Wird die vorhandene Naturverschiedenheit, gleichviel unter welcher StaatSform, von dem Eigennutze geistlicher oder weltlicher Machthaber geflissentlich genährt und vermehrt, statt geeinigt und ausgeglichen zu werden; so entstehen nicht nur dauernde und mächtige Bildungsverschiedenheiten, sondern auch sonst ununterbrochene Streitigkeiten, welche in förmliche Kriege ausarten, die bis zum tödtlichsten Hasse, zu gegenseitiger Vernichtung sich steigern können.
In welchem leiblichen und geistigen Gegensatze der Süden und Norden Europas stand, zeigt uns Leben und Mythologie der griechisch-römischen Völker und der alten Nordländer. So wird aber immer, zumal bei den naturwüchsigen VolkSmassen, in welche nicht höhere Intelligenz einigend und reinigend dringt, der europäische Süden das plastische Naturelement der alten klassischen Zeit darstellen, während der Norden, auf andere Anschauungen gewiesen, sich ebenso ähnelt. Wie der Süden und der Norden Europas das Christenthum aufnahm und mit feinem eigenen alten Kultus klimatisch verschmolz, zeigen unS noch jetzt überall die schwer zu tilgenden Gebräuche und Mißbräuche des Volkes. Welchen verschiedenen Eingang die kirchliche Reformation im Süden und im Norden fand, unabhängig von geflissentlichen äußerlichen Hindernissen, davon ist Europa nicht nur, sondern sogar Deutschland Zeuge.
D e u t s ch l a n d.
* Wiesbaden, 3. Sept. Der Gemeinderath unserer Stadt hat aus der neulich mitgetheilten Kandidatenliste folgende Geschworne für die nächste Assisensitzung ausgewählt:
Adam Volz, Ober-App. -Gerichtsrath Strobel, Goldarbeiter Rohr, Stadtrath PothS, Nikolaus Wörner, Isaak Levi, Goldarbeiter Neuendorf, Professor Dr. Greis, Kanzlist Stahl, Stadtrath Blum, Stabtrath Götz, H. Hammelmann, Obrist Gerau, Bäcker Hildebrand, Kupferschmidt Wörner, Hauptmann Malm, Mebizinalrath Müller, Kaufmann O. Schellenberg, Maurer Birck, Schreiner W. Löw, W. Habel, Gch.-Regierungsrath Emmermann, Kutscher G. Walther, Bauakzessist Fach, Daniel Stuber, Kaufmann Ritzel, Schmied P. Bender, Gemeinderath P. Hahn, Bezirksrath Zollmann, Professor Kirschbaum, Gastwirth Kögler, Gastwirth Albr. Götz, Tüncher Schramm, Goldarbeiter Lu g eu b ü h l, Schreiner Weigand, Lorenz Petry, Wilhelm Knefely, Schreiner Linnekohl, Hoffmann im Europ. Hof, RechtSpraklikant Mühl.
Auf den Dörfern deS hiesigen Kreisamtes gingen folgende Geschworne aus der Wahl hervor: Bernhard May von der Hammermühle, Landwirt!) Friedrich Strikter zu Mosbach, Spediteur Schmölder zu Biebrich, F.-G.-Schöff Ph. Bals. Seilberger zu Bierstadt, F.-G.-Schöff Holz zu Dotzheim, Lanew. Kasp. Born zu Erbenheim, Bürgermeister Schneider zu Frauenstein, Ludwig Damm zu Nauroth, Joseph Baum zu Schierstein, Gemeinderath Phil. Wintermayer zu Sonnenberg, Ph. Fried. Rossel zu Görgenborn, F.-G.- Schöff Belz von Dotzheim.
AA Wiesbaden, 3. Sept. Nach einer uns gewordenen offiziellen Mittheilung , ist der Taunuseisenbahnverwaltung schon vor längerer Zeit durch die Herzog!. Landesregierung die Auflage gemacht worden, den seitherigen Betrieb der Biebricher Zweigbahn mit Pferden einzustellen und denselben, wie auf der Hauptbahn, mit Lokomotiven einzurichten und soll dabei die Androhung gemacht worden seyn, daß wenn spätestens bis zum 1. Oktober d. I. diese Einrichtung nicht getroffen worden ist, der §; 4 der Konzessionsurkunde in Anwendung gebracht werde.
Der angczogene §. 4 der Konzessionsurkunde lautet wörtlich:
„Die Gesellschaft ist verbunden, die durch die Anlage der Bahn erforderlich werdenden Brücken, Durchlässe, Kanäle, Dämme, Wege und Uebergänge zur Herstellung einer ungestörten Kommunikation diesseits und jenseits der Bahn auf ihre alleinige Kosten herzustellen und stets in vollkommen brauchbarem und ihrem Zweck entsprechendem Zustande zu erhalten.
Dieselbe Verbindlichkeit liegt ihr hinsichtlich der Bahn selbst, der Maschine, der Beiwerke der Bahn und der für den Betrieb der Bahn erforderlichen Anstalten und Einrichtungen ob.
