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das richten, waS die deutsche Nationalversammlung wollte, als die Gegenwart eS vermag. Sie wird den damaligen Zustän­den und den Eindrücken, denen die Nationalversammlung unter­worfen war, Rechnung tragen. Sie wird vor Allem erwägen, nicht blos, was sie für Deutschland gethan, sondern auch, waS sie von Deutschland abgewehrt hat. (Bravo). Aber sie wird ebensowenig die Mangel des WegeS übersehen, den die Natio­nalversammlung eingeschlagen hat, eines Weges, der den fak­tischen Verhältnissen Deutschlands nicht zusagt, und einem Einheitsstaats näher lag, als es Deutschland zuläßt. Die Allgewalt, die sie verlangte, war nur durch Terrorismus mög­lich. Die Natur der Sachen ebensosehr, als die Achtung vor bestehenden Verhältnissen, erheischten eine Vereinbarung mit "den Regierungen. Ohne Zusammenwirken mit diesen konnte nur zerstört, nicht aufgebaut werden.

Ein zweiter Vorwurf waren ihre Transaktionen mit den politischen Gegnern, wodurch die Verfassung vom 28. März als ein Sieg der Demokratie betrachtet wurde. Das Verhal­ten der Gegner, die unverholene Freude derselben, hätten über ihre Absichten Auskunft geben können.

Es muß Ihnen aus den Noten vom 23. Januar und 4. Februar klar geworden seyn, daß die Regierung Alles auf­bot, um eine Verständigung zu Stande zu bringen. Dies blieb jedoch ohne Erfolg. Die Nationalversammlung erklärte die Verfassung als endgültig und auf Abänderungen nicht mehr eingehen zu wollen. Es handelte sich daher nur noch um eine einfache Unterwerfung. Konnte Preußen dies thun? Nein ES würde sich selber aufgegeben haben, es würde seine glor­reiche Geschichte verleugnet und mit seinen Kräften Experi­mente gemacht haben. (Bravo). Sehen Sie, was in Dres­den geschah und in Stuttgart, was unter Preußens mächtiger Aegibe nie hätte geschehen können. Statt des KaiserthumS wäre die Anarchie daS Loos Deutschlands geworden. Nicht von dem Glanz sogenannter großer Entschließungen hat sich Preußen verleiten lassen dürfen, die immer doch nach dem Er­folge beurtheilt werden und in denen man bald große StaatS, Weisheit, bald ehr- und pflichtvergessenen Machiavellismus sieht. (Bravo.)

Der Redner verliest hierauf die Note vom 28. Mai und fährt dann fort:

Diese gerechte und besonnene Erklärung hat von vielen Seiten Tadel erfahren. Während die Einen davon ausgingen, daß Preußen Alles vollziehen müsse, was die Nationalversamm­lung anordnete, verlangten die Andern, daß es sogar daS Ziel derselben, als nichtig und verwerflich, verleugnen solle.

Diese Forderung leitet auf den zweiten möglichen Weg, der zum bisherigen deutschen Bund zurückführte. Es ist nicht zu übersehen, dâß auch hierfür mannichfache Gründe vorhanden waren. Ja, auch in unserem eigenen Lande ließen sich gewich­tige Stimmen vernehmen, welche eine Schwächung Preußens, ein Zugeständniß an die Revolution auf dem andern Wege sehen, und die lieber wollten, daß sich Preußen auf seine aus­wärtigen Allianzen als auf die nationale Gemeinschaft stütze.

Aber auf diese Art wäre die Verfassung Deutschlands in ihren Grundgedanken dieselbe geblieben. Ob die Bevollmäch- tigten in der Zentralgewalt von den Regierungen ernannt, oder auch zugleich ständische Ausschüsse eingesetzt würden, ist kein Unterschied. Im Bundesstaate besteht eine Zentralgewalt, eine Oberhoheit des Ganzen über die einzelnen Glieder, deren Verfügungen verbindlich für Alle sind, während im Staaten­bunde ein Gesammt- Vorsteher sich befindet, dessen Verfügungen für die Einzelstaaten nur in so weit verbindlich sind, als die­selben sie annehmen. DaS einzelne Glied im Staatenbunde, das sich nicht fügt, verletzt nur den Vertrag, im Bundesstaate begeht es Rebellion.

Trotz dieser Hindernisse aber zögerte die Regierung nicht, den scheinbar kürzeren Weg zu verschmähen, weil er ihr unge­recht und unweise schien. (Bravo.) Ungerecht, weil er die der Nation gegebenen Verheißungen bräche, unweise, weil er, statt die Revolution zu schließen, sie verewigen würde. (Lebhaf­tes Bravo.) ES würde der Revolution die mächtigste Waffe und bei der nächsten Krise einen Kampf auf Leben und Tod gegen die einzelnen Regierungen, vielleicht gegen die Monarchie hervorrufen.

