hier in Berlin vorgeht, nicht über Hamburg beziehen, — der Kreuzzeitung gegenüber aber, daß wir, wenn wir Nachrichten von solcher Bedeutung geben, ffe nur aus bester Quelle zu schöpfen pflegen. — Herr Balemann wird morgen mit dem Herrn von Reedtz eine Besprechung haben; Montag hat er Audienz bei Sr. Maj, dem Könige. Am 8. d. M. werden die schleswig-holsteinischen Truppen ihre Kantonnements diesseits der Eider bezogen haben.
Berlin, 2. Aug. Ein leitender Artikel der Voss. Zeitung zählt unter den zur zweiten Kammer Gewählten nur etwa 20 Absolutisten zusammen, und spricht die Hoffnung aus, daß die Kammer nicht in zwei feindliche Lager zerfallen, sondern sich „nach der Mitte hin sammeln" werde.
Norderney, 2. August. chW. Z.) Die hier, wie in anderen deutschen Badeörteru, vermöge Reichsbeschlusses aufgehobene Spielbank ist zwar aus dem Konversationshause verschwunden, wird jedoch, wie man hört, in Privatzirkeln ruhig fortgesetzt.
Schleswig-Holstein. (W. Z.) Näheres über die Differenzen wegen der Demarkationslinie und über die dänischer Seits verweigerte Auslieferung der schleswig-holsteinischen Gefangenen erfahren wir heute nicht; es ist wohl nur eine sanguinische Hoffnung, die jeder Begründung ermangelt, wenn die „Nordd. fr. Pr." mittheilt, daß die Reichstruppen wieder nach Norden marschiren sollten, wenn die Dänen nicht nachgeben. Bis jetzt wenigstens scheint sich eine Sistirung des Rückmarsches nicht zu bestätigen. — Der König von Dänemark hat eine Proklamation an seine „treuen Jüten" erlassen, in welcher er ihnen dankt für die Geduld, die Ausdauer und das unerschütterliche Zutrauen zur rechten Sache, womit sie in beiden Jahren die schweren Kriegslasten getragen und worin er seine Absicht ausspricht, dem noch in diesem Jahr zusammentretenden Reichstag einen Gesetzesvorschlag vorlegen zu lassen, der ihnen Erstattung für die erlittenen Verluste durch Verthei- lung derselben auf alle Bürger des. Landes zusichert. — Die dänischen Blätter überhäufen General v. Prittwitz und die Preußen mit Liebkosungen aller Art, während die Schmähungen gegen die schleswig-holsteinischen Rebellen mit neuer Stärke erwachen. Allein der „Kreuzzeitung" thun sie's doch nicht gleich.
Hadersleben, 2. Aug. (A. M.) Hadersleben hat sich wiederum vortrefflich bewährt. — Die Preußen sind in vollkommenster — Ruhe durchgezogen, und die hier bleibenden werden gut gespeist ic. — Viele deutsche Kokarden sind unterwegs verloren gegangen, auch einzelne preußische; dänische haben wir nicht gejehen. Es hatten sich unter den durchziehenden Preußen Einzelne mit Rosen geschmückt. Daß Einzelne der Preußen ihre Lage und Stellung den Herzogthümern gegenüber tief fühlten, soll nicht geleugnet werden. Ein Beispiel mag zum Belege dienen: in einem unserer Lazarethe geht, wie dies täglich überall geschieht, eine, unserer Frauen Nachmittags umher, und theilte Früchte, diesmal Kirschen, bei den einzelnen Betten aus. Ein Kranker erklärt: „Ich soll keine haben!" — und wiederholt, trotz ihrer Antwort: „Der Arzt hat es nicht verboten!" dieselbe Erklärung drei Mal. Die Spenderin bleibt stehen und fragt: „Weßhalb sollen Sie denn keine haben?" — worauf sie zur Antwort bekommt: „Wir Preußen haben die Siebe und Güte der Frauen Schleswig-Holsteins wahrlich nicht verdient!"
— Nach dem „Alt. M." tragen einzelne der aus Jütland heimkehrendèn preußischen Soldaten neben ihrer eigenen die dänische Kokarde; etwa 20 Preußen, die Hadersleben passirten, ließen sogar einen Dancbrog wehen. Der „Ostsee-Telegraph" berichtet aus Flensburg: „Es kam hier in diesen Tagen vor, daß bayerische und schleswig-holsteinische Soldaten, tie' juqiei^ mit preußischen von hier befördert werben sollten, sich weigerten, mit letzteren auf einem und demselben Wagen zu fahren, und als man Anstand nahm, hierin eine Abänderung zu tref, fen, eS vorzogen, die Tour zu Fuß zu machen. Sachsen weigerten sich, mit Preußen gemeinschaftlich ein Quartier zu nehmen, und so noch viele andere ähnliche Fälle." — Hoffentlich liegt diesen betrübenden Erzählungen Uebertreibung zum Grunde. Was die Kokarden anlangt, so sind bekanntlich die kurhessischen wie die dänischen roth-weiß.
