berühmte Feldherr wird sich nur einen Tag hier aufhalten. Die Cholera, welche vor wenigen Tagen noch so fürchterlich bei unS wüthete und namentlich im Militârspitale große Verheerungen anrichtete, Har seit gestern bedeutend nachgelassen. Man schreibt diese glückliche Aenderung dem plötzlich eingetrc- tenen Temperaturwechsel zu.
Ungarn.
Preßburg, 5. Sept. (A. Z.) Gestern Abends war viel Gedränge in den Straßen und auf den Plätzen, die feierliche Beleuchtung der Stadt kündigte ihren Bewohnern ein freudiges Ereigniß an. Man erwartete Haynau. Aber erst kurz vor Mitternacht kam er bei hellem Mondenschein auf dem Dampfer dahergefahren. Am Ufer stand eine große Volksmenge die ihn mit lautem Vivat begrüßte. Die Musik spielte die österreichische Hymne, und unter freudigem Zuruf empfing der tapfere Feldherr die Deputation der Militär- und Zivilbehörden. Er war heiter und gesprächig. Haben Sie, meine Herren, erwartet, sagte er, daß alles so bald zu Ende seyn würde? Bis auf Komorn wären wir glücklich zum Ziel gelangt, und das wird auch nicht mehr lange dauern. Ich versichere Sie, fuhr er fort, das Volk ist überall gut. Und mit der Nationalitätssucht ists auch nicht weither: die magyarische Armee führte ihre Geschäfte alle deutsch.
Hiesige Kaufleute, welchen kurz vor der Waffenruhe bei Komorn Tabakladungen von großem Werth in die Festung geschleppt wurden, begaben sich selbst dahin um ihr Eigenthum vom Kommandanten zurückzuverlangen. Sie kehrten soeben aus der Festung zurück, und erzählen übereinstimmend, daß darinnen nichts weniger als eine gedruckte Stimmung herrsche; Geld, auch österreichisches, sey zur Genüge vorhanden, und von den aufgestapelten Vorrâthen werden fortwährend Verkäufe an Privatpersonen veranstaltet; erst im Laufe dieser Woche seyen 2000 Eimer Branntwein zu einem geringen Preise abgelassen worden. Vor einem Bombardement zittere man höchstens in der Stadt. Es gebe noch immer einzelne Verblendete die noch von einer englischen oder türkischen Jnter- ventation träumen. Den Kaufleuten wurde, da sie Dokumente beibrachten nie an die kaiserliche Armee geliefert zu haben, ihre Waare ohne Anstand zurückgestellt.
Italien.
Mailand, 8. Septbr. Gestern sprach man von einem Kourier, der solgende Ernennungen von Wien gebracht hat: Radetzky zum Luogotenente del Règno (Reichsstatthalter), Heß zum Kriegsminister nach Wien, Schönhals zum Kommandeur in der Lombardei. Die Charge eines Vizekönigs fiele also ganz weg. Wichtiger ist, daß die Cholera keine Fortschritte im Zivil macht, und auch im Militär zeigen sich nur wenige Fälle. (N. Z. Z.)
