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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 202. Montag den 27. August L8LS

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Deutschland. Frankfurt (Das Frankfurter Journal in Mannheim verboten). Worms (Heinrich von Gagern). Mannheim (Die Cholera. Verurtheilungen). Karlsruhe (Das freiwillige Anlehen).

Rastatt (Neue Todesurtheile). Stuttgart (Preußische Rekla­mation). Hohenasperg (Die Untersuchungen). München (Fallmerayer). Dessau (Der Kanzleistyl). Leipzig (Der König). Berlin (Die Kammer. Aufforderung an Sachsen und Hannover). Wien (Ankunft des Kaisers. Aus Ungarn).

Großbritannien. London (Nordamerikanisches Eisen).

Italien. Venedig (Die Beschießung).

D e u t s ch l a n d.

Frankfurt, 25. August. Die Redaktion des Frankfurter Journals zeigt an, daß ihr Blatt für die Dauer des Be­lagerungszustandes in Mannheim durch Beschluß der Regierung des Unterrheinkreises unterdrückt sey.

Frankfurt, 25. August. (D. Z.) Aus Baden geht uns die Nachricht zu, daß der Großherzvg an seinem Geburtstag, dem 29. August, der im ganzen Lande feierlich begangen wird, den beim letzten Aufstand Betheiligten Amnestie ertheilen, und nur die Führer und besonders schwer Beschuldigte auSnehmen wird. Wir sind versichert, daß ein solcher Akt gewiß allent­halben den besten Eindruck machen und am geeignetsten sein würde, das Vertrauen des Volkes wieder herzustellen. Es würde dadurch auch das bittere Befremden über die ungleichen Urtheile, wie z. B. das über alles Erwarten hart gefundene Todesurtheil gegen Kromer, eine wohlthuende Linderung er­fahren. Aus Baden finden viele Auswanderungen nach Amerika statt.

Worms, 22. August. Die hiesige Zeitung meldet: Vor­gestern kam Heinrich v. Gagern durch unsere Stadt, «um zum ersten Male wieder nach seinem ländlichen Wohnsitze in Monsheim zu begeben, welchen er seit dem 2. März v. I. mcht wiedergesehen hatte. Kaum hatte sich die Kunde verbrei­tet, er sey durch unsere Stadt nach Monsheim zurückgekehrt, so begab sich gestern eine Anzahl hiesiger Bürger in mehreren dahin, um diesen verehrten Mann im Namen seiner ihm treu gebliebenen Wormser Freunde zu begrüßen und ihm

,*u8!)ru^ ihrer ungeschwächten Verehrung und Anhäng­lichkeit auszudrücken. Zugleich sollte Herr v. Gagern auch Elleladen werden, das Festessen, welches am Namenstag un- geliebten Großherzogs künftigen Samstag stattfinden wird, § Ehrengast durch seine Anwesenheit zu verherrlichen. Leider var er jedoch schon wieder abgercist, um sich zu seinem Freunde Elleben und bis Donnerstag die Ausschußsitzung landwirthschastltchcn Vereins in Oppenheim als Vorsitzen- ver zu leiten. Die erschienenen Freunde konnten ihren Zweck r theilweise erreichen, indem sie nämlich ein Schreiben zuruckueßen, worin die Absicht ihres Kommens ausgedrückl ist.

Mannheim, 25. August. (O.-P.-A.-Z.) Vor Kurzem waren es noch die Schrecken der Anarchie und des Terroris­mus, die Mannheims Bewohner beängstigten, jetzt ist es die Cholera, die seit gestern hier ausgebrochen und auch schon Opfer gefordert hat. Man schreibt den AuSbruch der Krank­heit dem Genusse des jetzt so häufigen und oft noch nicht ganz reifen Kernobstes zu, weßhalb von Seiten der Polizei eine be­sonders strenge Ueberwachung des Marktes in dieser Hinsicht angeordnet worden ist.

Mannheim, 24. August. (Bad. M.) Der Major und Kommandant v. Plehwe macht wieder folgende Verurtheilungen bekannt. Sie lauten:Die Kaufleute Herrman Leo und Nathan Leo werden wegen Ausstellens von Pfeifenköpfen mit dem Bildniß von Hecker und Blum theils im Vorfenster, theils im Laden, ein Jever mit 14 Tagen Gefängniß bestraft. Die konfiszirten 400 Pfeifenköpfe sind vernichtet worden. Auf Grund des Beschlusses deö großh. Stadtamtes hierselbst wird der Lohnbediente Joseph Lang, wegen AussprengenS falscher Gerüchte, mit 14 Tagen Gefängniß bestraft."

Karlsruhe, 18. August. Einer Bekanntmachung in der heutigenKarlsruher Zeitung" zufolge ist das im vorigen Mo­nate für die Amortisationskasse ausgeschriebene freiwillige Anlehen von einer Million Gulden noch lange nicht voll­ständig beigebracht.

Rastatt, 25. August. Heute früh, bald nach vier Uhr, wurden vier TodeSurtheile durch Erschießen an Theilnehmern an unserer unseligen Revolution vollzogen. Der Kanonier Zenthöfer aus Mannheim und der ehemalige Wachtmeister Lenzing er, durch die Revolution zum Artillerielieutenant befördert, wurden gestern durch das Standgericht verurtheilt, und die beiden preußischen Unterthanen, der ehemalige Lieu­tenant Bernigau und Jansen aus Köln, waren schon früher nach preußischen Kriegsgesetzen verurtheilt worden. Gestern wurde ihnen nach erfolgter Bestätigung das Urtheil verkündet und heute mit jenem der gegen die beiden Badener vollstreckt. Zenthöfer hatte sich schon bei dem Aufstand unter Struve sehr betheiligt und war auf sechs Jahre zur Zucht­hausstrafe verurtheilt worden, aus dem ihn die jüngste Revo­lution gewaltsam befreite. Derselbe war bei Gefechten und bei der hiesigen Belagerung überaus thätig gegen die preußi­schen Truppen.

Auch daS Schicksal Kinkels dürfte in der nächsten Zeit entschieden werden. Das frühere Urtheil gegen denselben ist von dem kommandirenden General v. Hirschfeldt kassirt wor­den und wird Kinkel nun aufs Neue vor dem Standgericht erscheinen.

In der heutigen Sitzung des Standgerichts , das um 9 Uhr begann, saß der Pole NiewSki auf der Bank der An­geklagten. Da er kein Wort Deutsch versteht, so mußte die Verhandlung durch die Vermittlung eines DollmetscherS ge­führt, und das Urtheil durch denselben übersetzt und verkündet werden. ES lautet auf Tod und wird noch diesen Abend voll­zogen. Der Verurtheilte war Major bei der polnischen Legion.