immatrikuliren, und vor kurzem hat er schon einen zweiten Preis davongetragen.
Louis Philipp scheint wirklich daran zu denken, auf einige Tage die Gräber seiner Familie in Dreur zu besuchen. Auch die gewiß gut unterrichtete „Assemblee Nationale er- wähnt des Gerüchtes. Seit einiger Zeit, heißt es, sei der Graf v. Neuilly von einer tiefen Schwcrmulh befallen und spreche wiederholt den Wunsch aus, vor seinem Tode noch ein- mal an dem Grabe seiner Schwester und seines unglücklichen Sohnes weinen zu dürfen.
Italien.
Einem im „Oesterr. Korr." vom 31. Juli enthaltenen Briefe aus Verona entnehmen wir Folgendes über die Belagerung Venedigs: „Nachdem Venedig bis jetzt allen gewöhnlichen Angriffsmitteln getrotzt hat, werden wir in Kurzem zu außerordentlichen schreiten. Unsere Bombenwürfe erreichten trotz der bis auf 16 Pfund verstärkten Pulverladung der Mörser bei der Distanz von beinahe 2000 Klaftern entweder die Stadt gar nicht, oder nur die Häuserreihe am Ufer. Die feindliche Batterie auf der Eisenbahn, wiederholt durch unser furchtbares Feuer zerstört, ward während der Nacht, wenn auch nothdürftig oft nur mit Wollsäcken, doch immer in der Frühe ausgebessert; die bei Tage demontirten Geschütze sind durch andere ersetzt worden, so daß Morgens alle 7 Geschütze wieder in Thätigkeit waren, obwohl am vorhergehenden Abende die Batterie schweigen mußte. Selbst ein Sturm auf die Batterie, der unter den schwierigsten Verhältnissen unternommen war, hatte die nachhaltigen Wirkungen nicht, auf welche man gefaßt war. Bei der Unzulänglichkeit der bisher angewandten Mittel werden nun neue versucht. Es werden nämlich 24pfündige Kanonen als Mörser benutzt, und aus denselben unter einem Winkel von 45 Grad glühende Kugeln gegen Venedig gewor-. fen. Versuche, zu diesem Zwecke vorgenommen, haben gezeigt, daß die Kugeln auf eine Distanz von 2350 Klafter gehen und mithin ungefähr in die Mitte Venedigs von der Insel Giuliano aus reichen werden. Auf dieser Inlet werden alle Voranstalten SU vieler neuen Beschießung getroffen, so daß dieselbe am 1.
e11rvbreII sind auf festen । Unterlagen, und werden wie Mörser bedient. Auch mit Pair- HanS will man einen ähnlichen Versuch machen.
Während man so den Feinden Unverdauliches zuzuschicken entschlossen ist, will man ihnen noch weiterhin auch das Verdauliche entziehen und auf einen Umkreis von 3 Miglien alles Vieh, Getreide, kurz, alle Viktualien entfernen und jeden, der auf der Zufuhr von Lebensmitteln betreten wird, standrechtlich behandeln, welch letzteres zwar auch schon vordem galt, aber doch nicht immer so streng eingehalten wurde. Dann soll von S. Donna aus bis gegen Bronbolo hin eine Telegraphenlinie inS Leben treten, um mehr Zusammenhang in die Zernirung zu bringen. Die förmliche Belagerung Brondolo's wurde schon am 3. Juli aufgehoben. Jetzt wird'die dortige Gegend möglichst überschwemmt, und die Belagerung wird wieder fortgesetzt, wenn es die Zeit erlaubt, und dieselbe überhaupt nöthig
Nachschrift.
Mannheim, 3. August. (K. Z.) Nächsten Montag beginnt das Kriegsgericht über Trützschler in dem hiesigen Hofgerichtssaal. Hofgerichtsrath Amann ist Ankläger, Anwalt Küchler Vertheidiger. Der Zutritt ist nur gegen Karten gestattet.
Rastatt, 5. August. (Darmst. Z.) In Freiburg werden morgen zwei Exekutionen vollzogen, die Namen konnte ich nicht erfahren. Prof. Kinkel wird Dienstag auf das allerbestimmteste erschossen. Er hatte bei seiner Hierhersendung von Karlsruhe keine Ahnung seines Schicksals, venn er ersuchte den Komman, dant Hrn. v. Brandenstein, er möge ihm, wenn er in 8 Tagen nicht zurück sey, seine Sachen nachschicken. Er war munter und wohl; hier wurde er gestern nach dem kriegsgerichtlichen ‘ Urtheil in einem Wagen, worin 3 Personen saßen, an beiden '
Seiten 3 Soldaten und hinten ein Gendarm, in'S Gefängniß zurückgeleitet.