Venedig, 3. Sept. (D. Z.) Es klingt fast unglaublich, ist aber gleichwohl vollkommen wahr, daß Venedig, so lange eS unter österreichischer Herrschaft ist, nie so ruhig war als gegenwärtig. Auch nicht eine Spur revolutionären Geistes konnte ich bisher entdecken; man müßte denn dahin rechnen, daß gestern Abend, als österreichische Militärmusik vor der Hauptwache zu spielen anfing, zwei Jungen ein klein wenig pfiffen. Der alte Radetzky hatte es auch sogleich los, daß die Venetianer ein ganz anderes Volk sind als die Mailänder, denen das Tumultuiren schon seit Barbarossa'S Zeit im Blute liegt. Kaum war der greise Marschall sogleich nach erfolgter Uebergabe hier eingetroffen, hörten alle strengen Maßregeln auf und von dem Belagerungszustand ist weniger zu spüren als in Wien. In Wien ist für Jedermann der StephanSthurm verschlossen: der Zutritt zum MarcuSthurm ist Jedem ohne Unterschied gestattet. Hatten sich die Venetianer am 27. August darauf gefaßt gemacht, wenigstens 1 Jahr lang um 10 Uhr! die Abendpromenade auf dem MarcuSplatze abbrechen zu müssen, so wareu sie nicht wenig erstaunt, schon am 28. auf einer, großen Proklamation angeschlagen zu finden, daß sie „ihres
guten Verhaltens wegen" bis zur gewöhnlichen Stunde spazieren gehen dürfen. Die Gazzetta di Venezia, deren rascher Häutungsprozeß sich ebenso komisch ausnimmt, wie die Metamorphose der Gazetta di Milano nach der Schlacht von Custozza, mag wohl Recht haben, wenn sie meint, Radetzky werde zufrieden mit den Venetianern nach Monza zurückgekehrt seyn. Symbole radikalen Grolles, Trutzgesichter mit entsetzlichem Bart, wie man ihnen in Berlin, in Wien begegnet, habe ich nirgends wahrgenommen. Die Hauptbeschäftigung besteht darin, Lebensmittel ans Land zu schaffen und sich wieder satt zu essen.
Großbritannien.
London, 6. Sept. (A. Z.) Als ein Beweis von der argen Noth des irischen Landvolks wird angeführt, daß unlängst in Dublin 150 Eselshäute aus der Graffchaft Mayo in Dublin eingeführt wurden. Die Bauern hatten das Fleisch dieser Thiere verspeist.
Portugal.
Lissabon, 29. Aug. (A. Z.) ES ist beschlossen, daß Karl Alberts Leiche nach Turin geführt werden soll; dieselbe wurde also 48 Stunden nach erfolgtem Tode einbalsamirt, jedoch Aerzte und Chirurgen hatten in dieser Kunst zu wenig Erfahrung, als daß ihnen die Injektionen zum erstenmal sogleich geglückt wären, sie mußten deßhalb mehreremal wiederholt werden; jetzt hofft man, daß sie sich längere Zeit erhalten werde. Ein Kriegsschiff wird sie abholen, daS Wann ist nicht bestimmt, indessen wurde sie in der Kapelle von San Vicent auf der Südseite der Halle der Kathedrale beigcsetzt, wo sich die Grabstätten der Bischöfe von Porto befinden. Der äußere Sarg, dessen Deckel bis zur Ueberlieferung der Leiche an das Domkapitel offen erhalten wurde, besteht aus Mahagonyholz, der innere aus Blei mit einer Glasscheibe, durch welche man-titt» Angesicht beobachten konnte. Der äußere Sarg wurde nach der Ueberlieferung mit vier Schlüsseln verschlossen, von denen zwei in den Händen des Domkapitels und zwei in den Händen des sardinischen Geschäftsträgers blieben. Auf dem Sarge liest man folgende Inschrift: „Carlo Alberto di Saboia; Re abdicatorio di Sardegna; Nacque li 2 Ottobre 1798; Sali al Trono li 27 Aprile 1831; abdico a Novam li 23 Marzo 1849; mori in Porto (Portogallo) li 28 Juglio 1849 nel- l'etâ di anni 50, mesi 9, giorni 27.“ Während dreier Tage nach seinem Tode wurden in allen Kirchen der Stadt für ihn Messen gelesen und Almosen auSgetheilt, nicht weniger als zum Betrag von einem Gulden jede Gabe, außerdem wurden auch einige Summen an fromme Stiftungen in der Stadt verabreicht. Der Sarg Karl Alberts steht mitten in der Kapelle und ist mit einer reichgalonirten rothsammtnen Decke behangen. Während der drei Tage brannten 12 Wachskerzen um denselben und 18 andere an den Wänden. Auf dem Sarge lag ein weißseideneS galonirtes Kiffen mit der Königskrone und dem Szepter. Jeden Morgen wurde während der drei Tage in der schwarzbehangenen Kapelle zehn Messen von Mitgliedern des Domkapitels gelesen und eine durch den Kaplan Sr. verstorbenen Majestät, der jedesmal der sardinische Geschäftsträger beiwohnte in großer Uniform, sowie die Diener in Trauerkleidern.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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