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ES zirkuliren Privatberichte von einer zwischen dem Paske- witsch'schen Korps und Dembinski engagirten Schlacht in der Nähe von Großwardein. Bei Abgang der Nachricht soll der Kampf bereits den vierten Tag dauern, ohne noch zu einer Entscheidung geführt zu haben. Aulich steht mit seinem JusurgentenkorpS bei Ftzred und das in der Nähe gelegene Kloster Tihany am Plattensee wird stark befestigt. Somit stand der Ausfall aus Komorn mit diesem Korps in keiner Berbindung.

Man erfährt, daß Szemere und Vukovits aus dem ungar. Ministerium getreten sind und ihre Portefeuilles an Baron Perenyi nnd Ryary übergeben haben.

Im Hafen von Polab finden sich bei 100 Schiffe, welche vom österreichischen Blokadegeschwader aufgebracht wurden, weil sie Kriegsmaterialien und Lebensmittel nach Venedig ein­schmuggeln wollten. Es find meistens italienische Schiffe; doch ist auch ein englisches, mit Zucker und Kaffee beladenes Schiff darunter.

Frankreich.

Paris, 11. August. Der gestrige skandalöse Vorfall in der Kammer war eigentlich eine Familienangelegenheit in dop­pelter, aber leider entgegengesetzter Art: Eine Familienange­legenheit der Demokratie, da Ohrfeiger und Geohrfeigte auf derselben Höhe des BergeS bisher in freundnachbarlicher Nähe saßen; eine Familienangelegenheit auch darum, weil Pierre Napoleon, obgleich ein Demokrat, doch die gegen seinen Bluts­verwandten gerichteten rohen und schmählichen Ausfälle nicht ertragen konnte; dieser skandalöse Vorfall versetzt mit Einem Schlag der Demokratie und dem Bonapartismus einen harten Stoß. Denn was auch der Anlaß gewesen seyn mag, Pierre Napoleon mußte zuvörderst die Heiligkeit des Ortes achten und dann auch das Alter dessen, der ihn oder seinen Verwand­ten beleidigt hatte. Die öffentliche Stimme fällt daher, ganz abgesehen von Parteiliebhabereien, ihr unbedingtes und strenges Verdammungsurtheil über ihn, und da derselbe zufälliger Weise der Dynastie Napoleou und der Demokratie zugleich an­gehört, so fällt auf Beide mit Recht oder mit Unrecht, gleichviel, das Gefühl nimmt es überhaupt und in derlei Fäl­len mit dem Urtheile des kalten Verstandes nicht genau, auf besagte Dynastie und die Demokratie, der Rückschlag dieses Urtheils zurück. Ueber den direkten Anlaß der argen Szene ist noch nichts Bestimmtes bekannt; die verschiedenen Versionen weichen bedeutend von einander ab. Das Wahrscheinlichste ist, daß Gastier seinen Nachbar nicht persönlich, sondern nur mit­telbar durch seine Aeßerungen über Louis Napoleon beleidigt hat. Daß er seinen Nachbar nicht einmal gekannt habe, ist kaum glaubwürdig, da Pierre Napoleon, wenn auch keine par­lamentarische Notabilität, doch immerhin ein zu namhaftes Mitglied ist, als daß sein unmittelbarer Nachbar nach mehr als zwei Monaten nicht einmal seinen Namen kennen sollte. Wie dem immer sey, der Präsident der Kammer hat ihm eine Strafe erlassen, und Gastier ist heute in der Sitzung er­schienen , während Pierre Napoleon abwesend, d. h. im Kam­mergefängniß war.

Polen.

Die Presse schreibt: Es ist bemerkenswerth, daß Fürst Schwarzenberg beinahe gleichzeitig mit dem Gesandten der französischen Republik Lamoricière in Warschau eintrifft. Es ist mehr als wahrscheinlich, was seit geraumer Zeit in diplo­matischen Kreisen verlautet, daß sich auS der entente cordiale, welche derzeit zwischen den Kabinetten von Petersburg, Wien und Paris besteht, die Keime eines innigen Bündnisses heraus­bilden dürften. Der Brennpunkt der wesentlichen Interessen dieser Mächte scheint zunächst in Deutschland zu liegen, in dem Lande des Sängers, der bekanntlich sein Vaterland sucht. Aus guter Quelle vernehmen wir, daß Fürst Schwarzenberg beauf­tragt sey, ein festeres Korporationösystem in Betreff der unga­rischen KriegSführung zu erzielen.

