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Magyaren auf 6000 an Gefangenen und Überläufern allein angegeben. Außerdem verloren letztere 4 24pfündige Kanonen, mehrere Munitions- und schre viele Bagagewägen und zogen sich gegen Lugos zurück. Tags vorher hatte F.M.L. Schlick ein Streifkommando nach Meyöhegyes entsendet und die dor­tige grarische Gestütanstalt, so wie 3000 Pferde gerettet. Die Verwüstung in Temeswar, durch das Bombardement der Ma­gyaren verursacht, ist über alle Beschreibung schrecklich; die Stadt wurde förmlch zu einer Ruine geschossen. Von der Gar­nison sind während der Belagerung 2400 M. an verschiedenen Krankheiten, meist Typhus und Fieber, gestorben; 300 Mann durch feindliche Geschosse umgekommen; 1400 Mann sind noch krank im Spitale und 600 Mann krank bei den Kompagnien, da sie in dem Spirale keinen Platz haben. Die Festungswerke sind beinahe unversehrt bis auf 3 Facen, welche sehr stark be­schädigt sind. Der Mangel an Schlachtvieh bei der Garnison war schon der Art, daß selbe bereits durch 18 Tage Pferde­fleisch verzehrte. Während der Belagerung ist auch F.M.L. Gläser durch einen Sturz ums Leben gekommen.

Vilagos, wo einer telegraphischen Meldung zufolge Görgey mit seinem Armeekorps die Waffen gestreckt haben soll, liegt in der Nähe Arads; daher hat Görgcy binnen vier Wochen einen Marsch von nahe an 150 Meilen unter den größten Strapatzen und stets von der Uebermacht gedrängt, zurückgelegt. Die Versâumniß von 24 Stunden von seiner Seite hat diesen für die k. k. Waffen so günstigen Erfolg herbeigeführt, während im andern Falle es Görgey gelungen wäre, sich mit den von Temesvar zurückgedrängten, sehr ansehnlichen Streitkräften Bems zu vereinigen.

In einem bei Bem gefundenen Briefe gibt Kossuth noch am 16. Juli die Zahl seiner Truppen auf 173,000 Mann an; außerdem sind hinzuzuzählen: Die Reserve-Eskadron von 18 Husarenregimenter, 7 Jnfanteriebataillone im Errichten, 20,000 Kranke, 60,000 Mann Landsturm und 24,000 Gefangene.

Großbritannien

London, 17. August. Gestern Abend hielt die medizinische Gesellschaft von Süv-London im literarischen Institut (Borough- Road, Southwark) eine außerordentliche Sitzung, um ihre Er­fahrungen über die Natur und medizinische Behandlung der Cholera auszutauschen. Die Berathung war sehr anziehend und unterrichtend und zwar namentlich wegen ihrer, so wider­sprechend es läuten mag, negativen Resultate. Ein Hr. Hughes gestand gegen das Ende der Sitzung, er habe bei dem Eintritt in das Versammlungszimmer wenig über die Cholera gewußt, müsse aber gestehen, daß er jetzt, nachdem die Herren sich aus­gesprochen, noch viel weniger wisse eine Bemerkung, die ein allseitiges beistimmendes Gelächter erregte. Die Ansichten der Aerzte über die Natur und Behandlung dieser räthselhaften Krankheit standen sich schroff und verwirrend gegenüber. Der eine suchte ihren Sitz im Blut, der andere im Nervensystem, der eine hielt sie für ansteckend, der andere für nicht ansteckend, der eine schlug dieses, der andere jenes ganz entgegengesetztes Mittel vor. Ein Dr. Rees, der die Cholerakranken im Ar­beitshause von Bermondsey zu behandeln hat, gestand, er habe so ziemlich alle bisher empfohlenen Heilungsarten durchgeprobt und er wisse nicht, welche von ihnen ein besseres, welche ein schlechteres Resultat ergeben habe. Hr. Waterworth räumte ein, daß seiner Erfahrung nach bei Cholerafällen, wo die Krankheit bereits in das dritte Stadium eingetreten gewesen, mehr Heilungen vorgekommen seyen, wenn gar nichts gethan worden sey, als wenn man sich mit Heilmitteln in den natür­lichen Verlauf der Krankheit eingemischt habe. Was die An- steckbarkeit der Krankheit betrifft, so bestanden sehr verschiedene Ansichten. Einige hielten sie für überaus kontagiös, oder wie käme es denn, daß sie erwiesenermaßen in mehrere See- und Hafenstädte zu Schiffe von außerhalb eingejchleppt worden sey? Andere hielten sie nur im dritten Stadium für kontagiös oder meinten wenigstens, daß die Leichen von Cholerakranken an­steckend seyen, wogegen Dr. Crisp äußerte, die Kontagiosität der Krankheit müsse doch sehr gering seyn, da z. B. auf dem ! Schiffe Tulloch, auf welchem während der Fahrt von Indien nach Europa die Cholera ausgebrochen sey, unter einer Zahl j von 45000 Passagieren und Seeleuten nur zwei Cholerafälle

