Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

t - e E t >

»

.M 196» Sonntag den 19» August

1849»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränumc- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchast Hessen-Homburg und der freien Stadt Franksurr 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungSgebieteS 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Ein Brief Karl Nogt's.

Deutschland. Wiesbaden (Die Veröffentlichung von Aktenstücken im Landtagsblatt). Rasta tt (Böhnings Prozeß und Berurtheilung. Die Gefangenen). Weimar (Göthefest). München (Einberufung des Landtags). Dresden (Baldiger Abmarsch der Preußen). Leipzig (Die Kosten für die preußische Besetzung Sachsens). Berlin (Geldbewilligungen an Beamte). Schleswig (Der Rückmarsch der Preußen). Wien (Zeichen der Nachgiebigkeit in Bezug auf Ungarn. Vom ungarischen Kriegsschauplätze).

Frankreich. Paris (Heinrich von Bordeaur).

Großbritannien. London (Die Expedition zur Aufsuchung Sir I. Franklins mißlungen. L. Blanc über Monarchie und Republik).

Dänemark. Kopenhagen (Die Entschädigungen für Jütland).

Ei« Brief Karl Vogts

Die Deutsche Zeitung schreibt: Unter den Papieren, die sich in Trützschler's Mappe vorgefunden haben, finden sich auch 2 Briefe bekannter Parlamentsmitglieder, die in der standrecht­lichen Verhandlung vom 13. d. verlesen wurden; sie sind zu interessant und charakteristisch, als daß man sie dem größeren Leserkreis vorenthalten sollte.

Der Eine ist ein Brief desReichsregenten" Karl Vogt; derselbe läßt unS trefflich hinter die Koulissen sehen. Die Frivolität und Gemeinheit, die uns an Vogt auch zu der Zeit, wo es Ton war, ihn geistreich und bedeutend zu finden, immer als hervorstechender Zug erschien, die Gewissenlosigkeit und Mißachtung aller Wahrheit und alles Rechts läßt sich zwischen den Zeilen des Vogt'schen Briefes sehr deutlich herauSlesen. Vogt schreibt:

Lieber Trützscher! Joseph war schon beauftragt mit Dir Rücksprache zu nehmen, ob Du wohl ein Kommissorium in die Pfalz annchmcn würdest. Ehe aber die Antwort kommen konnte, mußten wir unS entschließen, Dich zu kommittiren, in der bestimmten Hoffnung, Dich annehmen zu sehen trotz Deiner wichtigen Funktionen in Mannheim, da Du dort er­setzlich, in der Psalz unersetzlich bist. Ich füge Dir gleich noch bei, daß besonders die Pfälzer Westendhall über Deine Ernen- nung heult, während Herr Simon auf deine Person besonders hielt. Wesentlich wurde Deine genaue Bekanntschaft mit d'Ester uns vorgehalten, der allerdings eine üble Einwirkung in der Pfalz übt, da er nur desorganisirt, aber nicht organi- sirt und zu Oktroyirungeu von Gemeindeordnung re. treibt, die theils unklug sind, theils erbittern. Es gibt nichts Bes­seres für eine revolutionäre Regierung als die napoleonische Gemeindeordnung, welche A l l e ö in die Hand der Regierung legt, unb nun geht d'Ester hin unb stellt die reaktionär werdenden G e »i ein den srei! So was ist zum Tollwerden!

Wir hoffen von Dir, daß Du Ordnung schaffst und beson­ders alT die privilegirten Reli gi onsbub en zur Raison bringst, die Jeder nach eignem Kopfe schreien, Niemanden gehör.

chen wollen und alles in Unordnung und Verwirrung bringen. Du bekommst durch Dein Kommissorium eine Art Diktatur wir wissen, daß Du sie so gebrauchen wirst, daß die Revolution sich nicht zersplittert und nicht durch muthwillige Verletzung des gesetzlichen Scheines erbittert, wo keine Roth dazu da ist.

Spezielle Nachrichten wünschten wir über General Sznayde, ob Du sowohl die Verhältnisse in Baden und der Rheinpfalz, als auch den Mann selbst für geeignet hältst, ihn als Ober­befehlshaber an die Spitze der Reichsarmee von unserer Seite zu stellen. Weißt Du einen andern, so bitte ich und die übri­gen Regenten um Rath.

Ganz speziell möchte ich Dich darauf aufmerksam machen, daß Dein erster Schritt die Einberufung einer LandcSversamm, lung seyn muß. Alle Pfälzer sind darüber einig und der Wiverstand gegen die provisorische Regierung stützt sich beson- Vers darauf, daß sie sich nicht mit einer solchen Versammlung umgeben und Geld erhoben haben, ohne diese Versammlung. Dieselbe soll aber ja nicht den Titelkonstituirende," sondern nur Landesversammlung erhalten.

Ferner wird eS sehr dringend, für Bezahlung des ZwangS- anlehens Fristen zu gestatten. DaS Drückende der Maßregel liegt nicht in der Taxation, sondern in der Frist von drei Ta­gen, binnen welcher Leute, wenn sie auch Hunterttausende be­sitzen, Tausende von Gulven beschaffen sollen.

Römer beträgt sich schändlich, aber es bricht unter ihm der Boden. Nur noch ein paar Tage und er sinkt in den Abgrund. Sie beginnen schon, wie cs heißt, Soldaten stanvrechtlich zu erschießen. Herzlichen Gruß von Deinem

Stuttgart, 8. Juni 1849. C. Vogt.

Deutschland.

* Wiesbaden, 18. Aug. In der 26. Kammerfitzung er­klärte Ministerpräsident v. Wintzingerode, er müsse bemer­ken, daß im Landtagsblatte Aktenstücke veröffentlicht seyen, was wohl dadurch möglich geworden, daß dieselben in Bezug auf einen der Landtagsversammlung vorliegenden Gegenstand einge, sehen worden seyen. Die Regierung mißbillige den Vorgang entschieden. (Bravo von der Linken.)

In der folgenden Sitzung legte v. Eck dar, daß der wegen der Pensionirungen und Dienstentlassungen niedergesetzte Aus­schuß die in Rede stehenden Aktenstücke nicht eingefordert habe, und also auch zu deren Veröffentlichung keinen Anlaß gegeben haben könne.

Rastatt, 16. August. (D. Z.) Heute ist Böhning vom Standgerichte zum Tode durch Erschießen verurtheilt worden) Er ist aus Wiesbaden, der Sohn eines Uhrmachers, und gab an, während der Freiheitskriege von 181315 Landwchrlieu- tenant in nassauischen Diensten gewesen zu seyn. Von 182127 war er in Griechenland und lebte nach seiner Rückkehr bis zum Juli 1848 in Wiesbaden von dem Ertrag seines Hauses, welches er an Badegäste vermiethete. Im Juli vorigen Jahres