Nassauische
Allgemeine Zeitung.
J|£ L82. Freitag den S Auguft
18L»
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwaltungâgebieteS 8 fl. 1O fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen« berg'scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Dienstnachrichten.
Nichtamtlicher Theil.
Unsere Finanzen.
Zusammenstellung der dermalen im Herzogthum Nassau bestehenden Verfassung.
Deutschland. Wiesbaden (Vereinigung des Deutschen Vereins und des Bürger-Vereins). — AuS dem Camberger Grund (Kirchen- raub). — Berlin (Die Kreuz-Zeitung über die Wahlen. Kinkel und Willich. Die Aufhebung des Belagerungsstandes). — Wien (Vom ungarischen Kriegsschauplätze).
Nachschrift.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Amtlicher Theil.
Dem provisorischen Lehrvikar Geck in Mittelhofen ist die dasige Lehrvikarstelle definitiv übertragen worden.
Der Forstakzessist Reiz von Schönbach ist in gleicher Eigenschaft an die Oberförsterei Idstein versetzt und der Forst- kandidat Hatzfeld von Driedorf zum Akzcssisten bei der Ober- försterei Schönbach ernannt worden.
Berichtigung. In dem Amtlichen Theile der gestrigen Nummer unseres Blattes haben sich auf der dritten Spalte zwei Druckfehler eingeschlichen. Es muß nämlich Zeile 2 von oben heißen: statt 537,800 fl. — 538,800 fl. und Zeile 29 statt 470,417 fl. — 460,417 fl.
Nichtamtlicher Theil.
^Unsere Finanzen.
Zu unserm größten Leidwesen haben sich unsere Voraussagungen über den Stand der Nassauischen Finanzen vollständig bestätigt. Im vorigen Jahre halten wir ein großes Defizit, in diesem Jahre haben wir kein kleines. Ungefähr 500,000 fl. sind zu decken. Demzufolge hat die Regierung ein fünftes Simpel (?) zu erheben vorgeschlagen, um den Dienst nicht ganz zu stören. Soll Alles durch Steuern gedeckt werden, so würden wir lieber, wie ein Westerwälder Korrespondent in Nr. 176, sechs Simpel vorschlagen, um den Kassendienst gar nicht zu hemmen und den Kredit aufrecht zu erhalten. ES fragt sich nur, ist eine solche Steueranforderung unumgänglich nothwendig? oder gibt es noch Wege, einem so verzweifelten Heilmittel zu entgehen? Denn die Anforderung von vier Simpeln wird bei dieser nahrungslosen Zeit schon böses Blut genug machen; 5 oder 6 StaatSsimpel allein, ohn« .Gemeindeumlagen und indirekte Steuern würden manchen Hausstand ruiniren
und wie einst Kaiser Karl V. von Heinrich des VIII. Säkularisationen richtig voraussagte, die Henne todtschlagen, welche die goldnen Eier legt. Bei der Steuererhebung macht 2 mal 2 nicht immer 4, sondern bei übermäßigen Auflagen kaum 3. Ein Ruin des Landes würde ohne günstige Zufälle die Folge dieser Maßregel seyn, denn bessere Zeiten für Handel und Wandel im Ganzen sind wegen der deutschen Politik ftbalv nicht zu hoffen. Ich glaube, eine Mediatistrung Naffau'S würde die letzte Folge von 6 Simpeln seyn , wenn für 1850 noch ein erhöhter Militäretat wie bisher nothwendig seyn sollte. Ferner dürfen wir unsern Kindern, die unsere Erbschaft antreten, auch etwas zu zahlen lassen, denn sie werden doch unsere Märzerrungenschaften nicht cum beneficio in- ventarii antreten wollen oder können. Also soll eine Anleihe gemacht werden ? Ich glaube auch dies verneinen zu müssen. Wir haben erst im vorigen Jahre ein schön Sümmchen geliehen, leihen wir schon wieder, so ist eS zu höheren Prozenten und stärkerer Provision und mit noch größeren Schwierigkeiten in Beziehung aus Rückzahlung. Auch würde der nassauische Kredit im Auslande nicht gerade dabei gewinnen. Und wer wird uns leihen? Wird Herr von Rothschild zu Frankfurt nicht bald unsre Politik so leiten, wie cs dessen Vetter zu Paris unter Louis Philipp in Frankreich zu Louis Philipp'S und Frankreichs Verderben gethan hat? Zudem haben wir immer eine gewisse Deckung für das Defizit in Ausständen, denn die etwa in Aussicht gestellte Einnahmevermehrung an indirekten Gefällen ober Domänenüberschüssen, oder am Antheile an dem durch die badische Revolution wohl vielfach verkürzten Vereins, zoll dürfte ziemlich illujorisch seyn.
Leider besteht nun diese Deckung in Rückständen, welche dann gerade noch nicht eingetrieben seyn möchten, wenn die Kassen zahlen müssen. Es wäre demnach, obwohl wir an Papiergeld eben keinen Mangel leiden, eine Ausgabe unverzinslicher Scheine bis zum Betrage von 500,000 fl. das Beste, was sich in unserer mißlichen Lage thun läßt; freilich müßte das Gesetz über die Ausgabe die Klausel enthalten, daß am 1. September 1850 die auf dem Papier eigens als momentane Aushilfe bezeichneten 500,000 fl. eingelöst werden müßten, damit unser Geldmarkt nicht mit Papier auf längere Zeit überschwemmt würde. Eine einmalige auf kurze Frist gemachte Ausgabe solcher Schatzscheine wird den Dienst in diesem Jahre und am Beginne deS folgenden im Gange halten, während die Rückstände eingehen. Und sollte kein anderer Staat wider Erwarten diese Scheine nehmen, so wird Nassau seinem Kredit zu liebe, diese 500,000 fl. in eigenem Lande als gemeingültiges Zahlungsmittel gern annehmen. Sollte jedoch der unerhörte Fall eintreten, daß das eigene Land dieses Rettungsmittel ver, schmähte, indem cS die Ausgabe dieser unverzinslichen Papiere verweigert, so gebe man als endliches Zahlungsmittel verzinsliche Schatzscheine bis zu 500,000 fl. aus, aber nicht unter dem Betrage von 5 fl., die sich nur durch einen einjährigen Prozentsatz wu allenfalls 3 Prozent von dem unverzinslichen Papiergelde unterscheiden, und ich meine, daß dies immer noch »effer als eint Anleihe oder die Erhebung von 5 — 6 Simpeln st, zumal, da mit bem 1. September 1830 dies auf die Rückstände von 1849 fundirte Papiergeld wieder eingezogen werden