Wien. (O.-P.-A.-Z.) Nach einer so eben eingelangten j telegraphischen Depejche von Triest wurde in der Nacht vom
29. auf den 30. d. M. um 11% Uhr mit der Beschießung von Venedig mit glühenden Kugeln begonnen, und wird selbe mit aller Kraft fortgesetzt; der Feind erwiederte nur schwach das Feuer.
Schweiz.
Bern, 3. August. Wie ich aus sehr glaubwürdiger Quelle vernommen, soll der französische Gesandte dem Bundespräsidenten von Seite seiner Regierung eröffnet haben: 1) Er rathe zu einer schnellen Ausgleichung der Konflikte mit Deutschland und zwar â toul prix; 2) die Schweiz habe keinerlci Unterstützung von Frankreich zu erwarten; 3) Frankreich sehe die angeordnete Bewaffnung ungern, indem dieselbe nur unnöthig aufrege und dem ésprit revolutionäre neue Nahrung oder Hoffnung gebe. — Reinhardt soll bei dieser Eröffnung übrigens höchst bescheiden aufgetreten seyn. Wir haben von Frankreich nie etwas anderes als Neutralität verlangt und erwartet.
Frankreich.
Paris, 3. August. Einen ausführlichen Bericht über die Reise des Präsidenten begleitet der heutige „Moniteur" mit einigen Betrachtungen, die offenbar aus der Feder des Herrn Dufaure geflossen sind. Wir geben daraus folgende Stellen: „Der Präsident der Republik hat einige der Haupt-Departements des Ostens durchreist. Auf diesem schnellen Ausfluge hat er Orleans, Blois, Tours, Saumur, Angers und Nantes besucht; in allen diesen Städten hat er von der Bevölkerung lebhafte Beweise ihrer Anhänglichkeit an die Republik und an seine Person empfangen." „Diese Reise, welche noch vor einigen Tagen als das Vorspiel einer bevorstehenden Verletzung der Konstitution dargestellt wurde, widerlegt auf das glänzendste die widersinnigen Gerüchte, die die öffentliche Meinung beunruhigt hatten." „Der Präsident der Republik hat verschiedene Male Gelegenheit gehabt, Worte auszusprechen, welche ohne Zweifel einen glücklichen Nachklang in dem Lande haben, und die Unruhe, welche man durch unwürdige Mittel zu verbreiten sich bemüht, verschwinden laffeir-twr^n."-----
Seit einigen Tagen legt man auf der Nordeisenbahn Uhren an, welche durch einen Draht mit dem Telegraphen verbunden find, und wodurch man auf der ganzen Linie die mittlere Zeit von Paris erfahren kann. — Die „Debats" verlegen die Zusammenkunft der Mitglieder des Hauses Rothschild nach Homburg vor der Höhe, mit dem Zusatze, daß daS k. sardinische Anlehen auf dem Punkte sei, abgeschlossen zu werden, und daß man sich sodann mit dem österreichischen Anlehen beschäftigen werde.
Paris, 31. Juli. Herr Guiz ot weilt gegenwärtig in schriftstellerischer Zurückgezogenheit auf seinem bescheidenen Gütchen Nal-Richer, beschäftigt mit einer neuen Ausgabe seiner „Geschichte Englands" und nebenher mit Hühnerzucht, Baum- pflanzungen, Mil hwirthschaft und anderen ländlichen Bestre, bringen. Zu dem oben erwähnten Werke hat Guizot, welcher sein Amt nicht benutzte, um reich zu werden, einen besonderen Antrieb in dem Wunsche, seinem Sohne, einem sechszehnjährigen Jünglinge von den außerordentlichsten Talenten, eine unabhängige Eristenz zu sichern. Er bekommt blos für die Einleitung, _pie einen mäßigen Band füllen wird, ein Honorar von 23,000 Francs. Leute, welche das Manuscript gesehen haben, fließen über von Lob über den interessanten Inhalt desselben. Guizot vertheidigt in demselben die Julirevolution als einen Sieg des gallisch-romanischen über das fränkische, d. h. des bürgerlichen über das feudale Frankreich; die Mittelklassen find ihm die Träger aller wahren Zivilisation und Wohlfahrt, und als ihren besten Repräsentanten ehrt er den Thron, welchen die Julirevolution aufrichtete. Er ist überzeugt, daß die Mittelklassen am Ende siegreich aus dem jetzigen Kampfe hervorgehen werden; er verficht- mit Begeisterung den Satz, daß die Masse deS Volks in Elend verkommen muß ohne die Herrschaft des Bürgerstandes, und er prophezeit, daß früher oder später, sei es morgen, sei es über 20 Jahre, der Graf von Paris oder dessen Erbe König der Franzosen sein werde.— Guizot's Sohn, den sein Vater vergöttert, studirt auf einer englischen Universität, welche zu seinen Gunsten vorigen Sommer eine Ausnahme von der Regel machte, keinen Jüngling unter 16 Jahren zu