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finden sich, ihren Angaben zufolge, die meisten der übrigen Jn- surgentenhäupter im Besitz großer Geldsummen, von denen sie zu.m Theil eine den Schweizern so auffällige Verwendung machen, daß man glauben sollte, es würde sich ihnen nächstens wieder eine Gelegenheit zur Beraubung von Land und Leuten darbieten.

Freiburg, 15. Juli. Heute ist, wie man erfährt, ein preußischer Unteroffizier aus Rastatt, wo er gefangen saß, hier eingetroffen. Die Aufständischen hatten den Belagerern seine Freilassung gegen die Ueberlieferung von 1000 Stück Blutegel zum Gebrauch bei ihren Kranken angeboten, und sie vollzogen, nachdem sie die Blutsauger erhalten hatten.

Konstanz, 14. Juli. Das Feuer im Schloß (Kloster) Pe­tershausen wurde glücklicherweise bezwungen, bevor ein Wind sich erhob, der bald zu einem waren Scesturm auSartete. Wäre das Feuer in der Stadt mit ihren engen Straßen ausgebrochen, so läge jetzt die halbe Stadt im Schutt. Von Petershausen ist der linke Flügel, wo sich außer einigen Privatwohnungen sämmtliche Stallungen, und das Hintergebäude, wo sich die Oekonomiegewölbe und Speicher befinden, mit allen dort einge­heimsten Vorräthen niedergebrannt. Nur ein Pferd eines Pri­vaten ist verunglückt; das Militär hat die [einigen alle geret­tet. Ueber das Entstehen deS Feuers sind die Ansichten ver­schieden; am nächsten liegt die Meinung, daß eine Unvorsich­tigkeit daran Schuld ist; sah man doch auch Soldaten mit brennender Pfeife auf der manchmal mit Stroh überschütteten hölzernen Brücke hin und her gehen; andre wollen an Brand­stiftung glauben, wofür aber nichts Anderes geltend gemacht wird, als daß man von Drohungen gegen dieses Besitzthum des Markgrafen Wilhelm, der in unserer Gegend reich begütert ist,' seit Jahresfrist schon zum Oefteren will gehört haben. Im Laufe des heutigen Tages sind noch Truppenabtheilungen mit einer Menge Wagen eingcrückt, so daß etwa 6000 Mann hier liegen müssen. In Wolmatingen sind 1500 geblieben. Es sind lauter Hessen unter dem Kommando des Generals Schäfer. Die Soldaten waren anfangs etwas gebieterischen Geistes. Die Stadt wurde als eine eroberte betrachtet, doch hat der na­türliche Charakter der Leute bereits die Oberhand erhalten, und man hat sie gerne in den Häusern, aber die Quartierlast ist fast unerschwinglich. Es gibt Häuser, in welchen sich 70 bis 80 Mann befinden; freilich sind einige derselben besonders bedacht worden mit einem sogenannten Strafkontingent. In Ueber- lingen und Meersburg sind Bayern eingerückt, wovon sich gegen 4000 jenseits des See's vcrthèilt finden; Oesterreicher fallen die von den Bayern verlassenen Punkte besetzen.

Den vielgenannten Allersbacher, (angeblichen Mörder GqgernS) hat man erwischt; der einfältige Mensch kam gestern, wie er sagte, um häusliche Angelegenheiten zu besorgen, auS der Schweiz herüber und wurde sogleich abgefaßt. Mit der Schweiz sollen sich Verwickelung!, vorbereiten. Man will dort an die Auslieferung der Geschütze, Waffen:c. Bedingungen knüpfen; das heißt, sie verlangen Bezahlung ihrer Kosten für Aufstellung der Gränzbewachung, wofür die Rechnung wohl den Werth des gesummten hinübergeschafflen Materials über­steigen dürfte. Als an General Schäfer von schweizerischer Seite dieses Ansinnen gestellt wurde, soll er dem Sprechen­den bedeutet haben, er unterhandle vor der Hand nur um Auslieferung der benannten Gegenstände, wer die Kosten zu bezahlen habe, das werde sich finden.

Den 15. Juli. Gestern wurden auf zwei Schiffen etwa 1000 Mann Hessen nach Meersberg und Ueberlingcn überge­setzt. Es heißt, daß an die Bayern das Ansuchen gestellt wurde, sich zurückzuziehen, diese sollen bereits auch den Rückmarsch an­getreten haben.

Die Verhaftungen nehmen hier in großem Maße zu; die Gefängnisse sind so überfüllt, daß man kaum mehr Raum findet, neue Gefangene unterzubringen. Gestern Abend wurden wir plötzlich mit einer totalen Personalsperre der Schweizergränze überrascht, die mit solcher Strenge gehandhabt wurde, daß selbst Schweizer-Aerzte, die auf Krankenbesuch in der Stadt waren, nicht mehr zurückkehren konnten und erst später einen Auslaßpaß erhielten. Kreuzlingen ist von den badischen Flücht­lingen völlig geräumt; sie sind acht Stunden von der Gränze hinweg inS Innere der Schweiz verwiesen. Man befürchtet, daß mit deM-Eintreffen der Preußen eine strenge Absperrung der ganzen Schweizergränze werde angeordnet werden.

