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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^M 163.

Donnerstag den 12 Juli

1849.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume» ratiouspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogtbums und Kursürstentbunis Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 3 fL 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelleu- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Krieg gegen Dänemark.

Deutschland. Wiesbaden (Das Direktorium des landwirthschaftlichen Instituts). Frankfurt (Die österreichischen Truppen in Vorarlberg).

Darmstadt (Vom Kriegsschauplätze). Karlsruhe (Die Festung Rastatt: Brentano und Gvegg), Aus dem Badische» (Gewaltthaten deS Obersten Blenker.) Landau (Aign und Fugger.) Wien (Be­stätigung," daß die Koffuthsche Regierung von Pest nach Szegedin gegangen. Der Kaiser).

Nachschrift.

* Der Krieg gegen Dänemark.

Im gegenwärtigen Augenblicke der politischen Abspannung muß die neueste traurige Kunde aus Jütland mit einem Schlage das politische Interesse wieder aufwecken. Wir wissen noch nicht, in wie weit die ersten Nachrichten von der Niederlage der SchleSwig-Holsteiner vor Fridericia übertrieben sind oder nicht; ja es läßt sich sogar auS einem der vorliegenden Be­richte die Hoffnung schöpfen, daß man den Dänen wenigstens nicht gestattet habe, eine Frucht ihres Sieges zu gewinnen; allein sey dem wie ihm wolle, die überraschende Nachricht kann einen GährungSprozeß, der schon Monate lang im Stillen sich entwickelt, in eine plötzliche gewaltige Explosion verwandeln.

Es gibt gar vielfach verschiedene Standpunkte, von denen man von Deutschland aus den Schneckengang deS dänischen Kriegs verfolgt hat.

Dem Patrioten liegt das schwergekränkte Recht eines deutschen Volksstammes am Herzen. Er betrachtet den Krieg als einen mit den Waffen geführten Rechtsstreit, in welchem die deutsche Faust das Netz dänischer Rabulistenkünste zerreißen soll. Und wenn die Dänen schon in ihren Zeitungen und Flug­schriften recht wie die schlechten Advokaten ihre Sache verthei­digen, dann fechten sie auch mit dem Schwert wie Advokaten, sie fallen den Feind von hinten an und geben List für Tapfer­keit aus. Diejenigen aber, welche von dem Standpunkte des Patriotismus und des Rechts, den Kriegsoperationen fol­gen, werden den Abschluß eines ehrenvollen, im Sinne der wirklichen Rechtsansprüche Schleswig-Holsteins abgeschlossen neu Frieden wünschen.

Sie haben daher das giftige Mißtrauen, welches man in letzter Zeit so reichlich gegen die preußische Kriegsführung in Jütland sâete, bei sich niedergekämpft, weil sie wohl wissen, daß es nicht an der Zeit ist, während Friedensunterhandlungen gepflogen werden, den Krieg mit voller Energie fortzuführen. Auch schien ihnen gerade durch das fortwährende Obschweben der Verhandlungen der Beweis geliefert zu seyn, daß Preußen die Ansprüche Schleswig-Holsteins mit Nachdruck geltend mache.

Eine andere Partei, nämlich die demokratische, faßt den Krieg auf, als einen Kampf der Revolution gegen die dänische Monarchie. Ein Friede, der auf Ausgleichung der gegenseitigen Rechtsansprüche basirte, wäre ihr sehr unerwünscht. Sie will

Vernichtung des monarchischen Dänemark. Sie möchte durch energische Kriegsführung auf dem Festlande eine Revolution in Kopenhagen und den Sturz des dortigen Königthums Her­vorrufen. Sie zählt ganz besonders auf die Verwirrungen, welche nach der Besiegung der Dänen in Aussicht stehen, und betrachtet in weiterer Perspektive das befreite Schleswig-Hol­stein als den republikanischen Vorposten Norddeutschlands. Jede Verzögerung ist ihr Verrath, jede diplomatische Verhandlung Verrath, und käme gar ein auf wirklichen Rechtsgrund gebauter Friede zu Stande, so würde sie den für den ärgsten Verrath ausschreien.

Die direkt entgegenstehende Partei, nämlich die reaktionäre, faßt, wie sie überhaupt gar manche Wahlverwandtschaft mit der demokratischen hat, den dänischen Krieg gleichfalls als einen Kampf der Revolution gegen die legitime Monarchie auf. Sie schämt sich deßhalb nicht, ihn einenWühlerkrieg" zu nennen, weil sie genau eben so viel Patriotismus besitzt, wie die s. g. demokratische. Sie ärgert sich über jeden Sieg der deutschen Waffen und trug dadurch, daß sie dies unverholen aussprach und zwar am entschiedensten durch ihre bekannten Berliner Organe am meisten dazu bei, die preußische Kriegsführung zu verdächtigen.

Eine vierte Partei, welche uns zwar ferne steht, desto näher aber beiden Ereignissen selber betheiligt ist, besteht aus den zahlreichen Handels- und Gewerbsmännern der norddeut­schen Küstenstriche, welche durch den endlosen Krieg nach und nach total zu Grunde gerichtet werden, deren Absatzmärkte ge­sperrt sind, deren Schiffe man als gute Prise in den dänischen Häfen versteigert, während die andern, welche ihnen noch ver­blieben sind, als todtes Kapital in den Häfen liegen bleiben aus Furcht vor den dänischen Blokadeschiffen. Diese sehr ein­flußreiche Klasse wünscht den Frieden, sie wünscht ihn durch den Trieb der Selbsterhaltung, sie wird vielleicht weniger eigensin­nig seyn in Betreff der Art des Zustandekommens desselben, aber sie wird auch am leichtesten in Verzweiflung gerathen durch eine ungebührliche Verlängerung des Krieges.

Es wird sich nun bald zeigen, daß zwei von diesen Par­teien sich freuen werden über die Niederlage der deutschen Waf­fen vor Friedericia die beiden extremen. Die Reaktionäre werden ihre Freude vielleicht lauter aussprechen, die sog. De­mokraten werden sie vielleicht mehr für sich behalten. Die Einen freuen sich, daß der legitime Monarch das Rcvolutions, Heer geschlagen, die Andern, daß ihnen plötzlich ein so unge­heuerer Zündstoff zu neuen Aufreizungen gegen Preußen gege­ben ist. Die Demokratie wird wohl gar, denn sie ist stets an Hoffnung reich, den Versuch einer neuen durch ganz Deutsch­land gehenden Agitation an die Niederlage vor Friedericia knüpfen.

Allein auch den Männern von patriotischer und gemäßig­ter Gesinnung dürfte jetzt leicht der Geduldfaden reißen und es liegt nunmehr die dringendste Aufforderung an Preußen vor, den Schleier deS Räthsels über sein Verfahren in Jütland et­was zu lüften. Wir wissen wohl, daß Temporisiren manchmal besser zum Ziele führt, als rasches Voranschreiten. Wo aber daS Temporisiren so große Opfer an Menschenleben und an Geld kostet, wo es so gefährliches Mißtrauen säet, da dürfte