Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M 169» Donnerstag den LS Juli L8LS
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme deS Sonntags. — Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßberzagthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl , in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S rl. W fr. — Jnserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Der Unfall vor Fridericia.
Deutschland. Wiesbaden (Die Kreisbezirksräthe. Landtag). — Von der Lahn (Die Schulkommisston). — Frankfurt (Die provisorische Zentralgewalt und der dänische Waffenstillstand. — Heidelberg (Die Bayern im Seekreis. Die Belagerung von Rastatt). — Aus dem See- kreis (Die Flucht Brentanos). — Halle (Denunziation). — Bremen (Die Reichsmarine). — Berlin (Der Waffenstillstand).
Frankreich. Straßburg (Hecker).
Ungarn. Nagy-Jgmand (Vom Kriegsschauplätze).
Nachschrift.
Sprechsaal für Stadt und Land.
Der Unfall vor Fridericia.
Zur Erklärung des Unfalles vor Fridericia gibt die konstitutionelle Zeitung folgende Andeutungen. „General v. Bonin" — sagt sie — „in der Absicht, dem Feinde einen Hauptanhaltspunkt in der rechten Flanke der Prittwitz'schen Truppen zu nehmen, hat deßhalb die förmliche Belagerung Fridericia's unternommen. Sein Zweck wäre durch eine bloße Blokade erreicht worden. Prittwiß war gegen eine förmliche Belagerung und erlaubte dieselbe stillschweigend nur, um dem Drangen der schleswig-Holsteinischen Kampflust eine Genüge zu leisten. Prittwitz's Gründe gegen eine förmliche Belagerung und für eine bloße Blokade waren ernster Natur. Fridericia's Lage begünstigt eine fortwährende Zufuhr von der Mcerseite her. Ein Bombardement, durch welches überhaupt immer nur entweder Kriegsvorräthe des Feindes vernichtet, oder ein zwingender Einfluß der Bewohner auf die Besatzung zur Nebergabe bewirkt werden soll, konnte hier keinen Erfolg haben, da die Bewohner ihr Leben und bewegliches Eigenthum zu Schiff retten konnten.
Andererseits war Bonin bei einem Ausfall des Feindes gezwungen, selbst wenn derselbe sehr überlegen war, um wo möglich den kostbaren Belagerungstrain zu retten, Stand zu halten, und sich großen Verlusten auszusetzen, ohne in allen Fällen die Einbuße des Delagerungsparks verhindern zu können. Alles das ist bei einer Blokade nicht zu fürchten, denn die Blokade beschränkt sich lediglich darauf, das Debouchiren deS Feindes auS der Festung zu verhindern, bei einem Ausfall mit Uebermacht in eine günstige Stellung sich zurückzuziehen, dabei den Feind fortwährend in Schach zu halten und eventuel mit Hülfe von Verstärkungen wieder zurück zu treiben.
WaS nun das letzte beklagenswerthe Ereigniß betrifft, so meldete Prittwitz dem General Bonin sofort die Einschiffung des Rye, als er selbst Kunde davon bekam. Es war dem Rye in Folge deö für ihn günstigen TerrainS gelungen, sich einzuschiffen , ohne daß Prittwitz sogleich Nachricht davon erhielt. AlS sie eintraf, ging sofort die Anzeige davon an Bonin. Leider war aber Rye zu der Zeit schon in Fridericia und es gelang den Dänen der bekannte Coup."
Ferner erinnert die „Konst. Ztg." daran, daß die ausgedehnteste Seemacht oft nicht hinreicht, eine Küste zu decken. „England mußte Napoleon gegenüber, alS der Kaiser die mäch, tige Insel mit seinen Streitkräften bedrohte, neben seiner Flotte die Landarmee fürs auf den Beinen halten, die Milizen deS ganzen Landes aufrufen und ihre sämmtlichen Korps fortwâh, rend di'SIoziren."
Dann meint sie endlich, es habe sich ein solcher Ueberfall von Seiten der Dänen nicht mehr erwarten lassen. Sie meint, man wisse wirklich nicht, „wie das Verfahren Dänemarks zu bezeichnen, welches, obgleich der kommandirende General von dem bevorstehenden Abschlusse der Verhandlungen unterrichtet seyn mußte, durch einen kriegerischen Wuthausbruch den schlimmsten Gelüsten, seiner Rache, fröhnt, und jenen schleswig- holsteinischen Stamm, welchen es zu gewinnen trachten sollte, auf'S tödlichste erbittert." Das alles ist nun recht gut; aber es kann das Verlangen auf Vergeltung nicht aufheben!
Die „Konst. Ztg." spricht zum Schluffe ihres Artikels die feste Hoffnung aus, daß trotz des beklagenswerthen Vorfälle» die Bedingungen des Waffenstillstandes Deutschlands Ehre zu wahren und das Bewußtseyn der Armee zu würdigen geeignet seyn werden.
D e u t f cb l « tt b.
6 Wiesbaden, 18. Juli. Die gestern vollzogene Wahl der Kreisbezirksrâthe für den Kreis Wiesbaden war wiederum ein entschiedener Sieg für die gemäßigte Partei, indem die demokratische nur zwei Kandidaten durchbrachte. Nun liegt unS endlich einmal die praktische Erfahrung vom Nutzen einer gu, ten Wahlorganisation vor. Wir halten aber das obige Resultat um deßwillen für besonders wichtig, weil es gewissen Unverbesserlichen einen Wink gibt, der sie abhalten dürfte, durch fort, dauernd extreme Haltung geflissentlich eine Kammerauflösung zu provoziren, da die Bezirksrathswahlen fast aller Orten zeigen, daß konservative Wahlen jetzt wahrscheinlicher sind, al» radikale.
* Wiesbaden, 18. Juli. (Landtag.) Die Prüfungen der Wahlen zu Dillenburg und Wallmerod werden vorgenommen.
Zollmann verlangt, daß der Bericht über die Wahl- Prüfung im Bezirk Dillenburg nach der Geschäftsordnung vor, erst in die allgemeine Ausschußsitzung zurückgewiesen werde. — Die Majorität der Kammer ist dagegen, und cs wird die Wahl als nicht beanstandet erkannt.
Die Wahl des Bezirks Wallmerod-Hadamar wird ohne weiteres alö richtig anerkannt.
Bertram erstattet Bericht über den Ausgaben- und Einnahme-Etat für 1849. Das Jahr 1848 schloß mit einem erheblichen Kassendefizit. Derselbe datirt sich theils noch auS dem Jahr 1847 durch die damals angekauften Früchte. Die Mehrausgabe für 1848 entstand durch die außerordentlichen Beiträge zu Kriegskosten, Mobilmachung der Truppen rc. durch die erhöhten Ausgaben für die Ständeversammlung und andere bekannte Veranlassungen. Die Domänenkaffe schloß gleichfalls