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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M L78. Sonntag den 29* Juli 1849.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationsbreis ist in Wiesbaven, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerwalkungSgebieteS 2 fL 1O fr. __Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­der g'sche» Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienstnachvichten.

Nichtamtlicher Theil.

Der König von Preussen.

Die Freiheit in Nordamerika.

Deutschland. Wiesbaden (Organissrung des Vereinswesens im Sinne der Gothaer Beschlüsse. Der Bonifaciusvcrein. Die Kisten des Frei- schaarenhauptmanns Böhning. Die Verwaltung der Lokalvolizei durch den Gemeinderath). Eltv ille (Die Kreisbezirksrathswahl). Ha­damar (Der Geburtstag des Herzogs). Hachenburg (Die Sache deS Dr. Lange. Zusammenrottung). Freiburg (Der Prinz von Preußen). Berlin (Ausspruch des Königs über den Treubund).

Hamburg (Untergang eines Dampfschiffs).

Schweiz. Bern (Der erste Bundesauszug aufgeboten).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Nachschrift.

Amtlicher Theil.

Dem provisorischen Lehrvikar Grün in Neuweilnau ist die Lehrvikarstelle daselbst definitiv übertragen worden.

Dem provisorischen Lehrvikar Müller in Astert ist die dasige Schulstelle definitiv übertragen worden.

Dem provisorischen Lehrgehülsen Siebel in Rennerod ist die dasige Lehrgehülfenstelle definitiv übertragen worden.

Nichtamtlicher Theil.

Der König von Preußen.

Oben an in den politischen Einflüssen und Parteiungen am Berliner Hofe stehi der König mit seinen persönlichen Wünschen und Neigungen, denn wenn wir gleich seit der Be­wegung des vorigen Jahres den Namen und wohl auch daS Schema der konstitulionellen Staatsform haben, es fehlt uns der konstitutionelle Geist und der persönliche Wille des Königs, namentlich repräsentirt durch einen solchen Charakter wie der deS gegenwärtigen Trägers der Krone, bildet daher noch immer das hauptsächlich bestimmende Moment.

Der König persönlich will die deutsche Einheit, freilich eine Einheit in seinem Sinne; er glüht noch mehr für die Größe seines Hauses, für deren Hebung er sich berufen glaubt; vor Allem aber will er die ungeschmälerte Machtvollkommen­heit der Fürstenhoheit, und die Bedeutung der in feierlicher Stunde gesprochenen Worte:ich trage meine Krone zu Lehen

von Gott, und es steht mir wohl an, zu sagen, wehe dem, der mir daran rührt," war nur für einen Augenblick durch zwin­gende Umstände zurückgedrängt und steht jetzt wieder in voller Kraft da.

Nach dieser Graduation bedingt sich nun also auch daS Handeln des Königs; er wird die deutsche Einheit fördern, er wird sie fördern als ein Mittel zur Hebung seines Hauses, kann er aber Beides nicht ohne Schmälerung fürstlicher Hoheit, so wird er vor Allem diese halten, mag darüber auch die deutsche Einheit unerreicht bleiben oder nur wiederum zu der alten Bundes- und Polizei-Einheit führen. Er bleibt bei der Ueberzeugung, daß Oesterreich und Preußen noch immer Hand in Hand gehen müssen, zur Bekämpfung der Revolution , daß ein Zusammenstoß zwischen ihnen dieser letzteren neue Kraft geben und nicht blos mit der Verdunkelung eines dieser fürst­lichen Häuser endigen, sondern beide zum Falle bringen könnte, und deßhalb ist er persönlich für jetzt entschieden gegen jeden Bruch mit Oesterreich.

Es gesellt sich hierzu die vermittelnde Stellung der Köni­gin, wichtig vornehmlich bei dem reichen GemüthSleben, wel­ches im Schooße der königlichen Familie herrscht, wo manche der inhaltsschweren Entschließungen influenzirt werden mögen auf den einsamen Spaziergängen, die der König im braunen Oberrock und breitgekrämpten Hut am Arme der Königin im Garten von Sanssouci zu machen liebt. Die Königin aber birgt hinter weichem Gemüth denselben fürstlichen LegitimitätS- Eifer, sie ist überdem eine Tochter des WittelSbachischen Hau­ses, und wie sehr auch immer gekettet an das Geschick der Hohenzollern, sie hat ihre Liebe ungeschmälert ihrem Ursprünge erhalten, und möchte um keinen Preis das katholische Bayern und Oesterreich mit Deutschlands protestantischer Großmacht im Kampfe entbrennt sehen.

Anders die Prinzen des königlichen Hauses; sie sind spe­zifisch preußisch, und was soldatischer Sinn dazu thun kann, Kriegslust zu wecken, daS lebt in den Wünschen wie in den Gewohnheiten der Brüder deS Königs. Nur ein Moment wirkt hierbei mildernd ein: die Söhne Friedrich Wilhelms III. sind in strenger Unterordnung unter den Willen ihres VaterS erzogen, und die Worte des Testaments des lctzverstorbenen Königs, in denen er an dem engern Bündniß der nordischen Großmächte nicht zu lockern gebietet, setzen ihrem Willen da­her insoweit es gegen Oesterreich gerichtet ist, eine beengende Schranke entgegen; nur bei einer Lebensfrage wollen sie deß­halb den Bruch, und ob die jetzige Verwickelung mit Oester­reich als eine solche zu betrachten sey, darüber mag das Urtheil sich noch nicht feststellen lassen. (W.-Z.)

Die Freiheit in Nordamerika.

Der bekannte französische Publizist und National-Oekonom Michel Chevalier hat in diesen Tagen sich in sehr unter, richtender Weise über dieFreiheit in den Vereinigten Staaten Nordamerikas" vernehmen lassen. Er schil,