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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^L 176,

Freitag den 27. Juli

18419.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in WieSbaven, für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, des, GroßherzogthumS und KurfürstenthuniS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen VerivaltungSgebieteS S fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitjeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der nassauische Finanzetat pro 184».

Die Uebergabe von Nastatt.

Deutschland. AuS der Lahngegeiid (Die materiellen Interessen

Nassaus und der Bund der drei Könige). Karlsruhe (Die angeb­liche Beschlagnahme schweizerischen EigenthuniS). Bon der Nieder­elbe (Rüstungen in den Herzogthümern. Die Universität Kiel). Dänemark. Kopenhagen (Die Behandlung der Gefangenen). Nachschrift.

** Der nassauische Finanzetat pro 1849.

Vom Westerwald. Es ist mir lange nichts Niederschla, genderes zu Gesicht gekommen, als der nüchterne, anspruchslose, aber doch so anspruchsvolle Bericht über den Einnahme-Etat und daS SraatsrechnungSwescn pro 1849. Dieser Bericht ist die traurigste Leichenrede auf unsere glorreiche Erhebung und zugleich eine Märzcrrungenschafl der solidesten Natur, die unsere Finanzlage aber sehr unsolid erscheinen läßt.

Zwei Millionen achtmalhundcrttausend Gulden pro 1849 um wieder auf's Laufende zu kommen! Um diese zu decken, waren 6 Steuersimpel außer den indirekten Steuern und den Zolleinnahmen erforderlich.

Es belaufen sich demnach die Ausgaben um ungefähr 700,000 fl. oder um */4 höher, als in normalen Jahren, was eigentlich so beängstigend nicht wäre, wenn nicht täglich die Quellen mehr versiegten, auS denen die Staatsmittel geschöpft werden Mssen und nicht noch ein stärkeres Anwachsen deS Budgets in Aussicht stände.

Mit wahrem Schrecken habe ich in dem Berichte die trockene Bemerkung gelesen, daß 400,000 fl. an rückständigen Annuitäten aus der Zehntablösung ic. noch mit zur Deckung des Defizits verwendet werden sollen. Diese Verwendung kann nur eine schädliche seyn, denn sie ist eine Vergeudung deö S^atsvermogens. Sie ist aber auch eine ungesetzliche, da eS nicht in den Befugnissen der Ständekammer liegen kann, die­ses Vermögen anzugreifen; sie aber wohl die Pflicht hat, das­selbe wenigstens ungeschmälert zu erhalten, wenn nicht zu ver­mehren.

r ^"/ sisch die Früchte der Rechtsverletzungen, die sich un­sere Stanbekammer in dem famosen Zehntgesetze hat zu Schulden kommen lasten. Sie werden sich an unserm Lande schrecklich rachen, denn wer das strikte Recht nur um Haarbreite verläßt, der findet keinen Boden mehr.

.. werden eS erleben, daß in Folge dieser Finanzwirth-

°S bald auch an andere FondS geht, um dem schreienden Bedürfnisse abzuhelfen und wir immer näher dem StaatSban- terott gebracht werden, wenn sich nicht die Regierung ermannt und diesem Verfahren einen Damm entgegensetzt.

Die Kammer will volksthümlich bleiben und deßhalb nur knappe Steuern bewilligen und die Linke gar keine, waS noch

wohlfeiler und ohne Zweifel am volksthümlichsten ist. Man kann sich keine schlimmere Wirthschaft denken.

Wäre ich die Kammermajorität, ich würde einfach sagen:

A. Ausgaben.

1) Für 13 Positionen....... 2,540,000 fl,

2) Für 3 weitere Positionen .... 260,000 Zusammen . . 2,800,000 '

B. Einnahme.

1) Einnahme auS dem Vereinszoll . . 450,000

2) An indirekten Steuern . . . . . 700,000

3) muthmaßlicher Ueberschuß aus den Do- manialEinkünften...... 000,000

4) An scharf beizutreibenden rückständigen Steuern.......... 250,000

5) 6 Steuersimpel........ 1,560,000

2,960,000 Hiervon ab die Ausgaben mit ... . 2,800,000

Bleiben Reserve........ 160,000 welche in 1850 übertragen werden sollen. Punktum!

Das wäre vielleicht hart, aber ehrlich und im wahren StaatS-Jnteresse recht gehandelt, denn, wenn der Hund sich wälzt, muß er Haare lassen und ich bin überzeugt davon, ich würde mich verdienter um unser Land machen, als all die Finanztrödler, welche um ihre armselige Popularität zu retten, in allen Staatsfonds herumgreifen und das schwer belastete Finanzschiff immer tiefer in die Sandbank rennen, auf die eS gerathen ist, anstatt es mit männlicher Kraft wieder flott zu machen.

Die Uebergabe von Rastatt.

Aus der Deutschen Zeitung stellen wir folgende Detail­berichte zusammen, die sich zu einem anschaulichen Bilde grüp- piren:

Kuppenheim, 22. Juli. Eine solche Spannung hinsicht­lich Rastatts hatte sich noch niemals in dem Grade aller Ge, müther bemächtigt, wie heute. Um zwei Uhr Nachmittags soll­ten Unterhandlungen staltfinden, und um zwölf hieß cch mit einem Male, der Major Hindersin fev plötzlich ohne alle Be­dingungen freigegeben. Die Freude wurde natürlich noch ge­steigert durch den Gedanken, daß die Entlassung nur der glück, liche Anfang zur Uebergabe sey. Um zwei Uhr trafen die Be, vollmächtigien zusammen; Corvin, derselbe, der die Reise ins Oberland gemacht, von Seiten der Festung, der General v. d. Gröben von Seiten der Belagerer. Der Prinz von Preußen befand sich in der Nähe, nahm aber keinen unmittelbaren An, theil an der Unterredung, sondern ließ sich nur von dem Ge­neral berichten. Corvin gestand ein, daß jeder Widerstand zwecklos, daß er für seine Person sehr bereitwillig zur Ueber- gäbe sey; nur müsse er wissen, welches Schicksal die Freischär, ler erwarte, oder, wie er sich ausdrückte,die in der Festung befindlichen Fremden." General v. d. Gröben lehnte jede-