Gestern waren alle Gefangene in'S Freie geführt, wo sie sich entkleiden mußten, um an ihnen Visitationen über die gestohlenen Gegenstände, die sie bei sich führten, vorzunehmen. Man nahm ihnen alles biö auf 30 kr. baar, die man Jedem ließ. Dr. Welcker hatte 8 Louisd'or und eine goldene Uhr im Werth von 300 fl. Böhning mit seinem langen Bart und Haar soll entkleidet sich ganz gespensterartig ausgenommen haben. Dr. Schenck von Karlsruhe ist ebenfalls hierher tranSportirt. Bis nächsten Samstag soll es hier sehr gereinigt seyn. Den Preußen, deren sich 24 schwer Gravirte unter den Gefangenen befinden, soll es jedenfalls an's Leben gehen.
Berlin, 4. Aug. (O.-P.-A.-Z.) Die Zusammenberufung eines deutschen Reichstags ist gegenwärtig eine der bedeutungsvollsten Angelegenheiten, welche unser Staatsministe-- rium beschäftigen. Diese Angelegenheit möglichst zu fördern, wird aus mehrfachen Gründen als eine Dringlichkeit erkannt. So viel wir erfahren, dürfte der Monat Oktober die Abgeordneten der dem Dreikönigsentwurf beigetretenen Staaten versammelt erblicken. In Betreff des Ortes, wo der Reichstag seinen Sitz haben soll, hat noch leine Einigung stattgefunden, indessen dürfte doch Alles darauf hindeuten, daß nicht in Berlin, sondern in Erfurt der zusammenzuberufende Reichstag tagen werde.
Seit der Aufhebung des Belagerungszustandes ist die hiesige demokratische Partei eifrig bestrebt, sich neu zu organisiren. Nicht minder rührig ist indessen die konservative Partei, die bereits erlangte feste Organisation zu kräftigen und weiter auszudehnen. Zu diesem Behufe hat der konservative Zentralausschuß die Chefscher größeren Kreisvereine und die Vertrauensmänner der sämmtlichen über das Gebiet der Hauptstadt ausgedehnten Bezirksvereine zu einer Generalversammlung, die in der kommenden Woche statthaben wird, zusammenberufen.
Gestern Nachmittag fand die feierliche Einweihung des Treubundes für Preußens Frauen und Jungfrauen in der Singakademie statt. Die Zahl der Bundesmitglieder betrug etwa 140 bis 150, die der Zuhörer 8 bis 10.
Wien. 2. August. Nach den gestern Abends eingetroffe- ßen direkten Nachrichten aus dem Hauptquartier des Feldzeug-" meister Baron Haynau, Felegyhaza vom 30. Juli, haben Angelegenheiten und Pläne der Rebellen-Junta in Szegedin eine obwohl nicht ganz unerwartete Wendung genommen. Flüchtlinge und selbst ranzionirte Soldaten, welche diese Stadt Tags zuvor verlassen hatten, erzählten, Kossuth sey von dem nun nach Giula entflohenen ungarischen Parlamente wegen der jetzigen Zustände hart beschuldigt und eine Diktatur beschlossen worden. Diese Diktatur wurde dem in den Theißgegenden befindlichen Görgey übertragen und Kossuth mußte von seiner Stelle und Würden zurücktreten. Bei den über die Diktatur stattgefundenen Debatten soll Kossuth und seine Frau, die man eine Messaline nannte, heftig angegriffen worden seyn.
Nach Eingang der Nachricht von dem Vorrücken der kais. Armee gegen Szegedin flüchtete sich der ganze Kossuth'sche Anhang und das Parlament gegen Großwardein, allein nachdem sich Marschall Fürst Paskewitsch, der am 29. in Tisza Füred übernachtete, gegen Großwardein bewegt, so wird diese ambulante Regierung vermuthlich in Giula Halt machen. Man kann sich denken, welche Entmuthigung unter den Magyaren die kurzen Verhandlungen in Szegedin erzeugen mußten.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehle
In ä>er L. Schellenbcrg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorrälhig:
Neuer Plan der Stadt Wiesbaden mit Randansich
ten der vorzüglichsten Gebäude der Stadt. Preis 1 fl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nafl. Allg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.