Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^ 213. Samstag de» 8. September L8LS
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrasschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- herg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die öffentliche Sicherheit.
Deutschland. Wiesbaden (Erklärung gegen den Abg. Snell). — Hachenburg (Die Geschwornen). — Koblenz (Unglücksfall). — Darmstadt (Ratifikation des Anschlusses an den Dreikönigsbund). — Köln (Urtheil des Appellhofes in Bezug auf die Theilnahme an dem Stuttgarter Rumpfparlament). — Hannover (Die nächste Ständver- sammlung). — Oldenburg (Auflösung des Landtags). — Berlin (Gabriel Rieffer. Die Großfürstin Helene. Die Friedensunterhandlungen mit Dänemark) — Wien (BanuS Jellacic dichtet wieder. Peterwardein soll kapitulirt haben. Weitere Hinrichtungen eingestellt). — Brünn
(Oesterreichische Truppen nach Vorarlberg).
Schweiz. Bern (Polizeiwillkür. Denkmal).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Galizien. Krakau (Furcht vor einer Abtretung an Rußland).
Die öffentliche Sicherheit.
□ Hadamar, 4. Sept. Die gewaltsamen Diebstähle sind in hiesiger Gegend in fortwährendem Zunehmen begriffen; so wurden in der Nacht vom 30. auf den 31. v. M. einem Krämer zu Möllingen mittelst Einbruchs durch die Wand seines Hauses eine bedeutende Quantität Waaren sowie eine Summe Geldes gestohlen; um dieselbe Zeit wurde auch in die Kirche zu Frickhofen eingebrochen.
Werden gewisse Volksabgeordnete, die in der Einführung einer ihrem Zwecke entsprechenden, also auch mit den erfordere lichen Befugnissen gesetzlich ausgerüsteten Gensd'armerie den Todesstoß für alle Volksfreiheit zu erblicken vorgaben, noch die Kühnheit haben, zu behaupten, die öffentliche Sicherheit befinde sich bei uns in einem so erfreulichen Zustande, daß wir eines solchen Instituts nicht bedürften, während aller Orten das Volk in seinen heiligsten Gefühlen durch die frevelhaften Kirchen- raube verletzt, und dem fleißigen Bürger jede Freude an seinem Erwerbe vergällt wird durch die Ungewißheit, ob nicht über Nacht die Früchte seines Fleißes dem ersten besten Gauner zufallen werden? Oder beabsichtigen vielleicht gewisse Herren diese Bestrebungen zur Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen Kapital und Arbeit zu befördern?
*f Aus dem Kreisamtsbezirk Höchst, 6. Sept. Nicht blos in dem nördlichen Theile des Landes haben sich, wie wir aus Ihrem Blatte ersehen, die Verbrechen gegen das Eigenthum, namentlich aber gewaltsame Diebstähle, auf eine früher nie erhörte Weise vermehrt, sondern auch von der hiesigen Gegend gilt leider ganz dasselbe. So sind namentlich in den Monaten Juni, Juli und August in den Kapellen bei Kriftel und Sossenheim, Cronberg, Weilbach und BommerSheim Dieb, stähle mittelst Einbruchs und Einsteigens verübt worden. Daß die hierüber eingeleiteten Untersuchungen irgend eine Spur der Thäter ergaben, davon verlautet nichts, auch findet dies Jeder
mann ganz natürlich, da es in unserm Lande dermalen an obrigkeitlichen Anstalten zur Verhütung von Verbrechen ganz und gar fehlt, namentlich die neu gewählten Bürgermeister sich ebenso unfähig in der einen wie in der andern Beziehung gezeigt haben, und die Wirksamkeit der Kreisbeamten auf dieselben gleich Null ist.
Mit der größten Besorgniß sieht man deßhalb dem Her« annahen des Winters entgegen, in welchem sich natürlich die Beweggründe zu derartigen Verbrechen verzehnfachen werden, auch die Verwegenheit der Diebe durch ihre so gut wie gesicherte Straflosigkeit auf den höchsten Gipfel gesteigert werden wird.
A Baffenheimische Standesherrschaft , 5. Sept. Die Beraubung der Kirchen hat nun auch im Amte Usingen ihren Anfang genommen. In der Nacht vom 26. auf den 27. August find in der Kirche zu CranSberg ein Ciborium, ein silberner Kelch mit der Patene, eine Schüssel von Zinn gestohlen worden. Das Herzogliche Justizamt von Usingen hat am 27. August die Voruntersuchung eingeleitet und an Ort und Stelle Einsicht genommen. Möchte es den Behörden gelingen, dieser Diebesbande endlich auf die Spur zu kommen.
Deutschland.
O Wiesbaden, 6. Septbr. Da der Abgeordnete Herr Pfarrer Snell von Langenbach im zwölften Wahlbezirke- (WieSbaden-Hochheim) gewählt worden ist, so könnte cs scheinen, daß dessen Ansichten auch die Ansichten der Mehrheit des Volks in genanntem Wahlbezirk seyen, und die öffentliche Mei, nung irre geleitet werden.
ES zirkulirt deßhalb eine verwahrende Erklärung unter der hiesigen Bürgerschaft, des JnhalrS:
„Zur Verhütung eines Mißverständnisses in der öffentlichen Meinung erklären die unterzeichneten Bürger deS zwölften Wahlbezirks (WieSbaden-Hochheim) hierdurch, daß sie mit den von dem Herrn Abgeordneten Snell bezüglich der Deutschen Frage, resp. Steuerverweigerung, in der Ständesitzung vom 21. Juli 1849 ausgesprochenen Ansichten nicht übereinstimmen."
Diese Erklärung ist schon mit einer Menge Unterschriften der umsichtigsten Männer bedeckt und wird ohne Zweifel noch so viele weitere Unterschriften erhalten, daß Herr Snell mit einigen wenigen Ultrademokraten allein steht. Er, der so sehr gegen Oktroyirung ankämpft und dieses Fremdwort überall zur Anwendung zu bringen sucht, wird hiernach selbst als ein ok- troyirter Artikel erscheinen, waS er freilich zur Zeit der Wahl schon war.
** Hachenburg, 4. Septbr. Gestern wurden dahier zu Geschwornen des Amtes Hachenburg folgende zwölf Männer gewählt: Heinrich Schütz von der Nistermühle, Kaufmann