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wir noch nicht ermessen können. Nur 36 Mitglieder von 94 wollten zur Stelle bleiben; sie wurden überstimmt. Der Prä­sident der Versammlung, Bargum, sprach nach der Beschluß­fassung wenige ergreifende Worte:Mit schmerzlichem Gefühle unterwerfe ich mich der Mehrheit; theilt doch auch sie die bange Sorge um das Wohl deS Landes. Mit Worten, meine Herren, ist Schleswig-Holstein nicht zu retten; aber die Mahnung möchte ich an Sie richten: lassen wir den Muth nicht sinken! Der wahre Patriot gibt sein Streben auch unter den ungünstigsten Verhältnissen nicht auf, und so wollen auch wir, jeder in seinem Kreise, jeder nach seinen Kräften, wirken für das Wohl unseres Vaterlandes. Mit Schmerz scheide ich auS diesem Herzogthum, dessen klares Recht auf unzertrenn­liche Verbindung mit dem Herzogthum Holstein jetzt schon ver­letzt ist, und wird auch der gegenwärtige Zustand der getrenn­ten Verwaltung als ein vorübergehender bezeichnet, so ist doch die Absicht klar, ihn bald, wahrscheinlich abermals ohne uns zu fragen, als einen definitiven festzustellen. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dann, wenn mit Abschließung des Friedens auch die letzte Täuschung schwinden wird, in welcher Viele sich noch befinden, nicht nur der Wille zum Widerstande, sondern auch und Gott gebe, daß ich mich in meinen Befürchtun­gen getäuscht habe, auch die Möglichkeit des Widerstandes noch vorhanden seyn möge! Die Sitzung ist geschloffen!" Es war Mitternacht, als der vereinte Landtag der beiden

Herzoglhümer schweigend sich trennte.

Wien 26. Aug. (D. Z.) Die Kanonade, welche heute früh nach der Kirchenparade von den Basteien donnerte, hat einen komischen Schreck in den Vorstädten hervorgebracht. Nie­mand dachte an eine freudige Veranlassung derselben, man hörte nur überall die Wortein der Stadt gehts wieder los," und in einem Nu waren die Straßen wie ausgefegt. Die Kaufläden wurden geschlossen, und besonders beeilten sich die Landleute, welche des Morgens Lebensmittel in die Stadt lie­fern, aus dem Bereiche der Kanonenröhren zu kommen; die Milchmeier stürzten auf ihre Wägen, hieben auf die Pferde ein, und jagten mit Windeseile davon; und es sollte uns nicht wundern, wenn in der ganzen Umgegend heute die Nach- 'richt verbreitet wäre, in der Stadt sey eine neue Revolution ausgebrochen.

Wien. Für die gefangene magyarische Armee ist ein General-Pardon vom Feldwebel erlassen und in diesem Augenblick verkündet.

Wien, 25. Aug. (Konst. Ztg.) Man ist hier der Ansicht, daß das gestern veröffentlichte Bulletin HaynauS, in welchem erklärt wird, daß die Oesterreicher es wären, welche die letzten Siege erfochten haben, hier verfaßt worden ist, um als direkte Entgegnung auf die russ. Bulletins zu dienen.

Hier lebende Ungarn wollen wissen, daß sich das Land lieber an Rußland, als an Oesterreich anschließt; doch wird sich dieser Groll wohl legen, wenn sich Oesterreich versöhnlich zeigt.

Wien, 26. August. Es macht gegenwärtig ein interessanter Rechtsfall großes Aufsehen. Während der Oktobertage hatte der Gemeinderath durch öffentlichen Anschlag den Wittwen und Waisen der gefallenen National- und Mobilgarden Pension von 200 Fl. C.-M. jährlich zugesichert und konnte begreiflicher Weise sein Wort nicht halten, nachdem Wien gefallen war. Nun hat ein Weib, deren Mann fiel, den Gemeinberath im Prozeßwege auf die Erfüllung jener Verbindlichkeit eingeklagt, und das Gericht hat die Klage angenommen. Man ist allge­mein auf den Ausgang gespannt. Würde das Weib ihr Recht durchsetzen, dann würden Hunderte ihrem Beispiele folgen. und doch ist nicht abzusehen, wie sie den Prozeß verlieren soll. Aus Ungarn ist die halbe Million von Arad angekommen, ein sehr angenehmer Gast.

Wien, 27. Aug. AuS glaubwürdiger Quelle erfahre ich soeben, daß der Fürst Paökewitsch auS seinem Hauptquartiere direkt nach Warschau zurückgekehrt sey. Der Oberkommandant Fklvzeugmeister Haynau soll morgen sein Hauptquartier nach Pesth verlegen. Ueber Komorn noch immer nichts bestimmtes.

