gebens! Sechs Bänke wurden herbeigeschleppt, und die Ere- kution beginnt unter furchtbarem herzzerreißendem Geheule. Die meisten Zuseher zerstreuten sich; denn daS Unglaubliche mit anzusehen, ja spottend und höhnend auf die unglücklichen Opfer zu deuten, war wohl nur einigen Individuen, die wir nicht näher bezeichnen wollen, möglich. Ein junger Mann von weichlicher Körperbildung war vergebens niedergekniet. Kaum war der erste Streich gefallen, so stürzte er von der Bank herunter. Beim zweiten Streiche widerfuhr ihm dasselbe, worauf ihn zwei Soldaten faßten, und mit Gewalt auf die Bank schleuderten, daß er wie ein Klotz steif und halb todt dort liegen blieb. Kavaleriepatrouillen und Gendarmen zogen fortwährend aus und nieder; kein Italiener wagte sich in die Nähe. Etliche Neugierige aus der gemeinsten Bolksklaffe waren auf Karren gestiegen, um zuzusehen; auch sie zerstieben, als sie auf der vor dem Kastell liegenden Fläche Kanoniere mit brennenden Lunten erblickten. Am nächsten Tage wurde für 150 Lire Eis in die Rochella geschafft; die Bestraften wurden entlassen, verschwanden aber sämmtlich aus Mailand."
Der Lloyd sagt: Das Ministerium Brandenburg-Manteuffel mit dem letzten Dutzend seiner „rettenden Thaten" goß eine tüchtige Quantität kalten WafferS auf unsere kleindeutschen Köpfe, und wir sind ihm für den Liebesdienst zur Dankbarkeit verpflichtet. Die Cur ist eine wirksame gewesen. Sie hat daS kleindeutsche Fieber vertrieben. Preußen will jetzt einem Bedürfnisse deS Augenblicks genügen, Oesterreich aber einem Bedürfnisse der Weltgeschichte. Preußen will die Macht seiner Dynastie vergrößern, Oesterreich aber^die Macht der Zivilisation befestigen. Wenn das HauS Hohenzollern zur Einsicht gelangt, daß es seine rein dynastischen Zwecke nicht erreichen kann, so wird es nach Dem streben, was eS erreichen kann, und damit ist ein großer Schritt geschehen. Der Versuch, den Preußen jetzt macht, wird mislingen. DaS Interesse deS HauseS Hohen, zollern muß in die zweite Linie zurücktreten, bevor die Herstellung eines einigen Deutschlands möglich werden kann. Frankfurt feindete, Berlin feinvet Oesterreich an, und an diesem Hasse ist das deutsche Parlament gestorben, an diesem wird das preußische Parlament verscheiden. Oesterreich aber ist freundlich, obgleich ganz und gar nicht unterthänig gegen Preußen gesinnt.
** Der Ackerbau und die Industrie in Nassau.
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Vom Westerwald. Wir stehen gegenwärtig an dem An- fange eines neuen Abschnittes unserer Entwickelung, weßhalb es nicht uninteressant seyn wird, einen Blick auf die Verhältnisse zu werfen, die dieser Entwickelung als Unterlage und als bewegendes Element dienen sollen.
In einem so kleinen Lande, wie Nassau, wo sich daS staatliche Leben fast mehr um Personen, als großartige politische Fragen bewegt, und wo die Interessen der verschiedenen produktiven Klassen so eng zusammen gedrängt sind, ist dieses zwar leicht; aber es ist auch bei uns noch der dicke Nebel von Vorurtheilen zu zerstreuen, der sich im Laufe der Zeit durch den theoretischen Kampf auf dem Gebiete der materiellen Interessen gebildet hat, ehe wir hoffen können, daß von Seiten unserer Staatsmänner den natürlichen Bedürfnissen unseres Landes Rechnung getragen werde. Wir glauben nämlich zu der Befürchtung berechtigt zu seyn, daß die ererbten Ansichten von dem nassauischen Agrikulturstaate noch tiefe Wurzeln haben und daß wir noch weit davon entfernt sind, auf jachgemäße Förderung einer naturwüchsigen Industrie, wozu unser Land seiner Lage und natürlichen Reichthümer wegen, volle Berech- tigung hat, rechnen zu können.
Wir wollen uns nicht damit beschäftigen, zu untersuchen, wie der idyllische Traum deS nassauischen AgrikulturstaateS, den grade die Verkehrtheit unserer Staatsmänner unmöglich gemacht hat, hätte verwirklicht werden können; sondern nur eine Prüfung unserer ackerbauUchen Verhältnisse, wie sie bestehen, vornehmen, um darzuthun, daß wir grade dahin streben müssen, durch Förderung, der Industrie daS wieder zu gewinnen, waâ durch falsche Behandlung der ackerbaulichen Verhältnisse verloren gegangen ist
Könnten wir nur unsern juristischen Staatsmännern, die sich so schwer von der einmal liebgewonnen Idee trennen können, in der Mehrzahl unserer Gemarkungen und Dörfer, die die Träger dieses AgrikulturstaateS seyn müßten, herumführen, wo aus der grenzenlosen Zersplitterung des Bodens und dem Erstehen von Wirtschaftsgebäuden der kleinlichsten Art der Zustand unsres Ackerbaues auf bedauernswerthe Art hervorleuchtet: so würden sie bald begreifen, daß entweder dieser Zersplitterung durch die kräftigsten in unserer Zeit gar nicht ausführbaren Mittel Einhalt gethan, ober daß einer über die Sphäre der ackerbäulichen Produktivität hinauswachsenden Bevölkerung durch die Beihülfe der Industrie wieder eine solide Unterlage der Lebsucht gegeben werden müßte.
