im Sinne der Idsteiner Demokraten ausgefallen; bie|e hielten sich nämlich, nach dem Ergebniß der Urwahlen in ihrer Stadt, bei welchen sich die Lässigkeit und politische Gleichgiltigkeit der Konstitutionellen abermals in recht grellem Lichte zu zeigen Ge- legcnbeit gefunden haben soll, zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Aber unsere Landbewohner, besonders die aus dem goldenen Grund, haben diese Hoffnungen vereitelt; sie sind etwas mißtrauisch geworden gegen das bärtige und unbärtige Demokratengeschlecht von da drüben und seine gezettelten Vorschläge, und meinen, die Herren sprächen zwar gar viel von der- Freiheit und dem Wohle deS Volkes, verstünden aber unter Volk nur sich selbst. So viel ist gewiß, daß seit-den Tagen des bekannten Landeökongrcsses und der Ernennung des
tddtgeborcncn LandeSaüsfchüssèF die Stadt Idstein bei den Bc- sRer' Besatzung- tri Rastati wllrher eine Ar^Mrrvenfieber; säst wohnern unseres Amtes sehr viel verloren hat. Aber nicht " " ‘'- " ,rT - "° " " ------
blos bei un§ s sondern auch in fernern Kreisen, haben chie immerwährenden Wühlereien und die tolle Revolutionswuth einer gewissen Partei die Stabt in den größten Mißkredit versetzt. Fährt die eine Partei in ihrer Schlaffheit, die andere in ihrer Unbesonnenheit so fort, so mag es leicht dahin kommen, daß Idstein, dessen Bürger sich in alter Zeit durch Fleiß, Redlichkeit und andere Tugenden anszeichnetcn, nicht eine Stätte der Freiheit, sondern des Elendes und der Armuth wird. Und
gegen Armuth und Elend werden nicht die Gewehre schützen, durch deren Ankauf der Stadt neue Schulden aufgeladen worden sind, nicht das Pulver und das Blei, das aufgehäuft worden, und nunmehr, da es zum Schutze der Reichsverfassung (!) nicht hat verwendet werden können, des Nachts bewacht werden muß, zum Nerger der fleißigen Bürger, die den Tag zur Arbeit und die Nacht zur Ruhe verwenden möchten.
Nächstens mehr über die politischen und sozialen Zustände in unserer Kreisamtsstadt.
P Hadamar. Zu Kreisbezirksräthen wurden gewählt: Jakob Siebert, Bürgermeister Müller aus Niederhadamar, so wie der ehemalige Bürgermeister aus Lahr und der Bürger- Meister aus Hangenmeilingen. In Wa l l m erod fiel die Wahl auf den Grafen Walderdorf, Bürgermeister Wolf von Meudt und den ehemaligen Schultheis Groth von Guckheim. Mit diesen sämmtlichen Wahlen dürfen wir sowohl im Interesse der Sache, als in dem der gemäßigten Partei ganz zufrieden seyn.
T Aus dem ZusUzamte Rennerod, 14. Juli. Gestern wurden in Rennerod die Krcisbezirksräthe gewählt und zwar:
1) der Kaufmann Wangenroth von Westerburg, 2) der Oekonom Wollweber von Seck und 3) der Ockonom Thomas von Reche.
Der Erstere ist ein charakterfester, tüchtiger und erfahrener Nanu, und wird seinen Posten ausfüllen:
Die zwei übrigen Männer sind sehr redliche und brave Baucrslcurc, und werden thun, was in ihren Kräften steht.
- Tie Demokraten haben ihren Kandidaten nicht durchsetzen können, und 'Mit eine bedeutende Niederlage erlitten. Man stellt doch zu klar, daß der Bauersmann durchaus nichts mit H« demokratischen Wühlern zu tbun haben will, und nicht daS gcrmzffe Vertrauen zu denselben hat.
Wir bâkien gewünscht, daß entweder der Kaufmann Marburg ed-r der Post kalter Wollweber von Rennerod, welche !
von den gebildeteren Wahlmännern sehr viele Summen hatten, aus der Wahlurne hervorgegangen wäre; indessen cs war, da die Bauern ausschließlich Leute mit Kitteln gewählt wwen wollten, nicht fertig zu bringen.
Wie die Bauern in dieser ihrer Ansicht von Leuten, denen wenigstens zutrauen sollte, daß zwischen dem Rock und Kittel kein Unterschied zu machen sev, noch unterstützt werden, mag folgende Thatsache beweisen:'
Ein Wahlmann, welcher ein sehr begüterter Bauer ist, hat, seitdem er Lchultheis war, nie, oder wenigstens doch äusserst leiten, wenn er nach Rennerod ging oder ritt, einen Kittel getragen.