Um die Ueberzeugung von der Erfüllung dieser Verbind lichkeiten zu erhalten, wird von Zeit zu Zeit, oder so oft fid eine besondere Veranlassung dazu ergiebt, der Zustand de sämmtlichen hier benannten Gegenstände unter sucht und die Verbesserung der erkannten Mängel aus Koste, der Gesellschaft, wenn sie dieses nicht sogleich selbj bewirkt, ungeordnet werden."
Wir sind vollständig versichert, daß die Herzogliche Landes regierungjest auf diesem Beschlusse beharrt, zweifeln dagegei auch keineswegs, daß die Taunuseisenbahnverwaltung dem selben nunmehr willig nachkommt und dem unerquicklicher Schauspiel einer stereotypen Thierquälerei dadurch ein End macht.
Zu unserer Freude haben wir ferner erfahren, daß dk TaunuS-Eisenbahn-Verwaltung für den Dienst auf der Bieb richer Zweigbahn geeignete Lokomotive in Karlsruhe anfertiger läßt und daß die Drehscheiben im Biebricher Bahnhöfe dèm nächst dem Lokomotivbetrieb entsprechende Abänderungen erleb den sollen.
Es wäre sehr zu wünschen, daß gleichzeitig mit dieser Veränderungen die längst projeklirte Güterhalle im Biebrichei Bahnhöfe zum Aufbaue komme, der Bahnhof selbst nach dem Rheine hin erweitert und das Auf- und Abkommen durch Anlage zweier gegeneinanderüberliegend zu errichtender Rampen erleichtert werde.
Das eben vollendete neue Zollgebäude nahm heute die erste Waarenlast, bestehend aus einer Ladung von zirka 800 Ballen Kaffe in seine feuerfesten Räume auf, wird aber dem Zwecke erst dann vollkommen entsprechen, wenn die davor liegende Rheinstraße in dasjenige Niveau gebracht seyn wird, welches das Aus- und Einfahren in daS Hafengebäude von beiden Seiten zulässig macht.
Man darf sich wohl der Hoffnung überlassen, daß der löbliche Gemeinderath von Biebrich-Mosbach es sich zur ernsten Aufgabe machen wird, sofort die Regulirung der Rheinstraße an diesem Orte vornehmen zu lassen, und somit beiträgt, das Aufblühen der Gemeinde zu sichern und zu fördern.
A Weilburg, 1. Septbr. Unter den beiden Städten um seres Herzogthums, welche in letzterer Zeit am stiefmütterlichsten behandelt wurden, steht ohne Zweifel Weilburg und Usin- gen in vorderster Reihe; zumal da man daran ist, Usingen auch noch bas Hofgericht zu nehmen, nachdem man es vorher schon mit einem Kreisamt übergangen hatte. Es ist gewiß sehr unbillig, so nach und nach Alles in Wiesbaden zu zentralisiren, und dadurch den Verfall der übrigen Stäbchen deS Landes herbeizuführen, wie dies mit einem Theil des Gymnasiums von Weilburg bereits geschehen, und nun auch mit dem Hofgcrichi von Usingen geschehen soll. Auch Weilburg hat man, nachdem es erst einige Jahre zuvor den für eS fast unersetzlichen Verlust des Gesammt-Gvmnasiums hatte, mit einem Kreisamt übergangen und es zwei Aemtern zugetheilt (um den Sitz des Kreisamts nach Hadamar verlegen zu können) , welchen daS Amt Weilburg sowohl in politischer als religiöser Beziehung sehr fern steht, während Weilburg und Runkel eine sehr passende Komposition gewesen wären. Durch Verlegung eines KreiS- amts nach Hadamar befindet sich der Sitz zweier KreiSämker (Hadamar und Limburg) in zwei Städten, welche kaum anderthalb Stunden von einander entfernt sinv. Man glaubt hier allgemein, daß die Regierung die Unzweckmäßigkeit dieser Ein- theilung einsehen und eine Veränderung treffen wird, da eS unmöglich erscheint, daß der Herr Kreisamtmann in dem 12 Stunden langen Bändel seines Bezirks seinen Instruktionen nachkommen kann. Freilich wollten unsere Landstände sparen, und es wurden deshalb weniger Kreisämter errichter, haben aber dabei nicht bedacht, daß der Zeitverlust und die Reisekosten, ganz abgesehen von den vielen übrigen Unzuträglichkeiten, den Einzelnen viel härter treffen, als der Kassenbetrag vor 4 — 5 weiteren Kreisämtern die Gesammtheit treffen würde.
Frankfurt, 30. August. (W. Z.) Wir freuen uns ter heute hier cintreffenden Nachricht, daß die preußische Regi^ rung, den Wünschen ihrer eigenen Freunde und denjenigen aller Freunde der Menschlichkeit entsprechend, ihren Einfluß bei bc« badischen Gouvernement dahin geltend mache, daß den standrechtlichen Hinrichtungen mindestens im Wege der Gnade ein Ziel gesetzt werde.
Mannheim, 1. Sept. Laut sanitätsamtlicher Bekanntmachung sind hier seit dem 24. August an der Brechruhr 6b