Nassauische
Allgcmeine Zeitung.
J^ 166» Montag den 16» Juli 18419»
Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Deutschland. Main; (Strenge Fremdenpolizei). — Frankfurt (Hecker in Liverpool). — Freiburg (Die Oberrheinische Zeitung).
— V o m Bodensee (Die Beendigung des badischen Aufstandes). — Stuttgart (Anleihe). — Berlin (Der Waffenstillstand. Die Kiukel'sche Angelegenheit). — H am bürg (Das VerfaffungSwerk vollendet). — Altona (Rückzug der Dänen nach Alse» und Fühnen). — Wien (Die FrièdenSunterhandlnugen mit Sardinien. Vom ungarischen Kriegsschauplätze). , ' ■ • ‘ ........
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
D e u t s lH l a n d.
Mainz, 12, Juli. Das Festungsgouvernement hat bezüglich der Fremdenpolizei folgende Anordnungen getroffen: 7,17 Irver Einpasstrendc ohne Unterschieb des Standes und Ranges muß sich durch seinen Paß als unverdächtig legiti- miren, selbst wenn er dies gethan hat, kann ihm ein längerer als 24stündiger Aufenthalt in Mainz nur dann gestattet werden, wenn er sich darüber ausweist, daß er Geschäfte hier zu betreiben habe, zum Besuche bei Verwandten sich befinde, oder seinem beabsichtigten Aufenthalt ein anderer erlaubter Zweck zu Grunde liege. 2) Alle Gasthäfe ohne Ausnahme müssen täglich in Bezug auf die angekommenen Fremden visitirt, und auch alle Privatpersonen auf's Neue, unter Androhung von Strafe im Unterlassungsfälle angewiesen werden, von jedem Fremden, den sie beherbergen, sogleich unter Vorzeigung des Passes Anzeige auf dem Polizeibureau zu machen. 3) Von allen einpassirenden Fremden ist mit Angabe ihres Absteigequartiers jeden Morgen dem Festungö-Gouvernement nament- Uches Verzelchniß einzureichen."
Frankfurt, 14. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Auf der neuesten Schtffspassagierliste von Liverpool steht unter den Ankömmlingen aus Amerika auch F, Hecker verzeichnet.
Freiburg, 12. Juli. Durch Verfügung des k. preußischen Kommandanten, Majors v. Wangenheim, ist das weitere Erscheinen der „Oberrheinischen Zeitung" untersagt worden.
Vom Bodensee, 11. Juli. (A. Ztg.) Mit dem Aufstand in Baden ist eâ jetzt überall zu Ende, wir hoffen gründlich und lange Zeit. Auch Konstanz ist bereits von Preußen und Reichstruppen besetzt worden, wie es scheint, ganz unblutig: nur den zul.'tzt über den See fliehenden Freischaaren sind noch ewige Kugeln nachgeschickt worden. Der angedrohte Einfall in
Lemberg ist kluger Weise von den Insurgenten unterlassen worden. Doch haben sich jetzt auch östr. Truppen von Bre- genz ans in Bewegung gesetzt, um Oberschwaben für jede Even- tualitat zu decken; ihr Einmarsch in Würtemberg ist erfolgt.
oflenei^if^en Truppen ihren Marsch indessen auch letzt, nachdem der badische Aufstand niedergeschlagen worden, e$en w"den, steht dahin. Die würtembergischen Freischaaren, welche an dem Kampf in Baden thcilgenommen haben, sind zum großen Theil bereits zurückgekehrt oder befin
den sich noch auf dem Marsche; sie ziehen meist still und unbemerkt, doch gewöhnlich noch mit ihren Waffen versehen, in ihre Heimathorte ein.
Stuttgart, 13. Juli. Heute Mittag wurde der Vertrag über das neue würtembergische Anlehen von drei Millionen zu 471 pCt. zwischen der königl. Staatsregierung und den Häusern M. A. v. Rothschild und Söhne in Frankfurt, der k. Hofbank und Gebrüder Benedikt dahier abgeschlossen.
Berlin, 13. Juli. (O.-P.-A.-Z.) An der heutigen Börse war das Gerücht verbreitet: der Waffenstillstand mit Dänemark sei nicht ratifizirt, deßhalb flaue Stimmung.
Berlin, 12. Juli. (O.-P.-A.-Z.) Aus guter Quelle ver, nimmt man, daß die Veröffentlichung der Waffenstillstandsakte zwischen Deutschland und Dänemark in den nächsten Tagen er, folgen werde. Ueber die Bedingungen haben wir Folgendes in Erfahrung gebracht. SchUswig erhält eine legislative und administrative Selbstständigkeit. Die zuletzt gepflogenen Unterhandlungen bezogen sich namentlich auf die Zeitfrist der Truppenzurückziehung von deutscher Seite und der Aufhebung der Blokade von dänischer Seite. Dänemark bestand darauf, daß die Zurückziehung der Truppen der Aufhebung der Blokade vorangehen solle, während Preußen fest dabei verharrte, daß diesen eingegangenen Bedingungen von beiden Seiten zu gleicher Zeit Genüge geschehe.^ In den hiesigen höheren Kreisen spricht man davon, daß Schleswig während des Waffenstillstanves von preußischen und schwedischen Truppen besetzt werden solle, indem eine Mitbesetzung durch dänische Truppen nicht rathsam erscheinen dürfte.
Der letzte Ueberfall der Schleswig-Holsteiner durch die Dänen hat hier, da man die bevorstehende Veröffentlichung des Waffenstillstandes als bekannt bei den dänischen Kommanvi'ren- den voraussetzt, einen für den dänischen Charakter nicht eben günstigen Eindruck hnvorgebracht. So viel ist gewiß, daß Preußen eS sich nie zur Ehre anrechnen würde, ans diese Art Krieg zuführen, indem es Siege, die als eine sittliche Niederlage zu betrachten sind, verschmäht. Die Herzen der SchleS- wig-Hossteiner dürften für Dänemark nach solcher Kriegführung für immer verloren seyn.
Berlin. Die „Neue Preuß. Zeitung" beschäftigt sich in ihrem leitenden Artikel mit ver Bonner Petition für Kinkel. Natürlich eifert sie aus allen Kräften gegen eine Amnestie. Die Bonner Petition hatte gesagt, Kinkel habe nur „im Drange der poetischen Begeisterung und in mißverstandener Liebe zum deutschen Vaterlande gefehlt." Wenn eS wahr ist, sagt die Kreuzzeitung, so wird das — vor Gott nicht unerwogen bleiben. Ein schöner Trost für den Gefangenen!
Hamburg, 11. Juli. (O.-P.-A.-Z.) DaS Hambur, gliche Verfassungswerk ist heute von der Konstituante vollständig und definitiv festgesetz t wo rd en, und dem Senate wurde durch das Bureau eine VerfassungSurkunde nebst Begleitschreiben zugefertigt.
Altona, 11. Juli. (O.-P.-A.-Z.) ES geht uns auS Jütland die verläßliche Mittheilung zu, daß die dänische Armee