rade in Zeitverhältnisse, wo alle ErlyerbSguellty mehr oder minder stocken, der Staat sich vollständig zurückziehen kann. Der Herzog hat zwar die Absicht ausgesprochen, sich wegen einer den Ertrag der Domäne nicht erreichenden Zivilliste mit der Ständeversammlung zu vereinbaren: allein mit Recht kann er bei dieser Gelegenheit daraus bestehen, daß die Ständeversammlung gegen die Erfüllung der moralischen Verbindlichkeit des Regen- tenhauseS, die Stadt Wiesbaden in der Unterhaltung eines Theaters aus Domänenmitteln zu subventioniren, keinen Anstand erhebt, und eS wird wohl zu erwarten seyn, daß die Herzogliche Regierung, welcher— wie man aus allen ihren Handlungen sieht — das materielle Wohl Wiesbadens ernstlich am Herzen liegt, an den Rücksichten auf die Stadt Wiesbaden und an ihrem Rechte, zu Gunsten des hiesigen Theaters über Domanialeinnahmen zu verfügen, festhalten werde. Uebri- genS ist es auch kaum anzunehmen, daß bei der Ständeversammlung sich ein erheblicher Widerspruch gegen die nunmehr in Anspruch zu nehmende Unterstützung zeigen werde, indem der erforderliche Zuschuß sich auf 16 — 20,000 fl. reduzirt hat, und dieser Betrag nicht so bedeutend ist, um daraus Veranlassung zu machen, einen Billigkeitsanspruch der Stadt und ein staatsrechtlich begründetes Verlangen der Regierung zu verletzen, und um das an den Fortbestand des Theaters sich anknüpfende Wohl der bedeutendsten und mit Staatsausgaben am stärksten belasteten Gemeinde des Herzogthums leichthin auf das Spiel zu setzen.
Auch der bekannte Abgeordnete, welchen sich seiner Zeit die Einwohnerschaft von Wiesbaden (d. h. diejenigen Einwohner, welchen die augenblickliche Domination auf den Grund des jetzigen Wahlgesetzes möglich war) aus dem entlegensten Winkel des Weilthales zur Vertretung ihrer Interessen (?) geholt hat, soll der Äufrcchierhaltung des Theaters das Wort gesprochen haben, aber freilich mit der originellen Wendung, daß er meint, man könne die Zivilliste des Herzogs nach Belieben bestimmen, und den Zuschuß dorthin abrechnen. (!) Wenn auch die neueren Verhältnisse die Wendung genommen haben, daß vorläufig wenigstens der Fortbestand ter Kursaaleinrichtungen und des Theaters gesichert, und somit der drohende Ruin der Stadt für den Augenblick abgewendet erscheint, jo sollte doch die Warnung für die Zukunft nicht verloren seyn, und ter Gemeinderath wie die Bevölkerung eS als ihre Pflicht ansehen, die jetzt gebotenen Hülfsquellen weise zu benutzen, und durch Umsicht und Sparsamkeit im öffentlichen wie Privalhaushalte die Fonds zu sammeln, um ähnlichen Katastrophen die Stirne bieten zu können. Man kann nicht voraussehen, was die künftige Reichsgesetzgebung über die Hazardspiele bestimmt, und eben so wenig, ob die Staatsregierung mit dem bisherigen lebhaften Interesse die materielle Wohlfahrt Wiesbadens jeder Zeit int Auge behält.
Karlsruhe, 9. Juli. (D. Z.) Heute versicherte man an den hiesigen Eisenbahnbüreau's, daß Herr und Frau Struve in oder bei Engen gefangen genommen worden seyen*). Von Rastatt hörten wir noch nicht, daß sich Neigung zur Uebergabe zeige. Die Bürger möchten wohl, aber die Kanoniere wollen nicht. Sie haben das nahe gelegene Dorf Niederbühl ganz in Asche gelegt, damit die Preußen sich nicht darin festsetzen können. Sie sind in ihrer Vertheidigung so wahnsinnig, daß sie fast Schuß auf Schuß herausfeuern, ohne den Belagerern vielen Schaden anzurichten. Wo sich außerhalb von fern eine Pikel- Haube zeigt, kommt von der Festung eine Kanonenkugel darauf gefahren. Kürzlich steckte ein Preuße seine Pikelhaube auf einen Stock, und die Festungskanoniere schossen darauf. Auf diese Art geht die Munition gleichen Schrittes mit dem Proviant darauf, und die badische Artillerie wird in kürzester Zeit weder Pulver noch etwas zu essen haben. Dann begräbt sie sich unter den Trümmern eines in die Luft gesprengten Pulvermagazins oder sie sucht sich durchzuschlagen um jeden Preis. Aber ich bezweifle sehr, daß sie den Preußen sich ergeben wird.
Vor Rastatt, 6. Juli, Abends. (Allg. Z.) Schauerlich weht die schwarze Fahne, das Zeichen, daß man auf Leben uiid Tod kämpfen wolle, auf mehreren Punkten in Rastatt.
