Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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Dienstag den 17» Juli
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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige PrLnume« rativnspreis ist in WieSbaven, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstentums Hessen, der Landgrasschast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tariöschen Benvaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. — Jusera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellender g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Der dänische Krieg.
Deutschland. Von der Ems (Die Kreisbezirkrathswahlen). — Hadamar (Desgleichen). — Aus dem Justizainte Rennerod (Die Wahl der KreiSbezirksräthe). — Heidelberg (Die Rastatter Besatzung. ^.Streit zwischen Sigel und Blenker).— Von der badische» Kinzig (Die badischen Bäder). — Berlin (Hoffnungen der Dynastie Orleans. Der Waffenstillstand. Der Prozeß gegen die Stenecverwcigerer und gegen die Mitglieder des Rumpfparlaments). — Hadersleben (Die beider- seitigen Verluste). — Wien (DembmSky'S Rücktritt vom Kommando. Der Kaiser geht wieder zur Armee. Die Festung Arad).
Italien. Rom (Die letzten Tage der Republik).
Nachschrift.
Der dänische Krieg.
Fridericia ist von neuem zernirt, diesmal von den Sckles- wig-Holsteinern in Verbindung mit Sachsen, Bayern und Hannoveranern. Alle Berichte sprechen von der außerordentlichen Erbitterung der Truppen, welche das Gefecht vor Fridericia, seitdem man die Ungleichheit des Kampfes und die starken Verluste der Dänen besser übersehen kann, mehr als einen Sieg als eine Niederlage zu betrachten scheinen.
Ueber den mörderischen Charakter der Schlacht werden immer neue furchtbare Einzelheiten bekannt, und die Waffenehre der schleswig-holsteinischen Armee erhält durch dieselbe nur neue ruhmvolle Zeugnisse.
Neun Stunden lang hat das kleine Heer unter den ungünstigsten Umständen mit bewundernswerther Tapferkeit den Kampf gegen eine doppelte Uebermacht gehalten und nachdem es mit Kolbe, Bajonett und Kartätschen furchtbar unter dem Feinde aufgeräumt, sich einen vollständig geordneten Rückzug erfochten. Allerdings mußte es das werthvolle Belagerungsgeschütz im Stiche lassen, aber man darf nicht vergessen, daß die Dänen im April bei Eckernförde die vierfache Zahl schwerer Kanonen verloren haben. An Geld und Mannschaften, um das Eingebüßte zu ersetzen, mangelt es nicht, tapfere und tüchtige Offiziere wird Deutschland liefern, und der Geist des schleswig - holsteinischen Heeres ist durch das Unglück nur gehoben worden.
Die „B.-H." erzählt: Am Abend der Schlacht, als unsere ermüdeten Soldaten unter dem Gesänge des schleswig-holstein. Volksliedes, mit Hurahs für General Bonin, als wäre ein Sieg erfochten, in Veile eingezogen waren, erboten sich die Kurhessen für die Unsrigen die Vorposten zu übernehmen; diese aber lehnten es ab und bezogen selbst noch an demselben Abend wieder die Vorposten. Wer da glaubt, diese Schlacht werde den Frieden beschleunigen, verkennt den schleswig-Holsteinischen Charakter. Den Uebermuth der Dänen wird ihr Sieg ins Maßlose steigern; den SMeswig-Holsteinern wird der Unfall bei Fridericia ein Sporn zu neuen Opfern und Anstrengungen seyn. Die Leichen, welche das Schlachtfefd zu Fridericia decken, haben die Kluft zwischen Dänemark und SchleSwig- Holstein zu einem unauslöschlichen Haß gesteigert.
General Prittwitz ist in Veile eingetroffen und hat dort eine Ansprache an die Schleswig-Holsteiner erlassen, worin er seine unbedingte Achtung vor ihrem bei Fridericia erwiesenen Helvenmuthe ansspricht und ihnen über ihre dort errungenen Lorbeeren die größten Lobsprüche ertheilt. Trotz dem soll die Stimmung der Armee gegen ihn keine günstige seyn. Einige wollen sogar rem allgemein verehrten General Bonin eine zu große Sorglosigkeit zur Last legen, allein diese Beschuldigung dürfte um so nichtiger erscheinen, nachdem man erfährt, daß die Kuikde von der Abfahrt des Rye'schen Corps im nördlichen Jütland dem General von Bonin erst um Mitternacht zukam, als der feindliche Angriff bereits eine Stunde später erfolgter In dieser kurzen Frist war es eine Unmöglichkeit, die in der großen Zernirungslinie vertheilten Abtheilungen, deren jede an ihrem Platze nothwendig war, plötzlich zusammenzuziehen, und dadurch ist es denn auch erklärlicher, daß vor unserer vor Fridericia befindlichen 11,000 Mann starken Armee fast nur die Hälfte im Stande gewesen, dem übermäßigen Andrange deS ganzen 25,000 Mann starken Feindes zu wehren, und dennoch geschah dies gegen eine verdoppelte Stärke 5 Stunden hindurch mit einem Löwenmuth, der den Feind sogar mehrfach zurückwarf.
Da aber unsere Linie durchbrochen wurde und der Däne fortwährend neue, durch Pfeffer und Branntwein aufgeregte Massen entwickelte, die aus mehreren Thoren gleichzeitig hervorstürzten, und denen wir nur eine unverhältnißmäßig geringere Stärke entgegen zu stellen vermochten, darf die schleswig, holsteinische Armee mit vollem Rechte Anspruch auf den Ruhm machen, der ihr von General Prittwitz und Bonin verdientermaßen gezollt wird und ihr kaum vom Feinde geschmälert werden dürfte, wenn er in seinem Urtheil gerecht seyn will. Die Erbitterung der Armee, sowie der Reichstruppen gegen die Dänen ist gränzenlos und es haben Kurhessen, Bayern, Sachsen, Hannoveraner mit den Schleswig-Holsteinern Brüderschaft geschlossen, und geschworen, dem Feinde keinen Pardon zu geben, einem Feinde, der des gepfefferten Branntweins bedarf, um für sein Vaterland begeistert zu werden und, wie abermals erwiesen worden, im Schlachtgctümmel kannibalisch feine Wuth gegen Wehrlose und Verwundete ausgelassen hat, indem er ihnen mit Kolbenstößen die Brust zerschmetterte, statt sie als Gefangene in Obhut zu bringen.
Deutschland.
II Von der Ems, 14. Juli. Am verflossenen Donnerstage, den 12. d. M., fand in Idstein die Wahl der Kreisbe- zirksräthe auö dem hiesigen Justizamte statt. Als der Erste ging aus der Wahlurne der Freiherr v. Schütz aus Kamberg hervor. Als der Zweite wurde gewählt ein junger Mann aus Niederselters, NamenS Brötz, der früher Elementarlehrer war, und nunmehr an der Brunnenverwaltung in SelterS beschäftigt ist. Der Dritte, welcher auS der Urne sprang, ist der von den ©einigen bereits mit mehreren andern Aemtern geschmückte Justi; zuletzt wurde noch ein Landmann aus Niedernhausen, NamenS Engel, gewählt. Die Wahl ist nicht ganz