, daß er heute gestorben ist. Die fünf Andern sind durch den nahen Wald entkommen. Es sind indeß keine besonders gravirten Leute, daher ihr Fluchtversuch unter so gefährlichen Bedingungen nicht leicht erklärlich.

Pirmasens, 7. Sept. Unsere Stadt ist der Schauplatz mörderischer Auftritte geworden. Am 2. September nämlich kam zur Ablösung eine andere Kompagnie des 10. bayerischen Infanterieregiments hierher. Bei einbrechender Nacht wurde davon ein Soldat in seinem Quartiere von einem hiesigen Bürger mit einem Messer in den Unterleib gestochen, so daß in einigen Tagen der Tod erfolgte. Dieser Soldat wird als ein sehr braver Mann geschildert. Aus die Nachricht von diesem Banditenstreiche wurde Generalmarsch geschlagen und die Sol­daten durchliefen in schrecklicher Wuth mit blanker Waffe alle Straßen und hieben auf Jeden ein, der ihnen enigegenkam. Etwa fünfzehn Personen sind an Kopf, Nase, Arm u. s. w. verwundet, zwei todt. Nebst diesen Verletzungen an Personen fielen große Beschädigungen an Mobilien vor. Der Urheber dieser Gräuelszenen sitzt im Stockhause, und da die Pfalz im­mer noch im Kriegszustände sich befindet, so dürfte derselbe vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Eine Deputation hiesiger Bürger begab sich zum Fürsten von Thurn und Taris, um ihn zu bewegen, die Stadt nicht in Belagerungszustand zu er, klären. Früher beschwerte sich die hiesige Einwohnerschaft über zu viel Militäreinquartierung. Kaum ist der größte Theil deS Militärs abgezogen, so erhebt sich die Wühlerei wieder. Keine Stadt hat in der RebellionSzeit einen schrecklicheren TerroriS, muS über die Dörfer auSgeübt, als gerade Pirmasens; die nachlässigen und bornirten Verwaltungsbebörden haben diesen Zustand so zu sagen heraufbeschwören helfen. Alles in der Welt muß verbüßt werden! Die Quartiermacher sind schon angekommen; man spricht von 1000 Mann Einquartierung.

Koburg, 6. Sept. (N. C.) Die hiesige Ständeversamm­lung hat heute mit 12 gegen 5 Stimmen beschlossen, die Ge­nehmigung zum Anschluß des Herzogthums an das Bünd- niß der drei Königreiche nicht zu erth-ilen. Die Majorität war nicht etwa durch großdeutsche oder süddeutsche, sondern

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