Wir sind hoffentlich über die Zeiten hinaus, wo der Wohlstand und die Solidität eines Staats nach der Anzahl der Bewohner geschätzt wurde und können wohl mit Recht von unseren Staatsmännern erwarten, daß sie die Quellen des staatlichen Wohlbefindens und Gedeihens nicht in einer s. g. ackerbauenden Bevölkerung suchen, die zum großen Theil nicht so viel aus ihrem Grundeigenthume produzirt, als sie zu ihrem eignen Lebensunterhalte bedarf. Wohl aber müssen wir dem Glauben Raum geben, daß es eingesehen werde, wie diese ackerbautreibenden Proletarier, eher ein schädlicher als ein nützlicher Faktor im Staatswesen sind; da der Ackerbauer nur dann für den Staat als produktiv wirkend angesehen werden kann, wenn er durch Mehrerzeugung über seine eignen Bedürfnisse nicht allein die Befähigung erhält, die Anforderungen zu erfüllen, die der Staat an ihn stellen muß; sondern auch in Kraft dieser Ueberproduktion im Stande ist, seine sonstigen Bedürfnisse einzutauschen und dadurch zugleich die Mittel liefert, denjenigen Theil der Staatsbevölkerung, welcher keinen Ackerbau treibt, mit hinreichenden Lebensmitteln nachhaltig zu versorgen. —
Wir müssen leider die Behauptung aufstellen, daß dieses nachhaltige Versorgungsvermögen unserem Ackerbau schon abgeht, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben, und daß in Folge der großen Zersplitterung deS Grundeigenthums es sehr schwer werden wird, den Ackerbau solchen kräftigen Verbesserungen zugänglich zu machen, daß er diese Befähigung wieder erlange. Wir können nämlich eine der wichtigsten Verbesserungen, die unser Ackerbau im Verlaufe der jüngeren Zeit erfahren hat, das noch in Ausführung begriffene Konsolidations- jystem, als durchaus nicht zureichend erachten, dem sichtlich einreißenden Ruin unseres Bauernstandes zu wehren; da eS wohl aus einige Zeit wieder das Hauptbedürfniß des Ackerbaues, größere und wohlgelegene Parzellen, herstellt, aber dieses auch nur auf einige Zeit , denn mit jedem neuen Erbfall wird bei der fortwährend steigenden Bevölkerung der Grundbesitz wieder auseinanvergerissen, und trotz aller Gegenverordnungen faktisch in Atome getheilt.
Unter diesen Umständen kann doch wohl nichts rathsamer seyn, als zumal die natürlichen Reichthümer, welche das Innere unseres zum Welthandel so wohlgelegenen Landes birgt, womit auch zugleich unsere Wald- und Felbprodukte eine höhere Verwerthung finden, in den Kreis unserer Betriebsamkeit zu ziehen und vermittelst derselben den Theil der Bevölkerung unseres Landes, welcher im Ackerbau seine Kräfte nicht nutzbar machen kann, produktiv zu beschäftigen.
Wir sind hiermit keineswegs gemeint, eine künstliche Industrie in'S Leben rufen zu wollen, die zur Erzeugung eines zahlreichen Arbeiterproletariats und all den Gebrechen führen könnte, die auf auswärtigen, allen Schwankungen deS Weltverkehrs ausgesetzten Absatz basirt wäre; sondern nur auf unser eigenes, im Sinne der politischen Neugestaltung Deutschlands liegendes Bedürfniß. Diese Neugestaltung gibt uns nicht allein die Berechtigung, sondern auch sogar die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß unsere natürlichen Schätze zum Nutzen unseres engeren und weiteren Vaterlandes möglichst zugänglich gemacht werden — und sollten unsere Staatsmänner, statt sich mit der unausführbaren Idee eines nassauischen AgrikulturstaateS herumzutr-gen, ihren daraus hervorgehenden Widerwillen gegen eine naturgemäße und jedenfalls nützliche Industrie fallen lassen, und noch bei Zeiten die Hand dazu bieten, zur kräftigen Entfaltung einer Industrie mitzuwirken, die unserem Lande nicht sowohl einen großen und nachhaltigen Erwerb sichert, als auch Deutschland wesentlich von der Abhängigkeit gegen daS Ausland befreien helfen wird, die unserer nationalen Entwickelung und der Hebung unseres Wol- standes bisher so hinderlich gewesen ist. '