. ^^ er nun gerne Kreisbezirksrath werden wollte, obgleich er über 6 Stunden vom Kreisamt Herborn wohnt, und sehr gut wußte, daß die Bauern nur Leute mit Kitteln wählen wurden, so erschien er bei der Wahl. in einem ganz gewöhn- llchen Bauernkittel, um recht als Bauer zu erlernen
Der von den meisten Wählern der Grafschaft Westerburg ausgestellte Kandidat Kaufmann Wangenroth konnte deßhalb auch erst bei der dritten Wahl durchgesetzt werden. (Daß der Bauer dermalen mehr Respekt vor dem Kittel als vor dem
Rocke hat, darf nicht Wunder nehmen. Denn nicht Leute in Kitteln, sondern Herrn in Röcken waren es, die sich seit länger als Jahresfrist so oft unberufen- in seine Kreise eingedrängt und ihn hinters Licht geführt haben. Wenn daher der Bauer jetzt gegen, alle Städter mißtrauisch zu werden beginnt, so erklärt sich das von selber. Es ist für ihn in letzter Zeit in- der That wenig Gutes aus der Stadt gekommen. Die Red.)
Heidelberg, 14. Juli. (D. Z.) Seit drei Tagen ist der bishcriae Kommandant von Rastatt, Tiede mann /unsichtbar geworden. Man weiß nicht, ob er bei Gelegenheit des jung, sten Ausfalls oder auf andere Weise die Festung verlassen hat, oder ob er sich in Rastatt selbst irgendwo versteckt hält. Unter
alle sterben, die davon ergriffen werden. Fast alle Schildwa, chen, welche auf den Außenwerken Rastatts ausgestellt werden, suchen zu entfliehen, und manchen gelingtsl Lebensmittel und Schießbedarf sollen noch hinreichend vorhanden seyn. Man vermuthet, daß nächster Tage die ganze Besatzung versuchen werde, durch einen Ausfall die Zernirung, wenigstens an^urzgT^eit, zu sprengen; bei dieser Gelegenheit würden sodann die Kom-
om-
promittirten über den Rhein entfliehen und die Masse würde, sich bald ergeben müssen. Mancher in Rastatt hofft, daß dieß so gelingen werde.
In einer Beilage der Schweizerischen Nanonalzeitung (Nr. 167) ist ein heftiger Streit zwischen „Obergeneral" Sigel und „Oberst" B lenker zum Vorschein gekommen. Sigel sagt in einem Tagesbefehl, Blenker habe in jeder Beziehung unverantwortlich gehandelt, er habe dem Befehl, Stellung zu nehmen, nicht gehorcht, er habe sich die empörendsten Plünderungen und Brandschatzungen zu Schulden kommen lassen, er habe sogar eine Kolonne Munitionswagen auf dem Marsche ungehalten und Waffen, Munition und Lebensmittel fü in Beschlag genommen; er entsetze ihn d mando's, erkläre ihn für einen feigen Plü r und für einen Verrâther am Vaterlande ic.' Dlenker erwiedert, diese Verleumdung solle dazu dienen, das Verhalten der Pfälzer Division als Ursache für die „schmachvolle Beendigung der pfälzisch- badischen Erhebung" hinzustellen rc.; theils sucht er sich zu rechtfertigen, theils läugnet er. Zum Schluß erinnern „mehrere Pfälzer Offiziere" den Kommandeur Sgel an seinen in Freiburg freiwillig geleisteten Eibschwur, „daß er daS Land des Kampfes nicht verlasten, sondern eher erliegen, als den Schwei- ^erbeben oder sonst eine Zufluchtsstätte betreten wolle."
Von der badischen Kinzig, 10. Juli. (AM. Z) Die kleinen bescheidenen Bäder Griesbach und Petersth^l werden bereits, freilich in geringer Zahl, wieder ausgesucht. Auch Rippoldsau hat wieder Gäste. Die Saison in SaMw< Baden kann als eine gänzlich gescheiterte betrachtet werden. Selbst die grünen Tische können ihm dieses Jahr nicht helfen, falls man zu diesem letzten Mittel seine Zuflucht nabme.
Berlin, 10. Juli. (W. Z.) Auch hier spricht man viel von Konferenzen, welche zwiichrn den Agenten der beiden Linien der Bourbons in London statifindcn. Die Herzogin von Orleans >oll vor kurzem in Brügel eine Unterredung mit Herrn Thiers gehabt haben. Die Herzogin soll noch immerssur ihren Sohn, den Grafen von Paris, hoffen. Auch Louis Philipp hat noch nicht alle Hoffnung für seine Dynastie aufgegeben — so versichern wenigstens ziemlich übereinstimmende Briefe aus Paris und London. Der Herzog von Nemours soll für eine Unterordnung unter die ältere Familie seyn.
Berlin, 13. Juli. (K. Z.) Der Waffenstillstand itz bis zum ersten Januar abgeschlossen. Nachdem ersten Januar muß er vor dem Ablauf von je sechs Wochen gckün, digt werden. Im anderen Falle ist er stillschweigend fortdauernd zu betrachten. Er umfaßt zwei Bedingungen. Zuerst, daß, wenn unsere Truppen sich hinter eine von Flensburg bis Tonvern gezogene Demarkationslinie zurückgezogen, die Blokade aufgehoben wird und Dänemark die Handelsschiffe zurückgibt. Die zweite Bedingung ist, daß während des Waffenstillstandes eine besondere Statthalterschaft für Schleswig eingesetzt wird. Diese zweite Bedingung hat der preussische Bevollmächtigte nur nach großem Widerstreben zugegeben und in der Erwartung, daß sie die Friedensbasis, d. h. die Unabhängigkeit Schleswigs, werde vorbereileu Hel, fen. Außer diesem Vertrage sind in der minder solennen Form