Ungarn.
In Ungarn verstummt jetzt der Waffenlärm; aber das arme Land hat neue Kämpfe zu bestehen, kaum geringer, als diejenigen, welche seine Pußten und seine Ströme blutig färbten. Nicht auf den Schlachtfeldern zwischen Preßburg und Orsowa — in den kleinen und kleinsten Kreisen entscheidet sich jetzt das tragische Schicksal Ungarns. Die „Koffuth-Noten" find jetzt der böse Dämon dieses Landes. DaS Geld ist verschwunden; überall hat man nur diese unglückseligen Noten, d. h. jetzt —» nichts. Der Wohlstand Ungarns ist auf unabsehbare Zeiten vernichtet; wenn nun gar noch der Besitz der großen Grundeigenthümer konfiszirt ist und das wenige baare Geld in die Wiener Staatskasse hinüberwandert, so ist das Land unrettbar ruinirt. Selbst die loyalsten Oesterreicher haben fast nur Koffuth-Noten: denn daß sie diese annehmen mußten, dafür sorgten die drakonischen Edikte der ungarischen Regierung. Jetzt ist plötzlich alles das Makulatur. Schon erheben sich viele Stimmen, welche rathen, hier so wie gegen Venedig zu handeln und den Noten einen Theil ihres Nominalwerthes zu lassen. Geschieht dies nicht, so wird es entsetzlich, wenn der Winter dieses Volk von Bettlern überfällt.
Die Pesther Zeitung vom 29. Aug. schreibt: Die in Arad aufgefundenen Kisten, in welchen die herausgenommenen Maschinenbestandtheile sowohl der Dampfschiffe als der Lokomotive verpackt waren, sind vor einigen Tagen in unversehrtem Zustande hier eingetroffen. In Folge davon wird nun rüstig an der Zusammenstellung der Maschinen gearbeitet, und soll bereits am 1. Sept., wie man hofft, der regelmäßige Betrieb auf der Pesth-Waizner Eisenbahnlinie beginnen. Die Dampfschifffahrtsagentur kündigt gleichfalls für den 30. Aug. die Eröffnung der Fahrten zwischen hier und Essegg an, welche zwei Mal in der Woche (jeden Donnerstag und Sonntag) stattfinden werden. Die Dampfschifffahrt zwischen Raab, Gönyö, Wien ist schon seit dem 25. Aug. wieder im Gang.
Frankreich.
Paris, 2. Septbr. Da der Präsident der Republik mit dem ihm ausgesetzten Gehalte den mit seinem Stande verbundenen Aufwand nicht bestreiten kann, so hat er vor einigen Tagen zwölf Wagen verkaufen lassen und vierzehn Dienstboten verabschiedet. — Die Regierung beabsichtigt die Anlegung von Manns- und Frauenklöstern in Algier, und hat deßhalb an die Erzbischöfe und Bischöfe Frankreichs die geeigneten Aufforderungen erlassen. — Die dem General Rostolan ertheilten Instruktionen verbieten ihm jedes Eingreifen in die Verwaltung und Politik, und beschränken ihn auf die Handhabung der Ordnung in Rom und die Mannszucht in der Armee.
Italien.
Rom, 22. Aug. (D. Z.) Die Wiedereröffnung der Jagd hat manchen Römer gegen verbriefte und versiegelte Kautionen in den Besitz seiner Doppelflinte zurückversetzt. Doch verbietet ein heutiges Edikt den Pulverhändlern, irgend wem mehr als 12 Unzen Munition, und auch diese nur gegen Einschreibung des Namens und der Wohnung des Käufers, abzulassen. Polizeiliche Plackereien und Kleinlichkeiten dieser Art werden indessen ohne Murren hingenommen; nicht so die scharfen Nachforschungen im Reiche der Gedankenfreiheit und der Strenge gegen die verhafteten Republikaner. Den fürstlich bezahlten Spähern der provisorischen RegierungSkommissson der drei Kardinäle gelang eS gestern, einen lange vergeblich gesuchten Republikaner der röthesten Farbe, Giuseppe Fabiani, mit dem Beinamen Carbonaretto, festzunehmen. Er war Angelo Bru- netti'S (Ciceruacchio's) innigster Freund, Miterfinder aller seiner demokratischen Plane und Helfershelfer bei ihrer Ausführung.