Ungarn.

Preßburg, 9. August. In Croatien gibt sich eine all­gemeine Renitenz gegen die Verfassung vom 4. März kund. Der Banatrath, welcher dieselben zur Publikation bringen sollte, dringt auf die Einberufung eines kroatischen Landtags, ohne welchen er die Veröffentlichung der Konstitution außer seiner Befugniß hält. Der Ban wird wohl auf Mittel bedacht sein müssens, um die Sondergelüste seiner Landsleute im Schach zu halten.

Kossuth befindet sich dermalen in der Veste Arad. Die Presse schreibt: Ueber die angebliche Flucht Kossuth's nach Belgrad wird uns folgende, der Wahrheit, wie es scheint, am nächsten kommende Version mitgetheilt: Die Insurgenten, welche die Besatzung Peterwardeins bilden, haben sich durch Parla- mentaire an die Gouverneure von Bosnien und Serbien mir dem Ersuchen gewendet, ihnen im Fall eintretender Nothwen­digkeit die Durchreise ohne Waffen zu gestatten. Kossuth soll diese Unterhandlung eingeleitet haben.

Nachschrift.

Wien, 11. August. DerKonstitutionellen Zeitung" wird unter vorstehendem Datum geschrieben. Eine sehr bedenkliche Stimmung^ zeigt sich im Angesichte der großen Verwicklungen unseres Staates. Zugleich zirkuliren heute trübe Gerüchte über einen Zusammenstoß Dembinski's mit PaskewitsA, die leider, nach dem Stillschweigen der Regierung zu urtheilen, nicht ganz übertrieben scheinen.

5 Uhr. So eben verbreitet sich ziemlich allgemein das Gerücht, die Ungarn hätten bereits Pesth besetzt, die Vorposten derselben seyen über die Waag vorgeschoben und be­drohten gleichzeitig Wien und Preßburg. In letzterer Stadt flüchten bereits viele Einwohner. Privatnachrichten melden sogar, daß Görgey gesiegt.

In einem andern Berichte derselben Zeitung heißt es: Man ist in gespanntester Erwartung, daß Nachrichten aus Ungarn einlaufen allein diese bleiben aus. Die Berichte einzelner Reisenden, welche mit unglaublicher Schnelligkeit im Publikum verbreitet werden, tragen das Ihrige dazu bei. So weiß man, daß Paskewitsch gegen Dembinski eine' Schlacht geschlagen habe, welche mehrere Tage gedauert haben soll. Daß man bis jetzt noch kein Resultat erfuhr, gibt zu ungün­stigen Vermuthungen Anlaß. Gewiß, daß Raab von den Jnsur g ente n besetzt i st, daß die Vorposten derselben bei Wieselburg stehen, die Insel Schütt zum Theil von ihnen beherrscht ist und an der Waag, sowie in den Bergstädten, magyarische Korps ihr Unwesen treiben. Selbst für Oeden- burg fürchtet man ernstlichst. Ein Reisender, der gestern hier eintraf, mußte in Raab die Erlaubniß zur Weiterreise von Klapka selbst zu erwirken.

Paris, 12. August. (O.-P.-A.-Z.) Achtzig Mitglieder der Linken, die Herren Racouchot, Savoye und Greppo an ihrer Spitze, haben einen Antrag in zwei Artikeln niedergelegt, folgenden Inhalts:Die Republik spricht die Anerkennung der Unabhängigkeit und Nationalität Ungarns auS; die voll­ziehende Gewalt hat die erforderlichen Maßregeln zu ergreifen zur Beschützung der Integrität deS ungarischen Bodens gegen fremde Intervention und Invasion." Daß auf diesen Antrag keine Rücksicht genommen werden wird, ist vorauszusehen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl;

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