O^VchlShaber dort ist der frühere preußische Artillerie- osstzier Willich, ein Mann, dem alle seine ehemaligen Kameraden
*) Wir brauchen kaum aufmerksam zu machen auf die Uuwahrscheinlich- Struve war nicht in Donaueschingen (der ^chw. Merkur berichtigt feine dahin lautende Nachricht), und scheint vielmehr schon im Innern der Schweiz angekommen.
das Zeugniß großer Charakterfestigkeit, vielseitiger militärischen Talente und Kenntnisse und persönlicher Ehrenhaftigkeit geben, und von dem nur zu bedauern ist, daß er diese reichen Fähigkeiten einem so unseligen Treiben widmet. Auch er ist übrigens eines der vielen Opfer der früheren preußischen Militärdespotie, die jede geistige Regung zu unterdrücken drohte. Daß Willich die Festung nicht lebend übergeben wird, fürchtet man hier allgemein, und leider scheinen die 3—400 früheren badischen Artilleristen und die gleiche Zahl Freischärler, welche die Hauptbesatzung bilden, zu gleichem Verzweiflungskampfe entschlossen zu seyn, obgleich das Ende davon keinen Augenblick mehr zweifelhaft seyn kann, so daß ganz nutzlos unsägliches Elend über die schon furchtbar geplagten Bewohner dieser armen Stadt herbeigeführt wird. Die Beschießung hat noch nicht angefangen, und so glauben wir, daß man vorerst versuchen wird, durch Hunger die dortige Besatzung mürbe zu machen, da ihre Lebensmittel nach hier angestellter Berechnung nur noch auf kurze Zeit ausreichen können. Wieviel Unschuldige müssen aber hierbei entsetzlich leiden! Uebrigcns sitzen in Rastatt noch zwei verwundete und gefangene preußische und mecklenburgische Offiziere, 11 gefangene mecklenburgische Soldaten und einzelne höhere badische Beamte, welche die Insurgenten als Geiseln dorthin abgeführt haben. Wir fürchten eS gibt hier noch eineschauerlich blutige Katastrophe zum Ende des badischen Revolutions-Drama.
Altona, 8. Juli, Mittags. (D. Z.) Die gestrigen Abend- Nachrichten aus Jütland lauteten sehr beruhigend; vom hiesigen Bahnhofsgebäude wird mitgetheilt, daß der Ausmarsch der Dänen, mit großer Truppenmacht unternommen, zwar die der Festung am nächsten gelegene Batterie in ihre Hände gebracht habe, daß sie dem Feinde jedoch wieder genommen und derselbe überhaupt mit beträchtlichem Verluste zurückgedrängt sey. An eine Sprengung der schleswig-holsteinischen Armee konnte man also durchaus 'nicht glauben; eben so wenig an die Wiedereinnahme KoldingS. Beides hat sich auch nach den Nachrichten des Morgenzuges keineswegs bestätigt; hingegen lauten die Meldungen noch immer schlimm genug. Die Positionen von Fridericia und mit ihnen der größte Theil des Belagerungsgeschützes sind wirklich verloren. Die Lager wurden von dem Feinde abgebrannt. Bei Gudson versuchte derselbe ebenfalls zu landen, wurde jedoch bei diesem Punkte mit Erfolg zurückge- geschlagen.
Wien. Die Bukowina vom 29. Juni (ein vortreffliches, balb deutsches, halb romanisches Blatt, das in Czernowitz erscheint) sagt: die neuesten unS aus Bucharest zugegangenen Berichte geben uns eine detailirte Schilderung der unmenschlichen Gräuel, die eben in Siebenbürgen an der Tagesordnung sind. Keine Feder ist im Stande, die höllische Grausamkeit der Szekler zu beschreiben, und kein Herz kann ungerührt bleiben bei den unsäglichen Leiden der Romanen, die angesichts ihrer wuthentbrannten Feinde mit ächtem Märtyrermuth, und bis zum letzten Athemzuge ihre treue Anhänglichkeit an die heilige Sache ihrer Nation und die gesetzliche Regierung betheuern. Auf Befehl der revolutionären Regierung in Hermannstadt ward an die Stelle des seinem Volke und seiner Regierung treu gebliebenen ausgezeichneten Bischofs Andreas Schaguna ein neuer Bischof gewählt, an dessen Wahl sich jedoch nur sieben Priester bethei- ligten, die, weil in der Nähe von Hermannstadt ansässig, sich nicht weigern konnten, bei derselben zu erscheinen. Alle übrigen Priester, die weder diese Wahl, noch den bezüglichen Auftrag als gesetzlich anerkennen wollten, verließen HauS und Hof und flüchteten sich in die Gebirge. Vierzig dieser Unglücklichen fielen jedoch in die Hände der Szekler, wurden alsogleich erschossen und ihr Vermögen konfiszirt. Diese Märtyrer waren fast alle aus dem Distrikte von Karlsburg. Eben so grausam wurden die Pfarrer von Boiza, Okna, Rutschet und Porumbak hinge- morbet. Die Magyaren haben eine Unzahl kriegsrechtlicher Commissionen gebildet, die von Ort zu Ort gehen und die von ihnen gesprochenen blutdürstigen Urtheile unmittelbar vollziehen lassen. Keiner von Denjenigen, die sich früher an dem Kampfe gegen die Insurgenten betheiligt hatten, wird verschont — mit alleiniger Ausnahme Jener, die sich in den Bergen unter dem Schutze des tapfern Janku Hora befinden. Ueber 100 Priester und mehr als 200 romanische Jünglinge aus den gebildeten Ständen (dort Intelligenzen genannt) weilen jetzt bet diesem. In Hermannstadt werden an jedem Dienstag und Freitag die Urtheile an den Romanen vollstreckt. Diese unglücklichen Opfer finden da kein Mitleid, kein Erbarmen bei ihren