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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J^ L7S Donnerstag den 2«. Juli 18419»

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationSpreiS ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogtbumS Nassau, des GroßherzogtbumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 ft., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitjeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen­berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Dienftnachrichten.

Nichtamtlicher Theil.

Die Versammlung der Pinsvcrcine auf dem Johannisberg.

Deutschland. Wiesbaden (Der Geburtstag des Herzogs. Landtag). Karlsruhe (Die Vorläufer der Uebergabe von Rastatt). S tu tt- g a rt (Die Kammer über die schleswig-holsteinische Frage). Berlin Die Deputation auS Schleswig-Holstein. Hr. v. Schleinitz). Prag (Die Rekrutirung. Starke Hochgewitter in Steiermark). Wien (Ein Zeitungsurtheil. Bäcker- und Fleischerkrawalle).

Italien. Venedig (Die Belagerung).

Nachschrift.

Amtlicher Theil.

Dem zum Domherrn und Stadtpfarrer zu Limburg er­wählten Professor Diehl daselbst, sowie den zum Domvikar erwählten Religiünslehrer Zaun zu Hadamar ist die landes­herrliche Bestätigung ertheilt worden.

Nichtamtlicher Theil.

Die Versammlung der Piusvereine auf dem Johannisberg.

6 Aus dem Rheingau, 21. Juli. Wie weit die durch die Wühlereien unserer demokratischen Lehrer und sonstiger Volksbeglücker bewirkte Demoralisation der unteren Stände geht,^ und wie sehr eine energische und gerechte Handhabung der Polizei und Justiz Noth thut, davon hat der vergangene Sonntag ein achtbares Pröbchen geliefert.

Die Piusvereine des Rheingaus hatten an die Mainzer und Wiesbadener Vereine eine Einladung erlassen zu einer all­gemeinen Versammlung auf dem Johannisberge. Man schien dadurch vorzüglich eine Propaganda für den Beitritt in diese Vereine, die hier nicht besonders Fuß fassen, bezwecken zu wol­len. Ein reich beflaggtes Ertradampfboot brachte dann auch zahlreiche Gäste, Frauen und Männer, deren heitere Laune auch volle Lebenslust neben der religiösen Begeisterung erwarten ließ. Von Oestrich, wo sie ausstiegen, begaben sie sich in ge­ordnetem Zuge nach dem Johannisberg, von zahlreichen Ver­einsmitgliedern und Neugierigen aus dem Rheingau verstärkt. Das Präsidium führte Graf'S t o l b er g, ein Sohn des be­kannten Konvertiten, Dichters und Kirchengeschichlschreibcrs, ohne gerade besondere Fähigkeit zu zeigen. Die Mainzer ent­wickelten in zahlreichen Rednern schöne Kräfte und Talente; und

Herrn Kaplan Dr. Heinrich mögen seine Leute nicht mit Un­recht Bernhard heißen, da er wirklich eine seltene Begeisterung und glühenden Eifer, gleich dem berühmten Bernhard von Clairvaux entfallere. Unstreitig am tüchtigsten als Volksred­ner waren aber Herr Prof. Moufon von Mainz und vor Allen Herr Pfarrer Schneider von Eibingen: Witz, Derbheit, Ge­müthlichkeit, bizarre Wendungen, schlagende Kontraste brachten den Demokraten keine geringe Niederlage bei.

Es ist nun nicht zu läugnen, daß durch den Pfarrer zu Winkel, der die Einladung übernommen hatte, der Fehler be­gangen wurde, freilich in der Absicht, seinen Gästen reinen, unverfälschten Wein zu verschaffen, einen Winkler Wirth mit dem Zapf auf der Terrasse vor dem Schloß zu konzessioniren; indessen stand allen andern Wirthen frei, sich durch Buden vor dem Schlosse zu betheiligen, was sie aber unbegreiflicher Weise ablehnten. Genug, die Versammlung war kaum eröff­net, als sich schon einige Wirthssöhne, als Demokraten be­kannt, durch Lärmen bemerklich machten. Man ersuchte sie, sich ruhig zu verhalten oder sich zu entfernen, was einen sol­chen Sturm hervorrief, daß selbst Thätlichkeiten nicht ausblie­ben. Die anwesenden Demokratenführer, statt ihre Partei in die Gränzen des Anstands zu verweisen, lächelten und sahen ruhig zu; natürlich: die Pfaffen und Piuse haben ja kein Recht aus Brüderlichkeit. Vergebens waren die Aufforderungen mehrerer Redner, sich der Tribüne zu entgegengesetzten Ansich, ten zu bedienen. Die Herren Demokraten beliebten lieber, sich zu Bänkelsängern zu qualifiziren, zogen unter dem Schalle einer Kindertrommel und dem Heckerlied auf und ab und verwirk­lichten so ihre Prinzipien von Redefreiheit und Assoziations- recht. Indessen gelang es doch, die Versammlung würdig zum Schlüsse zu bringen, einzelne Ungezogenheiten:daö ist gelo­gen" und ähnliche Rufe abgrechnet.

Als nun die Mainzer nach einigen auf der Terasse einge, nommenen Erfrischungen sich zum Heimwege anschickten, em­pfing sie vor dem Schloßhofe ein vollständiger Chorus:Heut kehren wir bei Pfaffen ein 2C.," vor dem Dorfe jedoch, an der Muhm'schen Besitzung eine volle Ladung Steine und die ge­meinsten Schimpfworte. Die Rohheit war um so größer, da sie besonders die anwesenden Frauenzimmer betraf. Es sind mehrere Verletzungen vorgekommen. So also bringen die Herren Demokraten Andersdenkenden ihre Prinzipien von Frei­heit und Brüderlichkeit bei, so realisiren sie ihre Ideale vom Staate und schaffen den Gesetzen Achtung. Schande über die, welche an der Spitze einer solchen Partei stehen und nicht bes­sere Begriffe zu verbreiten wissen. Die die Steine warfen, waren nur zu bedauern als die unwissenden Werkzeuge einiger gewissenlosen Menschen. Glaubwürdige Augenzeugen behaup­ten, gesehen znchaben, wie Geld unter die Masse vertheilt wurde, was möglich ist, da sich viele in betrunkenem Zustande befanden. Die Mainzer gingen indessen weiter unter dem Schutze einiger Rheingauer, als mehrere von diesen Freiheits, Helden in der Nähe von Winkel mit unerhörter Frechheit sich mitten durch den Zug drängten. Die erbitterten Mainzer fie­len wüthend über sie her und hoben ihre Stöcke; auf der an­deren Seite sollen nun sogar Messer gezogen worden seyn; und nur den vereinigten Anstrengungen mehrerer Winkler Bürger