Koblenz, 14. Juli. (K. Z.) Außer der Herzogin von Bordeaux (Gemahlin Heinrich V.) befindet sich seit gestern

auch Per bekannte Marquis von Laroche-Jacquelin in dem be­nachbarten Bade EmS, wo sicherem Vernehmen nach noch meh­rere französisch-legitimistische Notabilitäten erwartet werden. ES gewinnt dadurch das Gerücht einigen Bestand, eS werde in Ems eine Zusammenkunft der Häupter jener Partei statt« finden.

Lith. Korr. Berlin, 16. Juli. Zwei neue journalistische Organe entgegengesetzter politischer Parteien sind so eben ins Leben getreten. Die gemäßigte Linke hat sich ein solches in denDemokratischen Blättern" geschaffen. Es ist dies eine Wochenschrift, die in Ratibor, wie es scheint unter den Auspi­zien des Präsidenten v. Kirchmann, erscheint. Dies Journal kann publizistisch zu großer Bedeutung gelangen, da die parla­mentarischen Führer der Partei, die es vertritt, aus allen Pro­vinzen Beiträge einsendenc Die erste Nummer enthält Arbei­ten von V. Kirchmann, Nodbertus, Kosch, Phillips, Arntz, Ziegler u. A. Die große Frage des Tages: Wählen oder nicht? ist leicht begreiflich das Thema fast aller Artikel.

Die --Königszcitung," das Organ des Treubundcs, ist ein neues Journal der Konservativen dieser RüMpe. Der preußi­sche Adler, in dessen Fängen eine Krone, ist die Vignette deS Blattes mit der Umschrift:Jedem das Seine." Es erscheint zweimal wöchentlich und macht Front gegen die Kreuzzeitüng, die es eine Entveckung, welche hin und wieder bereits frü­her gemacht worden ist als reaktionär bezeichnet. Der In­halt der erschienenen Nummer ist nur insofern von einigem Interesse, als diese über die bisherige Verzweigung deS Treu­bundes Nachricht gibt. Redakteur ist ein Subalternbeanuer des Kriegsministeriums, Hebel, der Gründer des Royalisten­bundes, aus welchem der Treubund hervorgegangen ist.

Altona, 14. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Mit dem Heurigen Abendzug ist die Feldpost aus Jütland nicht eingetroffen und man glaubt deßhalb, daß es wieder zu einem Kampfe mit den Dänen gekommen sey. Die Zernirung von Fridericia geschieht nun in der Weise, daß sie in einer Entfernung von % Meilen halbkreisförmig eingeschlossen wird. Unsere schleswig-holsteinische Avantgarde, die wegen ihrer früheren Position am 6. d. Mts. kaum ins Gefecht kam, hat jetzt mit der hessischen Brigade, welche der GeneraU ^Spangenberg kommandirt, den Abschnitt von Gudsoe besetzt und Patrouillen gehen bis hart vor Fri- dericia. Der Feind hat seine Vorposten 7« Meile von der Festung stehen. Das Oberkommando v. Prittwitz ist nach Veile, daS des v. Bonin nach Kolding verlegt. Die nach der Schlacht von Fridericia nach Jütland beorderte Hannoversche Brigade ist schon wieder aus Jütland zurückgekehrt, um auf der Halb­insel Sundewitt Position zu nehmen- wo das Generalkommando Vorkehrungen trifft, um einem vom dänischen General Meza auf Alsen beabsichtigten Ausfall mit Kraft begegnen zu können.

Der Herzog v o n N a s sa u und der kurhessische General­lieutenant Bauer, Kommandeur der im Sundewitt stationirten, aus Kontingenten der kleineren Staaten kombinirten Reserve- brigade, haben dafür gesorgt, daß unsere Pioniere und Artil­leristen aus den Düppeler Höhen fast uneinnehmbare Vesten machten und sind auch die diesseitigen Alsunkbatteriecu geeignet, die Vorpostenlinie bisher beunruhigenden Kanonenboote in ent­sprechender Entfernung zu halten. So weit über die mili­tärische Sachlage in Schleswig und Jütland.

Blicken wir zurück aus die großen, in der Geschichte des schleswig-holsteinischen Unabhängigkeitskampfes eine denkwürdige und traurige Episode bildenden Ereignisse, so muß es uns, obgleich wir den diesseitigen Verlust aufs tiefste beklagen, den­noch mit Freude erfüllen, wenn wir an die Tapferkeit und Entschlossenheit der jungen schleswig-holsteinischen Soldaten denken, und sehen, daß die Landesarmee, durch Truppcner- gänzungen vervollständigt, die Sache SchleSwig-HolsteinS bis auf den letzten Mann anszukämpfen geneigt ist.

Daß die Dänen verhältnißmäßig mehr verloren haben bei diesem bedeutendsten Treffen im diesjährigen Feldzug, geht bereits aus glaubwürdigen Privatbriefen aus Kopenhagen hervor.

DieBerliugsche Zeitung" jubelte Anfangs, als der Zu­stand der dänischen Armee noch nicht ausführlich bekannt war, ob des Sieges, eben so dasFacdrelandet", aber jetzt schweigen sie wohlweislich, da die Dinge in ihrem rechten Lichte hervor- treten. Die Dänen können nicht über ihre Erfolge jubeln, bei ihrem ungeheuren Verlust müssen sie mit Pvrrhus sagen: noch einen solchen Sieg < und ich bin verloren." Wie vcr-