Es blieb also nur übrig, innerhalb des bestehenden Vereins, den engern Bundesstaat zu errichten. Dieser Weg beruht auf zwei Bedingungen, auf der freien Zustimmung der Regierungen und auf der Annahme von Seiten der künftigen Nationalver­tretung. Nach Außen kann und muß Deutschland ein Ganzes seyn, die Vertretung muß eine Einheit haben; mit den einzel­

nen Gliedern darf das Ausland nichts gemein haben. Diese Forderung ist eine Lebensbedingung der Nation. Wer die Ge­schichte der letzten zwei Jahrhunderte betrachtet, der würde lieber vor Scham sein Haupt verhüllen, als für die Politik der Einzelstaaten nach Außen hin in die Schranken treten.

(Schluß folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 31. Aug. In der heutigen Kammersitzung wurde beschlossen, daß die Kammer auf eine nähere Unter­suchung wegen der von dem Ministerium Wintzingerode ver­fügten Dienstentlassungen und Pensionirungen dermalen nicht eingehen wolle. DaS Landjägergesetz wurde im Sinne der Regierungsvorschläge definitiv erledigt und wird nun bald zum Vollzug gebracht werden, waö im Interesse der öffentlichen Sicherheit dringend gefordert ist.

In Frankfurt bildet sich dem Vernehmen nach gegenwärtig ein Verein, der es sich zur Aufgabe stellt, Literaten, die leben müssen und soyen, aber, weil sie nichts Rechtes gelernt haben, durch ihre Schreibereien dem Gemeinwohl schaden, durch nütz­liche Arbeit anderer Art zu versorgen. Die wühlerischen Win­kelblätter sind nachgerade in Deutschland so zahlreich geworden, daß die Thätigkeit des menschenfreundlichen Vereines ein sehr weites Feld finden wird.

Darmstadt,? 31. Aug. (D ärmst. Z.) Die Brechruhr, Cho­lera, zeigt sich hier und da. Die ängstliche, wahrhaft lächer, liche Furcht, welche man in den 1830t Jahren vor ihr hegte, ist verschwunden; man weiß, daß ein gehöriges diätisches Ver­halten sehr vortheilhaft einwirkt. Außerdem möge man einen Punkt noch vor Augen haben. Die europäische Brechruhr ist himmelweit verschieden von der astatischen Cholera; und doch werden beide so oft verwechselt, weil sie in den meisten Erschein nungen sehr ähnlich sind. Während die erste viel weniger tödt- lich ist, rafft die zweite meist viele Opfer hinweg. Es ist z. B. noch nicht entschieden, ob die in Mannheim und Mainz 'Vvr- gekommenen Fälle zur ersten Krankheit gehören oder zur zwei­ten. Es sollen in Mainz 7 Todesfälle eingetreten seyn , wor­unter etwa fünf solcher Leute, denen man sehr starkes Trinken nachgesagt. Wenn eS wahr ist, daß die meisten dieser Fälle in einer Straße, ja in demselben Hause vorgekom­men, so muß man es um so mehr für zweifelhaft halten, ob es wirklich die asiatische Cholera ist. Niemand aber versäume darum die nöthigen Vorsichtsmaßregeln.

Brandenburg, 26. Aug. Vor dem hiesigen Schwurgerichte standen gestern der Studiosus Brandt, welcher bekanntlich am 16. April den Auskultator Neander im Duell erschossen hat, und die Sekundanten, Studiosen Böttcher und Geb­hardt. Alle Drei waren geständig. Die Verhandlung legte dar, was schon früher bekannt ist, daß der Studiosus Brandt von dem Auskultator Neander durch Schmähungen auf seinen Vater tief beleidigt worden. Statt eine Ehrenerklärung zu geben, beleidigte Neander weiter, und so kam es zum Pistolen­duell. Aus daS Zeichen zum Losschießen, welches durch Hände­klatschen gegeben ward, ging Neander einige Schritte vor, Brandt hatte noch Handschuhe an, und feuerte ab, augenschein, lich überrascht durch die Schnelligkeit, mit der daS Zeichen er­folgte. Der tödlich getroffene Neander sank zusammen, richtete sich mit dem Oberkörper auf, zielte sehr sicher und schoß den Brandt durch die Hüfte. Ein Arzt war in der Nähe, konnte aber dem Neander nicht mehr helfen, welcher vielmehr, nach erfolgter Versöhnung mit Brandt, etwa eine Viertelstunde darauf verschied. Die Geschworenen verneinten die Fragen deS Gerichtshofs und sprachen über alle drei Ange­klagte das Nichtschuldig aus. Der Gerichtshof er, kannte sofort auf Freisprechung und ordnete die Freilassung der Angeklagten an. (N. Pr. Z.)

Schleswig-Holstein. (W. Z.) Mit dem 26. August ist daS Herzogthum Sch le swig thatsächlich preisgegeben wor­den, die Schweden sind eingerückt, die Triumvirn der Waffen­stillstandsregierung haben ihr Amt angetreten, die Statthalter, schaft und die Landesversammlung haben ihren Platz geräumt. Nicht ohne heißen und heftigen Kampf entschlossen sich die Ab- - geordneten zu diesem verhängnißvollen Schritte, dessen Folgen