General Oudinot'S Truppen fangen an, sich in Civitavecchia einzuschiffen , um theilweise nach Frankreich zurückzukehren. Er selbst dürfte noch in dieser Woche Rom in gleicher
Abficht verlassen. In den Frühstunden ließ er gestern einen seiner Soldaten auf der Wiese vor Porta Portese erschießen. Derselbe hatte während der Belagerung RomS einen Serge, anten, der ihn hart beleidigte, ins Bein geschossen, dessen jetzt erfolgte Amputation den Tod herbeiführte.
dt o r d a m e r i k a.
Der Monatsbericht der Deutschen Gesellschaft zu Neu- Aork ergibt für den Juni 7621 deutsche Einwanderer in 61 Schiffen, während diese Zahl im Mai 10,964 betrug. Die Mehrzahl der Einwanderer besaß Mittel, um sich im Innern des Landes anzukaufen. Die meisten zogen nach dem Westen und namentlich nach Milwaukie, da die Cholera von Cincinnati nach Sr.-Louis abschreckte, andere gingen nach Philadelphia und Pittsburg. Handwerker und junge Kaufleute sahen sich häufig in ihren Erwartungen getäuscht und mußten zum Ackerbau oder zu Straßenarbeiten übergehen; nur Schuhmacher und Schneider fanden in der Stadt selbst lohnende Beschâf- tigung. (D. Z.)
In den Vereinigten Staaten geht man mit dem Bau einer Eisenbahn vom Michigansee nach dem Stil, len Ozean um, auf der man diese ungeheure Strecke in vier bis fünf Tagen zurückzulegen denkt. Die Neu-Aorker Handelskammer interessirt sich sehr für den Plan und hat den Kongreß um Annahme desselben gebeten.
Die asiatische Cholera.
Die „Karlsr. Ztg." enthält folgende Vorsichts-Anweisung: Während der furchtbaren Cholera-Epidemieen in Rußland in den Jahren 1830 und 31 waren mehrere Spitäler meiner Leitung anvertraut. In diesen, in meiner Klinik oder in meiner Privatpraris sah ich viele Hundert Kranke, und hat die Natur mir anders nicht allen Beobachtungsgessi »eriagrTTo'nhr^^ nothwendig eine nähere Kenntniß ' dieser Seuche erlangen. Darum, Leser, kannst Du meinem Rathe vertrauen. — Herrscht die Cholera, so gehe Deinen Geschäften nach, und kümmere Dich nicht um dieselbe, denn Du bist verloren, fürchtest Du Dich. Bleibe Deiner Lebensweise treu und ändere nichts daran. Iß und trink mäßig; denn Fressen und Saufen bringt den Tod. Kleide Dich warm, fordert es die Jahreszeit oder das Wetter. Suche nach vollbrachter TageSarbeit die gewohnte Zerstreuung im Theater, im Konzert, im Kreise der Freunde. Die angepriesenen hunderttausend Wasch- und Riechmittel schützen Dich nicht, und sind höchstens geeignet, Dir daS Geld auS dem Beutel zu locken, wofür Du besser ein Stück Rindfleisch und ein gutes GlaS Wein kaufst. Eine alle acht Tage ver- mittels Weinsteinrahm (cremor tartari) zu bewirkende gelinde Abführung und jeden vierten Tag ein warmes Seifenbad kann ich Dir nicht genug empfehlen." Hat Dich die Krankheit befallen, so setze Dich sogleich auf einen Stuhl, dessen Sitz, einem Seiher gleich, zahlreiche, ziemlich große Löcher hat, hülle dann Dich und den Stuhl in eine wollene Decke ein, lasse unter denselben ein Becken stellen, das Kamille, Pfeffermünze, Rosmarin, Wachholderbeeren oder sonstige wohlriechende Kräuter enthält, und dieselben mit kochend heißem Weinessig übergießen. Diese würzigen Essigdämpfe stacheln das scheinbar gelähmte Herz zu neuer Thätigkeit auf, daS Blut kreiset rasch in den Adern, und die bisher nicht zu fühlenden Pulse schlagen mit Kraft an die prüfenden Finger des während dessen herbeigerufenen Arztes, der nur selten etwas Anderes zu thun hat, als Dir zur begonnenen Genesung Glück zu wünschen.
Offenburg, 1. Sept. 1849. Dr. Brandeis.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
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Die Expedition der Nafl. Mg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.