vorgekommen. Auch andere Aerzte leugneten die Kontagiosität der Seuche und Hr. Dandy meinte, er glaube nicht, daß ein Fall nachzuweisen sey, wo die Krankheit sich Andern durch eine Choleraleiche mitgetheilt habe. Es sey allerdings vorgekommen, meinte einer der Herren, daß in einem und demselben Hause zwei oder drei Personen von der Seuche ergriffen worden seyen, da hätten sich jedoch immer gewisse Gelegenheitsur­sachen Nachweisen lassen, Unreinlichkeit , böse Ausdünstungen u. dergl.

Dagegen sagte Hr. Hughes: es sey ein Irrthum der Zei« tunsgpresse, wenn sie der Ansicht sey, daß schlecht verwahrte Abzugskanäle h. zur Verbreitung der Cholera beitrügen, wo­bei er jedoch hinzusetzte, man müsse allerdings gestehen, daß noch nie in der Hauptstadt so viele übele Gerüche vorhanden gewesen, als seitdem die städtische Gesundheitskommission es über sich genommen habe, die Atmosphäre Londons zu reini­gen. (Heiterkeit.) Eine relative Ansteckungsfähigkeit der Cholera, namentlich in überfüllten und wenig gelüfteten Wohnungen und bei längerem Aufenthalte um den Kranken, gaben die Meisten zu. Noch eine andere Meinungsverschiedenheit machte sich geltend. Während nach der Versicherung der Einen die Cholera in sehr zahlreichen Fällen sofort in ihrer eigenthümli­chen so verderblichen Gestalt erscheint, ohne daß Diarrhoe vor­hergegangen, versicherten Andere, daß solche Fälle äußerst selten vorkämen. Hr. Dandy hatte einen Bericht in seinen Händen, wonach in Süd-Wales unter 963 Cholerafällen nicht weniger als 240 ohne vorhergegangene Diarrhoe sich ereignet hätten. Dagegen versicherte Hr. Mitchell, daß von 120 bis 130 Cho­lerafällen, die er beobachtet, auch nicht einer stattgefunden, der nicht durch längere oder kürzere Zeit andauernde Diarrhoe ein­geleitet worden sey. Hr. Hicks versicherte, daß unter zwanzig Cholerafällen, so weit seine Beobachtung reiche, immer neunzehn aus vernachlässigter Diarrhoe entstanden. Bemerkenswerth war die Beobachtung desselben Arztes, daß die gefährlichsten zu seiner Kenntniß gekommenen Fälle immer diejenigen waren, zu' denen er um 4 Uhr Morgens abgeholt wurde. Schließlich sagte der Vorsitzende, da man in der heutigen Sitzung über die Heilmethode so wenig Bestimmtes erfahren habe, so wisse er nicht, ob eS den Herren genehm seyn würde, wenn er die Versammlung bis über zwei Wochen vertage. Durch Beschluß der Versammlung wurde dieser Antrag genehmigt.

Italien»

Aus Venedig sind in Wien folgende verläßliche Nach­richten vom 6. August eingelaufen: Manin ist zum unum­schränkten Diktator ernannt. Das Elend hat einen hohen Grad erreicht. Es fehlt an Schießpulver, Speise und Trank, ja sogar Wasser und Medizinalien. Maismehl dürfte .noch auf fünf Wochen, Weizenmehl auf höchstens vierzehn Tage vorräthig sein. Die demoralisirten Truppen haben nun gleichsam aus Instinkt das Bedürfniß zu rauben. Im Gairzen liegen hier 9000 Sol­daten, 3500 sind krank und etwa nur 4000 im Stand einen Ausfall zu machen. Tomaseo eifert die Marine fortwährend zum Krieg an. Das Elend zu erhöhen, greift auch noch die Cholera um sich. In Venedig sterben täglich 4060, in Chioggia 3040 Menschen an dieser Krankheit. Die Finanzen sind erschöpft und ohne alle Hülfsguellen. Das Papiergeld ist um 5 Proz. im Werthe gesunken. Die Kaufläden, die Werkstätten sind verödet. Viele Familien sind brod- und ob* 'dachloS. Die Offiziere wollen Manin zu einer Rekrutirung in Masse bewegen. Eine Kundmachung fordert das Volk auf, um Mitternacht mit den Waffen auf dem Platze zu er­scheinen. - (Ll.)

Einer Mittheilung des Viceadmirals Dahlerup vom 11. August zufolge hat das venetianische Geschwader sich in aller Eile unterhalb der Batterien von Malamocco zurückge­zogen, woselbst es wie früher vor Anker liegt.

Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehle

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