Nassauische
Allgemeine Zeitung.
3S 2VS Donnerstag den 30» August 18LS
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränumc- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschäft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schcllen- bergsschen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Uebersicht.
Demokratischer General - Rapport.
Deutschland. Wiesbaden (Die Goethefeier). —Fran kfu rt (Die
Goethefeier). — Kaiserslautern (Die Ludwigsbahn). — Rastatt
(Ausweisung). — Dresden (Verbot der vaterländischen Vereine. Zwei
Flüchtlinge). — Berlin (Günstige Stimmung der ersten Kammer in der deutschen Frage. Oesterreich-preußische Vereinigung über eine Verwaltungsbehörde). — Wien (Wiederholung der Nachricht, daß Kossuth gefangen sey. Kriegsgerichtliche Urtheile. Armeebericht aus Ungarn.
Eindruck des Paskewitschischen Bülletins).
Frankreich. Paris (Der Friedenskongreß).
Nachschrift.
Demokratischer General - Rapport.
Die Berliner Konstitutionelle Korrespondenz schreibt: In der Schweiz sind die deutschen Flüchtlinge sehr thätig, sich zur Ausführung ihrer neuen Beglückungs -Thcorieen für Deutschland von Neuem zu organisiren. Ein Reisenver, der so eben aus Bern zurückkehrt, schildert uns eine solche interessante Konferenz der Demokraten aller Länder: Am 19. war in Bern Versammlung der Berichterstatter bei Professor Vogt (Vater des Gießener Vogt). Raveaur war Vorsitzender; Advokat Erbe und Dr. D'Ester Berichterstatter und Schriftführer. Es waren zugegen drei Franzosen, drei Italiener, ein Ungar (den man Oberst Türr nannte); aus Schleswig-Holstein ein Dr. Bauditz, außerdem drei Polen. Von Deutschen: Becher aus Stuttgart, Dr. Löhr, Cramer aus Köln, Ludwig Blenker aus Worms, Körner aus Elberfeld, Flies und Faßbender aus der Pfalz, Dr. Maaß aus Würzburg, Maasmann aus Eltville in Nassau und mehrere Andere. Becher aus Stuttgart berichtete, daß Hecker noch nicht abreisen werde, sondern erst die günstigen Resultate in Würtemberg abwarten wolle, um dieselben zu benutzen. Er erklärte:
Unsere Sache steht in Würtemberg für die Republik auf der gewünschten Höhe, und durch die Besetzung der hohen- zoller'schen Fürstenthümer haben die Preußen den schönsten Stoff zum höchsten Hasse gegeben; unsere Freunde geben sich in allen Theilen des Landes alle Mühe, diesen Haß zu hellen Flammen anzufachen. Allen Brüdern in der Schweiz wird aufgegeben, isich zu rüsten und fertig zu halten und dahin zu wirken, daß von den Zuverlässigen keine nach der Heimath oder gar nach Amerika gehen; wohl aber muß aller Bedacht darauf genommen werden, die weniger Gravirten zu Sendungen in die Heimath zu benutzen."
Dr. D'Ester verlas einen Bericht von Berlin, ungefähr folgenden Inhalts: „Wir sind in voller Arbeit, welcher der Erfolg nicht fehlen wird. Berlin ist jetzt nach dem früheren Plane des Vr. Schütte, wie im vorigen Jahre Wien, in viele Vereine eingetheilt, welchen ein Zentral-Komite die Vorsteher liefert, welche alle tüchtige, von uns ausgebildete Männer sind. Wir halten sehr selten unsere Hauptsitzungen in Berlin, und
wenn je hier deren eine Statt findet, so werden nur Sachen vorgenommen, welche geeignet sind, Hinkeldey u. Comp hinter'S Licht oder auf das Glatteis zu führen. Unsere Haupsitzungen halten wir an solchen Orten der Umgegend von Berlin, wo zufällig Jahr- oder Pferdemarkt ist. Mit den Komite'S in Schlesien, Sachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Böhmen sind wir in genauer Verbindung; von Magdeburg aus wird tüchtig in Braunschweig und Hannover gearbeitet. Unsere Freunde in den Provinzen sind ungemein thätig; unsere nächste Märzerrungenschaft soll gewiß nicht wieder verunglücken. Wir haben noch Vorbereitungen nöthig zu unserem neuen, festen Wirken. Es muß dieses Mal Alles so eingerichtet werden, daß, wenn der Schlag geschieht, die Fürsten, die Aristokraten und die Bourgeoisie vertilgt werden! Ja, die Pfaffen und das Beamtenpack müssen in dem Blute der Ersteren ersäuft werden!"
Ferner berichtete Dr. D'Ester, in der Rheinprovinz und in Westfalen seyen die demokratischen Vereine nur scheinbar unthätig ; einige Vereine seyen aufgelöst, aber nach der Berliner Weise neu organistrt. —
Der angebliche Dr. Bauditz berichtete, daß in Schleswig- Holstein Alles für eine deutsche Groß-Republik wäre, und daß bei ihnen sowohl als in und von Hamburg tüchtig an einer solchen gearbeitet würde. Hamburg stände im Preußenhasse oben an, und täglich werde noch fleißig nachgeholfen.
Dr. Löhr berichtete aus Frankfurt, Hanau und Mainz daß die Bemühungen der Vereine, die Soldateska unter einander zu entzweien, die herrlichsten Früchte erwarten lasse. Ferner zeigte derselbe an, daß der demokratische Frauenverein aus Hanau dreihundert Thaler baar, hundertfünfzig Stück Hemden und zehn vorzügliche Büchsen aus Elberfeld am 10. August nach Bern geschickt habe.
Aus Posen und Schlesien waren die Berichte augenscheinlich sehr übertrieben; in BreSlau kommt das geheime Komite Nachts bei einem Weinhändler zusammen; bis 'zum nächsten März, so wurde berichtet, würde Alles fertig seyn, wenn's seyn müßte, auch früher.
Nach den Berichten des Dr. Maaß aus Würzburg erwartet man mit Jubel, daß Bayern und Preußen sich vollständig entzweien und so sich gegenseitig schwächen sollen. Bayern stehe auch übrigens auf einem Vulkane.
AuS Wien wurde berichtet, daß die Komite'S besser orga- nisirt seyen, als im vorigen Jahre, und daß man nur die Ungarn erwarte, um das HauS Habsburg zu vertilgen.
AuS Frankreich betrafen die Berichte besonders das Treiben der Partei Orleans; diese Partei, welche Geld hat, soff sich mit den sozialen Rothen zum Sturze Napolcon's verbunden haben. DaS Komite von Paris hat übrigens 10,000 Francs in Gold zur Unterstützung der deutschen Flüchtlinge geschikt, welches Geld an den alten Vogt ausgezahlt wurde. Die sozialen Rothen wollen der orlcanistischcn Partei Beistand leisten, um nach dem Sturze Napoleon'ö diese wiederum zu stürzen. —
Die Italiener setzen ihre größte Hoffnung auf die Ungarn und auf die französische Umwälzung.