Die „Presse" bemerkt zu der Nachricht von der Ergebung Görgey's: Wenn Bem und Dembinsky auch einen curopäi- schen Ruf auf den Kriegsschauplatz mitbrachtcn und diesen Ruf seitdem zu erhalten wußten, so war doch Görgey der eigentliche Held der Insurrektion. In ihm sahen die Magyaren alle ihre wahren und eingebildeten Tugenden verkörpert. Er verstand es, den sinkenden Muth, den schwindenden Fanatismus immer wieder auf's Neue zu beleben. Man braucht also kein großer Politiker zu sevn, um einzusehen, daß der Verlust dieses Man- nes der Insurrektion die töbtlichste Wunde schlägt. Nach ziemlich verbürgten Gerüchten sollen es die klugen MannoeuvreS des Fürsten Paskewitsch gewesen seyn, welche Görgey zum Niederlegen der Waffen bestimmten. Wir wissen noch nicht, ob man dabei mehr das Talent des Feldherrn oder daS des Diplomaten zu bewundern haben wird. Auf jeden Fall hat sich der Fürst von Warschau damit das Berbienst erworben, sür Oesterreichs Zukunst etwas Entscheidendes gethan zu haben.
Noch immer sind die englischen Blätter angefüllt von Berichten über Meetings, welche in allen Theilen des Landes ge, halten werden, um die Regierung aufzuforkern, sich kräftig für die Sache Ungarns zu verwenden. Die öffentliche Meinung in England ist so aufgeregt gegen die österreichlsche Regierung, daß selbst Blätter, welche bisher stets die Sache der Magyaren heftig angegriffen und das kaiserliche Kabinet in Schutz genommen hatten , wie z. B. die durchaus revolutionsfeindliche „Times" jetzt einen ganz andern Ton anzustimmen anfängt. Die „Times" sagt gestern in einem ihrer Leitartikel:
„Der Uebermuth und die Anmaßung Schwarzenbergs, unterstützt durch die Leidenschaften der Erzherzogin Sophie, hat die Gelegenheiten zur Versöhnung eine nach der andern ungenutzt vorübergehen lassen. Fürst Schwarzenberg ist vollständig mit den russischen Interessen identifizirt und hat sich nicht gescheut, jedes unabhängige Prinzip des Hofes von Wien der Politik seines nördlichen Verbündeten zu opfern. Verschiedene andere Mitglieder des Kabinets von Wien zeichnen sich durch ihre hervorragenden Eigenschaften und freisinnigen Ansichten aus; aber so lange Fürst Schwarzenberg als erster Diener der kaiserlichen Krone am Ruder bleibt, erwarten wir nichts als den äußersten Leichtsinn und die beklagenswerthesten Folgen. Doch es ist um so weniger Grund auf seine Entfernung zu hoffen, da er ganz besonders jenen Einfluß reprâsentirt, welchen der Kaiser von Rußland sich über Oesterreich erworben hat. Die jungen ungarischen Offiziere, in der österreichischen Schule gebildet, aber emanzipirt von österreichischer Routine, haben Talente ersten Ranges gezeigt und sind mit unbeugsamer Kühnheit von der Nation unterstützt worden. DaS sind nicht die Männer, daS ist nicht das Volk, welches ein österreichischer Staatsmann ungestraft mit Härte, Ungerechtigkeit oder Verachtung behandeln darf. Trotz der gewaltsamen Maßregeln Kossuth's und seiner Versammlung haben wir Grund zu glauben, daß die Führer des magyarischen Heeres nicht abgeneigt sind, unter ehrenvollen und verfassungsmäßigen Bedingungen zu ihrer Lehnspflicht zurückzukehren, und nichts würde den jungen Kaiser von Oesterreich mehr gewinnen, als wenn er selbst jetzt na h edlem Antriebe handelte, seine verderblichen Rathgeber aber entfernte und allen seinen Unterthanen Nachsicht, Freiheit und Frieden gewährte. Denn dieser Krieg ist für seine Erblande kaum weniger drückend und nachtheilig, als für das Königreich Ungarn, und er opfert die eine Hälfte seiner Unterthanen, um die andere im Zaume zu.halten."
Deutschland.
Frankfurt, 22. August. (D. Z.) Wie es heißt, ist eine Depesche des Prinzen von Preußen hier eingegangen, in Folge deren die Auflösung deS in Baden stehenden ReichskorpS, wenn dieselbe überall schon verfügt worden, widerrufen werden dürfte. Wenn dieselbe überall schon verfügt worden, sagten wir, denn wir haben starke Gründe, anzunehmen, daß das nicht geschehen. So viel ist wenigstens sicher, daß von einer Rückkehr deS dem Reichskorps zugetheilten Frankfurter Linienbataillons noch gar nichts verlautet, und daß dasselbe nach wie vor bestimmt sche nt, die Winterquartiere in Baden zu beziehen. Die bedeutendsten Vorschüsse, welche die Stadt Frankfurt für die Verpflegung der
hier garnisonirenden Truppen geleistet hat, werden, soweit eS wirklich Vorschüsse und nicht Lasten sind, welche jeder Garnisonsort zu tragen hat, sammt den rückständigen Einquartierungsgeldern, in dem Maße wenigstens, als Preußen dabei betheiligt ist, demnächst erstattet werben, und sie würden bereits erstattet worden seyn, wenn nicht, trotz mehrfacher Monita von preußischer Seite, die Liquidirung derselben sich noch immer verzögert hätte. Ob bei der notorischen gänzlichen Insolvenz der Zentralgewalt die übrigen betheiligten Staaten dem Vorgänge Preußens folgen werden, steht zu erwarten.
