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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^N 217. Donnerstag den 13. September 18419.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und KurfürstenthumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes S fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 ft. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der è. Schellen­der g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Die Lage Europa's.

Ein Brief Louis Napoleons. Deutschland. Winkel (Prof. Hofmanns). Frankfurt (H. v. Gagern. Der Meßverkehr. Die Deutsche Zeitung. Obermüller). Gieß en (Vogt als Wahlkandidat). Rastatt (Die Gefangenen. Die Todesurtheile). Wien (Der Herzog von Nemours. Metternich. Prä- ventivzensus in Krackau. Das Haus Rothschild. Tagesbefehl des Kaisers von Rußland).

Schweiz. Bern (Die deutschen Flüchtlinge).

Ungarn. Pesth (Die Generale Roth und Philippovich).

Amtlicher Theil.

Dem provisorischen zweiten Lehrgehülfen Courtial in Schierstein ist die dasige Lehrgehülfenstelle definitiv übertragen worden.

Der Kandidat Brachel von Holzhausen ist zum Pfarr­vikar zu Arnoldshain ernannt worden.

Lehrvikar Kessel zu Niedergladbach ist zum Lehrer in Hübingen ernannt, und dem bisher mit Versetzung der Schule daselbst beauftragt gewesenen provisorischen Lehrvikar ZirvaS die Lehrvikarstelle in Niedergladbach in provisorischer Eigenschaft übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

** Die Lage Europas

Vom Westerwalde. Die widerwärtigen Streitigkeiten auf dem Gebiete der Handelspolitik, welche lange auf dem Papiere geführt, die öffentliche Meinung im Schwanken erhielten, schei­nen zu Gunsten des nationalen Prinzips entschieden werden zu sollen, wodurch die englische Politik gegen Deutschland eine bestimmtere Richtung annehmen wird. Die britische Industrie ist eine eiternde Wunde in dem Völkerleben der Erde fie droht den Wohlstand aller Völker und dann sich selbst zu ver­schlingen. So stolz und mächtig.jetzt noch die britische Flagge auf allen Meeren weht; so sicher ist es, daß sie dem unwider­stehlichen Streben der Nationen, sich von den Fesseln zu be­freien, die die englische Handelspolitik und industrielle Supre­matie ihnen so lange angelegt hatte, sein Recht einräumen muß. Es bedarf keiner Kriege gegen England, um seiner Macht wieder ihren richtigen Platz anzuweisen, sondern nur der Durchführung einer nationalen Handelspolitik dieser Macht gegenüber sie wird dann von selbst auf das richtige Maaß reduzirt werden.

Wir wollen damit nicht sagen, daß England zu Deutsch, land in Folge einer nationalen Handelspolitik in ein gespann, tes Verhältniß kommen könnte oder müßte; denn wir haben mit England noch zu viele Belange von Wichtigkeit und gegen­seitigem Interesse zu pflegen: wohl aber müssen wir mitRecht befürchten, daß die HandelS- und Gewerbskrisen, welche sich in dem britischen Reiche unaufhaltsam und immer häufiger und gewaltiger folgen, solche Störungen und Veränderungen im allgemeinen Weltverkehr und den Machtverhältnissen der Dinge herbeiführen können, die unseren Wohlstand und nationalen Fortschritt auf's Ernstlichste zu bedrohen im Stande sind.

England selbst geht für sich einen Weg, der eS ins Ver, derben stürzen muß, den cs aber auch kaum verlassen kann. Seine Industrie, die alle Grenzen des eignen Bedarfs riesen­mäßig überschritten und die Zahlungskraft fast aller Nationen verschlungen hat, mit denen sie in Verkehr trat, und welche sich nicht früh genug von dem furchtbaren Polypen zu befreien wußten, drängt das britische Reich sichtlich nach einem boden- losen Abgrunde hin.

Befolgt Deutschland nach seiner politischen Wiedergeburt eine nationale Handelspolitik, so werden auch noch andere Veränderungen in dem Staatensystemc Europas eintreten müs­sen, die sich vorzüglich auf Holland, Belgien und bk Schweiz beziehen. Es ist nämlich kaum abzusehen, wie namentlich die beiden Staaten an den Mündungen des Rheins der Anzie- Hungskraft werden widerstehen können, die ihr deutsches Hin, terland in diesem Falle auf sie ausüben muß. Sie werden sich beide an der großen Föderation beteiligen müssen, wenn sie nicht zu Grunde gehen wollen. Der Anschluß der Hanse­städte an den preußischen Bund ist hierzu schon ein Vorspiel und hat außerdem für die nächsten Interessen Deutschlands eine Tragweite, die mit der territorialen Bedeutung dieser Städte in keinem Verhältnisse steht. Diesen bedeutungsvollen Beschluß möchten wir als die wahre Morgenröthe deutscher Einheit be­grüßen.

Wenden wir unsere Blicke auf unsere Nachbarn in Frank, reich, so sehen wir die guten Elemente in diesem Lande zu einer Stärke und Einigkeit herangedeihen , die uns eine haltbare Bürgschaft für dessen Zukunft und friedliches Verhalten dem übrigen Europa gegenüber geben könnte, wenn wir nicht ge­zwungen wären, dieses schöne Land als den Schauplatz der unerwartetsten und keiner Berechnung zugänglichen Ereignisse zu betrachten.

Frankreich ist wohl der, zu einer kräftigen nationalen Entwicklung, in jeder Beziehung, bestinstruirte Festlandstaat in Europa und dennoch sahen wir, daß er nicht im Stande ist, sich eine dauerhafte Regierungsform zu geben, wodurch er das übrige Europa beständigen Erschütterungen auSsetzt. Heute steht Frankreich mit den übrigen Mächten in gutem Einver­nehmen und sucht daS alte, morsche Gebäude deS europäischen Staatensystems zu stützen morgen wälzen sich die entfessel­ten Elemente seinen sozialen Gebrechen mit zerstörender Wuth über seine Nachbarn. Frankreich ist als großer mächtiger Staat in Europa am unrichtigen Orte. Es kann weder auf der Land- noch auf der Sceseile seinen übersprudelnden Kräften einen angemessenen Wirkungskreis verschaffen und deßhalb ist