Wien, 27. Aug. Paökewitsch ist nach Warschau abgereist, j um mit seinem Kaiser eine persönliche Unterredung zu pflegen. j

Hier wollen die Leute schon an eine unwillige Abberufung glauben, während die Beendigung des Krieges in sich selbst die fernere Anwesenheit des russischen Feldmarschalls überflüssig macht, und sowohl der Rückmarsch russischer Truppen, ihre Verlegung in die verschiedenen Provinzen, als auch die mit Oesterreich gemeinschaftliche Besetzung Ungarns durch 60,000 Russen während 3 Jahren eine Besprechung mit Kaiser Nikolaus erforderten, der bis zum 8. Sept, wieder in Petersburg ein­treffen will. Bei dem zwischen beiden obwaltenden Einver- ständniß, ist an eine Disharmonie gar nicht zu glauben, wenn auch vielleicht der Kaiser öffentlich größere Rücksicht und feinern Anstand bewährt, als sein General, dessen Benehmen wieder auf den Stolz der Russen berechnet ist, deren Offiziere sich hie und da in Ungarn über Kälte und Vernachlässigung im Be- tragen der österreichischen Offiziere beklagten.

Frankreich.

Paris, 28. August. Es tauchen wieder Gerüchte über großartige Verschwörungen auf, die zu London und zu Genf angezettelt werden. Ledru Rollin soll vor drei Tagen an letz­terem Orte gesehen worden seyn. Eine große Anzahl von Flüchtlingen aller Länder soll sich seit mehreren Tagen nach den in der Nähe von Genf gelegenen Städten, von wo die Verbindung mit Genf leicht und schnell ist, begeben habe», ohne jedoch der Wachsamkeit der Regierungen zu entgehen, welche bereits Noten miteinander über diese Umtriebe gewechselt haben. Die Pariser Demokraten hoffen viel, wie es heißt, auf die durch die Frage über die Kapitulationen hervorzurufende Aufregung. Auch zu Paris selbst regt sich, wie dieAssemblee nationale" versichert, die Partei Ledru Rollins wieder. Jede Nacht finden in den volkreichen Stadtvierteln von Paris Ver­sammlungen der Montagnards statt, welche indessen von der Polizei auf's Genaueste überwacht sind. So z. B. waren neu­lich (Samstag Abend) 800 Polizei - Agenten auf den Beinen und um 3 Uhr Morgens hatte die Regierung die Protokolle sämmtlicher nächtlichen Sitzungen mit genauer Angabe der von I gewissen Volksvertretern gehaltenen Reden. Andererseits hat I kürzlich eine Maßregel stattgefunden, die eine große Sicherheit bei der Regierung anzudeuten scheint; die in den Forts von I Montrouge und Jssv zur Dorsichtaufgehäuften Kriegsmate- rialien ssind unter Bedeckung eines Linienregiments wieder nach ! Vincennes transportirt worden.

Proudhon hat von der Conciergerie aus einen Brief an > den Präsidenten des Friedens-Kongresses gerichtet, worin eS I heißt:Daß ich unter Schloß und Niegel bin, ist kein Grund, tum allen großen, nützlichen und wahrhaft sozialen Unternehm mungen fremd zu bleiben. Ich habe mit inniger Befriedigung den Zusammentritt des Friedens-Kongresses erfahren. ' Ich gehöre zu denen, welche glauben, daß die Nationen besser thun, sich gegenseitig durch die Diskussion aufzuklären, als sich unter einander zu würgen. Ich glaube wie Christus, daß der, der mit dem Schwerte trifft, auch durch daS Schwert umkommen wird. Ich bedauere lebhaft, an Ihren interessanten Arbeiten keinen Theil nehmen zu können rc."

Das Fest zu Versailles bestand darin, daß die englischen Mitglieder des Friedens-Kongresses den amerikanischen ein Frühstück gaben, wobei Cobden als Vorsitzender der Engländer das Wort führte, und jedem Amerikaner ein neues Testament in französischer Sprache überreichte. Der Geistliche Allen auS Massachussets erläuterte die Schwierigkeiten, welche der Abschaf­fung der Sklaverei in einem Theile der Vereinigten Staaten noch entgegenständen, und sprach die Regierung derselben von jeder Schuld an Fortdauer dieses UcbelstandeS frei. Zum Schlüsse meinte er, daß es Frankreich nicht an Einsicht, Wissen­schaft, Geschmack, Verfeinerung, wohl aber im Allgemeinen an Religiöfität fehle; er wünsche daher, HeinreichlV. parodirend, j daß jeder französische Bauer eine Bibel in seiner Hütte haben I möge.

Polen.

Warschau, 26. August. (Staats-Anz.) Der Tod de- Großfürsten Michael bestätigt sich zufolge der Berliner Blätter. Der Großfürst wurde bei der Parade vom Schlag­flusse getroffen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.