fanatischen Feinden. Denselben Tod findet da der S^ahnge | Greis wie der 17jährige Jüngling, wie die verzweifelte Mutter, | die e — 7 Waisen hinterläßt. Unser Korrespondent bemerkt, daß diese Gräuel in Siebenbürgen seit Bems Abgang von daselbst wieder begonnen haben. Schwere Kriegssteucrn wurden auferlegt und mit beispielloser Härte eingetrieben , in Folge dessen selbst den ärmsten Einwohnern all ihre geringe Habe verkauft wurde. Nach Ablauf des für die Rückkehr aller Ab- wesenden bestimmten Termins wurden viele den Letztern gehörende Häuser verwüstet und zerstört. So wurden unter andern die Häuser vieler geistlichen Personen, und das des Bischof« Schaguna bis auf die Dielen ausgeraubt und verwüstet. Der letztere allein mag einen Schaden von 50—60,000 fl.
K. - M. erlitten haben.
Frankreich.
Paris, 9. Juli. (K. 33 Die „Presse" hält heute dem eben in zwei Oktavbänden erschienenen neuen Werke von Lamartine, „Geschichte der Revolution von 1848", eine begeisterte Lobrede. Wie man vernimmt, findet das in vieler Beziehung interessante Buch reißenden Absatz (die Brüsseler Blätter kündigen bereits einen nur zwei Franken kostenden Nachdruck als erschienen an).
— Die „Patrie" meldet die Ankunft von Ledru - Rollin und Et. Arago zu Brüssel.
Ungarn.
Wir erhalten einen Tarif über die jetzt in Pesth herrschenden Preise einiger Lebensmittel und Waaren, aus dem wir folgenden kurzen Auszug mittheilen. In Celtze 1 Pfund Rindfleisch 26 kr., Schweinschmalz 45 kr., Rinvschmalz 1 fl. 12 kr., eine Maas Bier 24 kr., ein Paar Kapaunen 6 fl., 1 Paar Stiefel 30 fl., 1 Klafter Holz 64 fl., 1 Eimer Branntwein 50 fl., 1 Paar Ochsenhäute 70 fl., 1 Ctr. Honig 125 fl., 1 Metzen Knoppern 15. fl., 1 Ctr. Speck 60 fl., geschmolzenes Unschlitt 115 fl., ungarische Jakobwolle 130 fl., Tabak 30 fl., Weine, 8 Eimer Ofner 50 fl., Tokayer 300 fl., Menescher 2—400 fl. (M. I.)
Sprechjaal
für Stadt und Land.
*ch Aus dem Elbthale. Wie man auch über die gegenwärtigen Zustände urtheilen mag, so sollte man sich doch hüten, ihren Entstehungsgrund vorzugsweise in Dingen und Personen zu suchen, welche nach dem Urtheile jedes Unbefangenen in den neuesten politischen Bewegungen nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben, und, wie es in Nro. 154 dieses Blattes in einem Artikel aus Limburg vom 28. Juni dem ertremen Vorwurf der Freien Zeitung entgegengesetzt, geschehen ist, verdächtigende Blicke auf die protestantische Geistlichkeit unseres Landes zu werfen. Der △ Korrespondent will nämlich die Bemerkung gemachi haben, daß das „tobsüchtige Treiben der Gemeinden in der Regel auch mit dem böswilligen Treiben der bei ihm angestellten Geistlichen v. h. mit ihren' offenen Aufreizungen oder mit ihrer unverständigen Brutalität zusammentreffe, und knüpft daran die allerdings „merkwürdige" Beobachtung, daß im Allgemeinen, wo nicht andere größere Momente hinzutreten, in den katholischen Theilen unseres HerzogthumS ein um Vieles besserer Geist (?) herrsche, als in den protestantischen. Den Grund davon findet er bei seiner gefärbten Brille ganz einfach darin, daß der katholische Geistliche sich der Bewegung ferne gehalten habe, während gar mancher protestantische als Lenker der Bewegung aufgetreten sey, oder doch seiner Privatinteressen wegen sich derselben angeschlossen habe."
