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Aassauische Allgemeine Zeitung.

^VZ 2L8. Freitag den O. September 18 40.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- ^ationSvreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Ä ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der è. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Der Ackerbau und die Industrie in Nassau.

Deutschland. Mainz (Neue Schrift des Prof. Hirscher). Frank­furt (Die Zusammenkunft in Teplitz). Mannheim (Unterdrückte Zeitungen). Rastatt (Verurteilungen. Fluchtversuch). Pir- masenz (Blutige Auftritte). Koburg (Der Anschluß an das Drei- königsbündniß abgelehnt). Berli n (Die Friedensunterhandlungen mit Dänemark). Braunschweig (Eine moderne Lady Milfort). Wien

Ernennungen. Die Verhandlungen mit Komorn).

Ungarn. Pesth (Die Bestrafung der Honvëdoffiziere.

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Nachschrift.

** Der Ackerbau und die Industrie in Nassau.

.,. .. _______ . H.

Vom WesterNälbe. ES ist zwar von der Oberfläche be­trachtet denjenigen, welchen kein tieferer Blick in unsere gesell­schaftlichen Verhältnisse und Bedürfnisse zusteht, und die dennoch gerne die Mittel gefunden haben möchten, die vorhandenen sozialen Gebrechen, denen wir einen großen Theil an den neue­sten Zeitbewegungen zuschreiben müssen, zu heilen, nicht zu ver- üblen, wenn sie den sachten, sicheren Gang eines Agrikultur- Staates dem sausenden Getriebe der Industrie verziehen, das ihre Köpfe verwirrt und sie mit Widerwillen und trüben Ahnungen erfüllt. Wer aber Anspruch auf den Namen eines Staatsmannes macht, der sollte nicht mit Vorurtheilen die Wege betrachten, die die Völker nach ewigen Gesetzen gehen müssen, wenn sie die höchsten Stufen der Vervollkommnung, die in der Bestimmung des Menschengeschlechts begründet sind, erreichen wollen.

Diese Bestimmung läßt keinen Stillstand, wenn die Ent­wickelung deS Völkerlebens einen natürlichen Verlauf haben soll, zu und ebenso wie das Jäger- und Nomadenleben bei steigender Bevölkerung keinen Bestand haben .kann und dem Ackerbau Platz machen muß; ebenso kommt auf diesen und mit ihm verbunden, die letzte Phase dieser Entwickelung in der industriellen Entfaltung der Volkskräfte. Wenn es möglich wäre, diesem Naturgange bei uns einen Damm zu setzen, so würden wir mitten in der steigenden Zivilisation zu einem kleinen China werden.

Dieses ist aber zu unserm Glücke nicht zu befürchten, da wir emsig daran sind, die Rückkehr deS Agrikulturstaates un­möglich zu machen; wenn auch nicht schon seit dreißig Jahren von unseren ackernden Staatsmännern durch daö Walten der Naturgesetze, welchen sie unbewußt folgten, alle Wege unbrauch­bar gemacht worden wären, welche uns dahin zurück führen könnten.

Der Agrikultur-Staat ist nämlich seiner geringen Produk­tionsfähigkeit wegen außer Stande, die hohe National-Rente zu erzielen, die zur Erhaltung einer Staatsverwaltung noth­wendig ist, wie wir sie gegenwärtig einzuführen im Begriff stehen. Um diese neue Verwaltung durchführen zu können, ist

die Hülfe der Industrie, welche eine ungleich höhere Protuk, tionskraft besitzt, wie der Ackerbau absolut erforderlich ; während der Agrikulturstaat die einfachsten und wohlfeilsten Formen zu seiner Verwaltung wählen muß.

Ein Widerstreben von unserer Seite, dem industriellen Be­dürfnisse Rechnung zu tragen, müßte uns daher, wie schon be­merkt, doppelt schädlich seyn. Denn wir würden bei dem Zer­fall unseres Ackerbaues und der Unzulänglichkeit der daraus zu erzielenden Rente die Mittel nicht erschwingen können, unser neues Staatsgebäude in bauhaftem Stande zu erhalten und außerdem noch des Zuwachses an Nationalvermögen verlustig gehen, den unsere naturwüchsige Industrie zu produziren im Stande ist.

Die nassauische Regierung scheint in neuerer Zeit nach dem Eintritte in den Zollverein das Bedürfniß gefühlt zu haben, in ihrem Lande etwas für Handel und Industrie zu thun. Die Schiffbarmachung der Lahn und der Hafenbau zu Biebrich, beide für ein so kleines Land kostspielige Unternehmungen, die den Urhebern bisher noch wenig Freude gemacht haben, geben hiervon Zeugniß.

Obgleich wir den Nutzen eines so umfangreichen Werkes, wie der Hafenbau zu Biebrich, nicht einsehen tonnen und'Hn lieber mit der Lahnschiffbarmachung, die ohne Zweifel ihre guten und entsprechenden Früchte tragen wird, zu Lahnstein verbunden gesehen hätten, so läßt sich doch nicht verkennen, daß die Re­gierung hierdurch und namentlich durch die Schiffbarmachung der Lahn den ernstlichen Willen an den Tag gelegt hat, unserer Industrie, die vorzüglich im Lahngebigle wurzelt, zu Hülfe zN kommen. Wir konnten daher der festen Hoffnung leben, daß die einmal durchgebrochene Erkenntniß unserer wahren Bedürf­nisse sich noch mehr Bahn brechen und zu weiterer Berücksich­tigung des gewerblichen Elements führen würde. Diese Hoff­nungen scheinen nunmehr aber weiter als je in den Hinter­grund gerückt zu seyn, da unsere neue Verwaltungs-Organi­sation hierfür keinerlei Garantien darbietet und wir noch dazu befürchten müssen, daß unsere Staatsmaschine durch Kräfte ge­lenkt werden wird, denen die produktive Wechselwirkung der Industrie und deS Ackerbaues bei verständiger Leitung noch nicht zur Erkenntniß gekommen ist. Möchten unsere Befürch­tungen ungegründet seyn! Wir haben dann doch zu einer Zeit diese für unser Land so wichtige Frage zur Sprache gebracht, wo es noch Zeit ist, dem drohenden Verderben mit Erfolg ent­gegen zu wirken.

Deutschland.

A Mainz, 11. Sept. Großen Anklang findet das neueste Schriftchen des berühmten Professor Hirsch erdie kirch­lichen Zu stände der Gegenwart". Der Verfasser spricht sich darin offen für die Reform innerhalb der kathol. Kirche aus, und zeigt, wie gefährlich es sey, die billigen, gerechten Anforderungen der Zeit länger unberücksichtigt zu lassen.

Dem redlichen Katholiken kann es nur erfreulich seyn, wenn ein so ausgezeichneter kathol. Schriftsteller wie Hirscher, dem allgemeinen Verlangen der deutschen Nation nach kirchlicher