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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

«M 214L Sonntag den N. September L8LN

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang deâ HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstentums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungâgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelle«- herg scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der neue deutsche Reichstag.

Deutschland. Kassel (Die Südbahn). Aus Baden (Die Todes­urtheile). Freiburg (Die demokratischen Flüchtlinge und der ultra­montane Adel). Berlin (Vergleichende Kostenberechnung über das Militär in verschiedenen Staaten). Stettin (Kosaken auf preußi­schem Gebiet). Breslau (Großfürst Michael). Schleswig- Holstein (Dänische Uebergriffe). Flensburg (Dänische Offiziere bei den schwedischen Truppen). W i»n (Peterwardein hat fich ergeben. Die Uniformiruiig. Die sardinische Kriegsentschädigung. Reise des Kai­sers nach Triest. Der Herzog von Nemours).

Ungarn. Preßburg (Anstalten zur neuen Belagerung von Komorn).

Der neue deutsche Reichstag.

viu.

Longe dispersi jactamur gurgite vasto.

Virgil.

f Vom nördlichen Taunus. Der würtembergische Mi­nister Römer sagt in seiner bekannten Erklärung vom 29. Aug. I. I.:Gewiß ist es das wohlverstandene Interesse Deutsch­land's, daß ein Oesterreich ein Bruder im Bundesstaat sey, nicht blos ein Freund im Föderativstaat. Und würde es, aus­geschlossen auS dem Bundesstaat, ein aufrichtiger Freund seyn? Nein! Es würde den Ausschluß nie verschmerzen und bei je­der Gelegenheit zu zeigen suchen, was man durch sein Auf- geben verscherzt habe. Keine Frage, daß es für die Einheit Deutschlands besser wäre , wenn nur Eine Macht bleibend an der Spitze stünde. Da sich aber weder Preußen Oesterreich, noch Oesterreich Preußen unterördnen wird, so gebietet die Klugheit, von zwei Uebeln das geringere zu wählen, und das geringere ist nach meiner Ueberzeugung der Beitritt Oesterreichs in den Bund, selbst mit der Zugabe eines mit bestimmten At­tributen ausgestatteten Fürstenhauses, als dessen Vorstand al- ternirend Preußen und Oesterreich aufgestellt würde, und selbst mit Beseitigung des von Oesterreich verworfenen Prinzipes der Personal-Union. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß sich Oesterreich in eine Theilung der Reichsvorstandschaft mit Preußen fügen würde. Sollte nun Preußens König, sollte die preußische Nation weniger hochherzig und weniger patrio­tisch seyn als Oesterreich? Zwar läßt sich nicht verkennen, daß Preußen durch das Aufgeben seiner preußischen Selbst­ständigkeit größere Opfer bringen würde, als Oesterreich, weil dieses wegen seiner nicht-deutschen Provinzen immerhin eine, selbstständige europäische Großmacht bliebe; allein wenn man auch auf den Ehrenpunkt ein so großes Geivicht legen und wenn man auch keine Rücksicht darauf nehmen will, daß, so ange Oesterreich nicht beitritt, Preußen allein an der Spitze ieht, so läßt sich doch nicht verkennen, daß sich, letzteres jeden- allö nicht in dem Grade aufgibt, um nicht ein vorherrschendes Übergewicht zu behalten. Aber der Beitritt Oesterreichs ist nicht nur durch die Interessen Deutschlands geboten, sondern Süddeutschland ist hierbei ganz besonders betheiligt. Die Sym-

pathieen Südöeutschlands sind mehr für Oesterreich als für Preußen. Geschichte, Religion, Aehnlichkeit der Volkscharaktere machen dieses erklärlich. Auch die materiellen Interessen Süd- deutschlands verlangen eine engere Verbindung mit Oesterreich. Denn der mit den Meeren zusammenhängende Norden ist mehr auf den Handel angewiesen, dem Schutzzölle hinderlich find, der Süden dagegen mehr auf die Fabrikation, welche, so lange sie nicht gehörig erstarkt ist, ohne Schutzzölle nicht gedeihen kann."

Die Zumuthungen, welche hier für Preußen gemacht wor­den, sind wahrhaftig stark; es solle, um es kurz zu sagen, eben weil es deutsch, ganz deutsch ist, weil eS sogar feine beiden äußersten Provinzen, welche früher noch außerhalb des deutschen Bundes standen, und worauf Preußens Stellung als euro, päische Großmacht beruhte, bereits feierlich dem ganzen Deutsch­lande einverleibt hat, auch noch weiter alle seine Selbstständig­keit opfern; es soll, nachdem cs aufgegangen ist in und für Deirtschland, als Großmacht unlergehen, und dafür Ersatz in einer alternircuden Stellung mit Oesterreich erhalten. Oester- reich dagegen, welches nichts hat in und für Deutschland auf# gehen lassen, welches sonst noch kein Opfer für Deutschland, für deutsches Wesen und für die Pflege des deutschen Geistes gebracht hatte, welches als Großmacht Europa's bestehen bleibt, soll unverdient so theilen mit Preußen! Römer appellirt an die Hochherzigkeit des Königs von Preußen und der preußi­schen Nation, um dieses Opfer der Selbstverläugnung zu dem Untergange der bisherigen politischen Stellung freiwillig zu bringen. Warum appellirt er nicht lieber an die Hochherzigkeit des Kaisers von Oesterreich und seines Volkes, um die An­sprüche auf Allernation fallen zu lassen, da Oesterreich doch nicht ganz deutsch ist durch seine wenigen deutschen Provinzen, da es außerdem nicht feine Stellung als Großmacht aufzuge- ben hat, und da es für deutsches Wesen bisher das noch nicht leistete, was Preußen vielfach gethan hat?

Uns scheint bei Römer innerlich keine recht volle Ueber­zeugung dessen zu herrschen, was er vorbringt ; er spricht auch offen, daß er noch nicht mit sich abgeschlossen habe, daß er zu- warten wolle, bis Oesterreich endgiltig gesprochen haben werde, was jetzt möglich sey nach Beendigung des Kampfes. mit Ita­lien und Ungarn. Was er von der Verschiedenst d.er ch^el-' hing des Adels in Würtembcrg und Preußen sagt, scheint unF- eben auch kein Gewicht in der Waagschale zu seyn. Dench entweder behalten die Einzelstaaten Einzelnes^ was dem Gan­zen keinen Eintrag thut, oder dem Gansen mMen einige Opfer gebracht werden. Mulhet doch Römer dem preußischen Staate so große Opfer für seine österreichischen Sympathien zu! Auch scheint uns Römer die Fabrikation der preußischen Provinzen im Ganzen viel zu gering anzüschlagen.

Oesterreich ist und bleibt dèrusch , das Katsinet', die Dy-, nastie kann und wird die deutsche Abkunft nicht verläugnen; . die Monarchie Oesterreichs, wie sich auch ihre' âre Zenirali- sation gestalten möge, von welcher R ü m-e r^ voMr Mch»ein föderatives Prinzip burchgefschrl.zu sehen hofft, wird uiiL mW" das deutsche Element als .BilduügS-Ferment für immer fest halten. Die Union, in welche Oesterreich zu Deuischland treten soll, gibt, nach ven vorsichtigen Paragraphen der jetzt