Wir überlassen es den Gemeinden und Geistlichen, welche der Korrespondent von Limburg im Auge hatte, sich gegen den
Vorwurf der Tobsucht, der Böswilligkeit und der Verfolgung von Privatinteressen zu vertheidigen. Aber wer in aller Welt kann eS billigen, von etwa einem halben Dutzend solcher Geistlichen, die als Aufwiegler oder als brutal bezeichnet werden, eine Regel zu entnehmen, und um dessen willen, was „Manche" verbrochen haben, einen ganzen Stand anzuschwärzen? Klingt das nicht, wie die alte, abgedroschene, durch die Geschichte längst gerichtete Redensart, der Protestantismus sey der Heerd der Revolmion und führe zum Umsturz der Throne und Altäre? Sollte man sich nicht besinnen und in unserer ohnehin genug zerrissenen Zeit sich doppelt hüten, solche, das friedliche Einverständnis; der verschiedenen Konfessionen störende Behaup, tungen ohne alle nähere Begründung, leichtfertig in die Welt auszustreuen? Hat der Korrespondent auch überlegt — abgesehen von dem Unlogischen seines Urtheils — welche bittere Kränkung er damit gegen die protestantischen Geistlichen und die hiernach von ihm verführten Gemeinden ausgesprochen hat? Und ist denn das „tobsüchtige Treiben" der dem Korrespondenten zunächst gelegenen Städte, die seinem aufmerksamen Blicke doch wohl schwerlich werden entgangen seyn, durch offene Aufreizung oder durch Brutalität der dortigen protestantischen Geistlichen hervorgerufen worden? Läßt nicht die Freie Zeitung diesen die gerechte und ehrenvolle Anerkennung zu Theil werden, daß sie in hohem Grade reaktionär seyen? Und wenn ihm die Vorfälle in seiner Nähe nicht unbekannt sind, müßte ihn das nicht abhalten, sowohl die Schuld der Unordnung der protestantischen, als das Verdienst der Ordnung der katholischen Geistlichen zuzuweisen? Die evangelischen Geistlichen unseres Landes wissen wenigstens eben so gut als die katholischen, was ihres Amtes ist, und wenn Einzelne unter ihnen es in neuester Zeit — ob aus Böswilligkeit und Privatinteresse wagen wir nicht zu entscheiden — vergessen haben, so verräth es entweder Beschränktheit und Uebereilung im Urtheil oder lieblosen Separatismus, solche Ausnahmen zur Regel zu erheben. — , ■ ,
Die Ruhe in der einen, die Unruhe in der andern Gemeinde hat, wie wenig wir auch den Einfluß der geistlichen Wirksamkeit verkennen, ganz andere Faktoren als die Betheiligung oder Nichtbetheiligung der Geistlichen an der Bewegung, sonst würden ganz andere Erscheinungen zu Tage gekommen seyn. Sind wir übrigens über die Bewegungen in den vorzugsweise katholischen Gegenden unseres Landes durch die öffentlichen Blätter recht belehrt, so erscheint das von dem Limburger Korrespondenten aufgestellte Fazit über Bewegung und Ruhe noch sehr problematisch, und sein „facta loquunturL' kann ihm zurückgegeben werden. Hätte die Geistlichkeit die revolutionären Bestrebungen der Neuzeit zu verantworten, so käme wohl gar Niemand schlimmer dabei weg, als der heilige Vater selbst.
Wer sich übrigens von der gerühmten loyalen Gesinnung einer gewissen Partei näher unterrichten will, dem empfehlen wir die in ihrer Art ausgezeichnete neueste Broschüre: Katholische Kirchen- und Schulzustände in Nassau, und die Proklamation vom 5. März 1848. Mainz, bei Kirchheim und Schott. 1849.*)
*) Hiermit glauben wir die Diskussien über diesen höchst unfruchtbaren Gegenstand schließen zu müssen. Die Red.
Verantwortlicher Redakteur; W. H. Riehl.
In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorräthig:
Karte von Würtemberg, Baden und Hohenzollern nach den neuesten Hilfsmitteln bearbeitet von A. Fischer. Preis 56 kr.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Aass. Allg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof,Buchhandlung in Wiesbaden.