Frankfurt, 19. Aug. (D. A. Z.) Die Konstitutionelle Korrespondenz in Berlin hat sich im Aerger darüber, daß das Reichsministerium trotz des Berliner Bündnisses noch zu eristiren und noch zu handeln wagt, so weit vergessen, die Behauptung aufzustellen: der Reichsministerpräsident Fürst von Wittgenstein habe in einer Note an Lord Palmerston eröffnet, daß Oesterreich nach Besiegung der Ungarn eine drohende Stellung gegen Preußen einnehmen werde. Diese Behauptung ist eine Erdichtung. Wir wollen es ihr aber nicht einmal so hoch anrechnen, daß sie ungeachtet ihrer halboffiziellen Eigenschaft eine so falsche Nachricht unter daS Publikum bringt. Was aber soll man dazu sagen, wenn dieses halboffizielle Organ auf eine falsche Behauptung die Ermahnung für die guten preußischen Patrioten stützt, nicht zu jubeln über die Niederlage der Ungarn? Die „guten preußischen Patrioten" müssen also wünschen, daß das Beispiel Ungars seine Früchte trage in Galizien, Kroatien und noch in einigen andern östlichen Ländern, daß der Einfluß, die Ausbreitung der germanischen Zivilisation nach Osten hin vernichtet werde, daß von Osten her eine Staatsumwälzung Hereinbreche, deren Folgen die „Konstitutionelle Korrespondenz^ wahrlich nicht erwogen hat, Folgen, die man höchst wahrscheinlich an der Spree eben so hart empfinden würde, als an der Donau. Daß der preußische Patriotismus der Konstitutionellen Korrespondenz auf den Nachtheil der deutschen Industrie, des Einflusses des Germanenthums spekuliren soll, dieser Rath ist für den deutschen Patriotismus derselben jedenfalls ein sehr schlechtes Zeugniß.
' Mannheim, 22. August. (Mannh. I.) Heute stand^vor' dem hiesigen Kriegsgericht der ehemalige großherzogl. badische Lieutenant Andreas Schmidt aus Blumberg, angeklagt des Treubruchs und der Betheiligung an dem hochverrâtherischen Aufruhr. Der angeklagte wurde auf den von seinem Vertheidiger, Herrn Dr. Lavenburg, geltend gemachten Grund hin, daß die Voruntersuchung nicht vollständig geführt und verschiedene wichtige Dokumente nicht zu den Akten gefügt worden seyen, durch Ausspruch deS Kriegsgerichts vor die ordent- lichen Gerichte gewiesen. Der weitere Verfolg der heutigen Sitzung führte den ehemaligen großh. badischen Soldaten Jakob Speer von Reihen vor die Schranken des Gerichtes. Derselbe ist der Jnsurbordination auf dem Depot zu Schwetzingen während des Kriegszustandes angeklagt. Der Angeklagte wurde gleichfalls an das ordentliche Gericht verwiesen.
In Mannheim ist vor Kurzem folgende Bekanntmachung erschienen: „Auf des vom hiesigen großherzogl. Stadtamte gefaßten Beschlusses vom heutigen Dalum wird der Stud. jur. Johannes Dietz von hier, weil er dem Verbot entgegen einen Karbonarie- oder Heckerhut getragen, mit vierwöchentlichem Gefängniß bestraft. Dieses wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Mannheim ic. Der Major und Kommandant, v. Plehwe."
Rastatt, 21. August. (Karlör. Z.) Gestern stand der ehemalige Artilleriewachtmeister Backof auö dem Amte Durlach vor dem Standgericht. Er hatte in der Revolution die Stelle eines Hauptmanns angenommen, und war bei der hiesigen Festungsarlillerie thätig. Er wurde auf 10 Jahre zur Zuchthausstrafe verurtheilt und noch gestern Abend zur Erstehung derselben nach Bruchsal abgeführt.
Freiburg, 21. August. Der gestern vom Kriegsgericht zum Tode verurtheilte Soldat Kromer ist heute früh in der Nähe der Stadt erschossen worden.
Stuttgart, 21. August. (D. Z.) Von der Ministerkrise hört man hier kein Wort mehr, unsere eigenen Blätter bringen nichts und säum, unterhält man sich über die von der A. Z.