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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 179»

Dienstag den 31» Juli

18419.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Tburn- und Tariâschen BerwaltungSaebietes 3 fL 1O kr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit S fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­der g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Nassau in der Schleswig-Holsteinischen Frage.

Deutschland. Wiesbaden (Rückkehr der Truppen aus Schleswig-

Holstein. Zur Charakteristik eines Abgeordneten). Idstein und Dil­

lenburg (Der Geburtstag des Herzogs). Aus dem Amte Runkel

(Kreiârathswahl. Vermischtes). Ulm (Die Reise des Königs). Gotha (Der Landtag). Berlin (Das Disziplinargesetz für den Richterstand. Militärcrzeß). Schleswig-Holstein (Die Waffen­stillstandsregierung). Kiel (Schreiben des Grafen von Brandenburg an die Statthalterschaft). Wien (Vom ungarischen Kriegsschauplätze).

Ungarn. Pesth (Vom Kriegsschauplätze).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Großbritannien. London (Cobden über Rußland).

** Nassau in der Schleswig-Holsteinischen Frage.

Vom Westerwald. Mit wahrer Genugthuung habe ich den Antrag von Großmann in der SchleSwig-Holsteinischen Angelegenheit gelesen und dessen Annahme mit Freuden be­grüßt. Eine solche Uebereinstimmung unserer Kammer in einer so ächt deutschen Frage hat gewiß wie bei mir überall einen sehr erhebenden und versöhnenden Eindruck gemacht und wird nicht verfehlen, ihre guten Früchte zu tragen.

Ich kenne zwar die näheren Motive noch nicht, welche der Abgeordnete Großmann seinem patriotischen Anträge zu Grunde geletzt hat; die Formulirung des Antrâgs selbst läßt aber keinen Zweifel darüber, daß diese Motive durchaus reiner Stator sind und weder darauf hinauSgehen, einem Partheiin- teresse zu stöhnen, noch der Regierung zwecklose Verlegenheiten zu bereiten oder gar unsere Stellung der allgemein deutschen Frage gegenüber zu isoliren und zu kompromitliren. Wir kön­nen uns Glück wünschen, daß unsere Volksvertretung im rich­tigen Momente und mit einmüthigem Sinn, in einer so rein deut, schen Sache sich ausgesprochen hat.

Obgleich ich die Schleswig-Holsteinische Angelegenheit nur als eine höchst unglückliche für Deutschland betrachten kann, deren Folgen noch eine große und unbestimmbare Tragweite haben können, ohne daß für Deutschland nur ein einigermaßen entsprechendes Resultat zu erlangen seyn wird, so muß ich doch dafür halten, daß die Ehre und das Ansehen der deutschen Nation es erfordern, wenigstens dahin zu trachten, das Erreich­bare zu gewinnen.

Hierbei tritt aber in seiner ganzen, beklagenswerthen Größe der traurige Zustand der Zentralgewalt in den Vordergrund, die zu dem Schatten eines Schattens eingeschrumpft, auch nicht einmal in ihrer nächsten Nähe mehr eine Berücksichtigung zu Ènden scheint. Ich muß gestehen, daß mich die rücksichtslose ieiseitesetzung der Zentralgewalt bei den Verhandlungen in der SchleSwig-Holsteinischen Frage, welche in unserer Kammer geführt und einen sonst so befriedigenden Verlauf nahmen, tief geschmerzt hat.

Meines Wissens hat die Zentralgewalt immer nur im wahrhaft deutschen Interesse gehandelt, und cs nicht verschuldet, daß sie nunmehr von Groß und Klein ignorirt und im Stiche gelassen wird. Wohl aber wäre sie in der jetzigen, unsere Zukunft gebührenden Zeit, ein gemeinschaftlicher Anhaltspunkt für die kleineren Staaten, in der sie ein Organ finden wür­den, das sie allein noch gegen die Uebergriffe der größeren Staaten zu schützen vermag. In der Schleswig-Holsteinischen Angelegenheit dürfte sie wohl im Stande seyn, bei gehöriger Unterstützung durch die kleineren Staaten, die die Ehre unv das Ansehen Deutschlands in dem preußischen Waffenstillstände gefährdet glauben, ein kräftiges Wort mitzusprechen. Wie dieses aber ohne die Zentralgewalt geschehen soll, ist nicht wohl ein- zusehen; denn ehe eine imponirende Einigung im ander« Sinne zu Stande gekommen seyn wird, ist die Sache längst abgethan und die Manifestation unserer Kammer eine Stimme in der Wüste gewesen, die uns höchstens einen ungnädige« Wischer von Preußen eintragen wird. Es ist unter den gege­benen Umständen nicht daran zu denken, daß Preußen ohne Dazwijchenkunft einer geschlossenen Willensäußerung von Sei­ten der kleineren Staaten, sich in dieser verhängnißvollen Frage zu einiger Nachgiebigkeit und kraftvollerem Auftreten gegen Dänemark herbeilassen wird. Wohl wird eS aber die Unter­stützung, welche einzelne kleinere Staaten den Schleswig-Hol­steinern in einem weiteren Kampfe gegen Dänemark leiste« möchten, nicht wirksam werden lassen.

Die Unterhandlungen, welche gegenwärtig zwischen Nassarr und Preußen in Ansehung der deutschen Frage schweben, könn­ten auch in dieser Sache noch zu weiteren Betrachtungen führen, die gerade nicht viel Tröstliches für unsere Zukunft dar- bieten würden. Ich will dieses aber im Vertrauen auf unsere Regierung und die gemäßigte Mehrheit unserer Ständekammer, die zusammen wohl den richtigen Weg einschlagen werden, um uns von einem gefährlichen Dilemma zu bewahren, unter­lassen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 30. Juli. Die Rückkehr unsers bereits auf dem Marsche befindlichen Truppenkontingents aus Schles­wig-Holstein wird bis zum 8. August erwartet. Seine Hoheit der Herzog soll bereits in den nächsten Tagen in Biebrich er­wartet werden.

5 Wiesbaden, 28. Juli. Die heutige Sitzung des Land­tags, worin die dcursche Frage auf der Tagesordnung stand, machte im Allgemeinen auf die Zuhörer einen guten Eindruck durch die dem Gegenstand angemessene Würde und den seit lange vermißten parlamentarischen Takt der Verhandlungen. Namentlich konnten auch nur wenig Redner der Unsitte, sich in derselben Sitzung über denselben Gegenstand zwei­und mehrmals hören zu lassen, nicht entsagen, ja selbst der allzeit geschwätzige Abg. Wimpf trat heute blos dreimal auf, und erregte nur einmal das seinen Reden sonst so gern folgende allgemeine Gelächter.